
«Reise zum Mars»: Elversberg freut sich auf die Bundesliga
Die SV Elversberg ist der 59. und bisher kleinste Verein in der Fußball-Bundesliga. Die Stars der Branche erwartet im Saarland ein Kulturschock.
Spiesen-Elversberg (dpa) -
Die «Reise zum Mars», wie Vincent Wagner das bevorstehende Bundesliga-Abenteuer gerne bezeichnet, tritt die SV Elversberg mit großer Neugier und Zuversicht an. «Für uns ist die Bundesliga so weit weg in gewissen Momenten. Und trotzdem: Wenn du weggehst von der Infrastruktur und vom Geld, und dich nur um das Fußballspielen kümmerst, können wir witzigerweise irgendwie schon mithalten», sagte der Trainer des Aufsteigers vor dem Auftakt gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr/Sky).
Die SVE ist der 59. Verein, der es jemals in die Fußball-Bundesliga geschafft hat - und zugleich der kleinste. Nur 13.000 Einwohner zählt die Gemeinde Spiesen-Elversberg. Einen Bahnhof gibt es nicht und die Infrastruktur rund um das Stadion, das immer noch einer Baustelle gleicht, ist problematisch. Der Begriff Dorfverein war wohl nie passender.
Die Stars der Branche - zwei Wochen nach der Werkself kommt der FC Bayern München mit Harry Kane nach Elversberg - müssen sich bei ihrem Trip ins Saarland auf einen Kulturschock gefasst machen. Denn die Umkleidekabinen befinden sich während des noch bis zum Winter andauernden Umbaus der Arena, die derzeit nur rund 10.000 Zuschauern Platz bietet, in einem provisorisch errichteten Containerdorf.
Finanziell ist der Verein ein kleiner Fisch
Auch in anderen Bereichen ist die SVE noch Lichtjahre vom üblichen Bundesliga-Standard entfernt. Die Geschäftsstelle und das Trainingsgelände befinden sich im benachbarten St. Ingbert. Bei den Heimspielen bricht regelmäßig ein Verkehrschaos aus, weil es nur eine Straße zum Stadion gibt. Um die neuen Anforderungen bewältigen zu können, muss die Stadt ihr Ordnungspersonal aufstocken.

Das Stadion in Elversberg gleicht immer noch einer Baustelle. (Archivbild) | Fabian Kleer/Fußball-News Saarland/dpa
Finanziell kann der Aufsteiger ohnehin nicht mithalten. In der Aufstiegssaison betrug der Lizenzspieleretat rund 10 Millionen Euro - deutlich weniger als das Jahresgehalt von Bundesligastars wie Kane. Im Oberhaus fließt zwar deutlich mehr Geld - allein die TV-Einnahmen steigen von rund 7,4 Millionen Euro auf gut 31 Millionen Euro. Doch das sind immer noch Peanuts im Vergleich zur Konkurrenz. Der FC Bayern erhält als TV-Krösus mehr als 92 Millionen Euro und damit fast dreimal so viel wie der Bundesliga-Novize.
Um künftig mehr Einnahmen zu generieren, setzen die Saarländer unter anderem auf innovative Hospitality-Angebote. Die greifen allerdings erst ab der Saison 2027/28, wenn das Stadion fertig ist und dann 15.500 Plätze hat. Zwölf Field-Logen, eine Panorama- und eine Dachgeschoss-Lounge sowie neue LED-Werbebanden sollen pro Saison zusätzlich 7,5 Millionen Euro in die Kasse spülen.
Holzer-Familie leitet die Geschicke
Zum Glück hat der Verein einen großen Gönner. Frank Holzer, der einst für den Nachbarn 1. FC Saarbrücken und in der Bundesliga für Eintracht Braunschweig kickte, ist nicht nur Aufsichtsratschef, sondern mit seinem weltweit operierenden Pharmaunternehmen (Ursapharm) auch seit vielen Jahren größter Sponsor.
Ihm zur Seite steht Sohn Dominik. Er ist Vereinspräsident und führt gemeinsam mit seinem Vater auch im Unternehmen, das jährlich rund 350 Millionen Euro Umsatz macht, die Geschäfte. Die Firma ist Namensgeber des Stadions und Trikotsponsor.
Wagner sieht Parallelen zu Jamaika-Bob
Trotzdem gleicht der Aufstieg einem Fußball-Märchen und ist für Wagner immer noch etwas surreal. Der 40 Jahre alte Fußball-Lehrer zieht deshalb Parallelen zu einem lange zurückliegenden Sport-Wunder, das später sogar in Hollywood unter dem Titel «Cool Runnings» verfilmt wurde.

Vincent Wagner möchte mit der SV Elversberg auch in der Bundesliga jubeln. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa
«Es gab mal so einen schönen Film. 'Das übersteigt meine Vorstellungskraft, Jamaika hat eine Bob-Mannschaft.' So fühlt es sich auch für uns ein bisschen an», sagte Wagner in Anspielung auf die erste Olympia-Teilnahme eines Schlittens aus dem Karibik-Staat in Calgary 1988.
Die Rolle des krassen Außenseiters nimmt er gerne an. «Wir sind bestmöglich vorbereitet. Aber: wenn ich mir die Startaufstellung von Bayer Leverkusen anschaue - das ist so ein weiter Weg für uns. Wir geben unser Bestes, werden lernen und schauen, wie weit wir kommen», sagte Wagner.
SVE will mutig und offensiv auftreten
In Demut erstarren will er mit seinem Team aber nicht. «Wir haben eine lange und intensive Vorbereitung gehabt, uns im Rahmen unserer Möglichkeiten verstärkt und die meisten Jungs halten können, die wir halten wollten. Die Mannschaft ist gerüstet für die Bundesliga», verkündete der SVE-Trainer.

Trainer Vincent Wagner sieht die SV Elversberg gut gerüstet für die Bundesliga. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa
Man wolle auch in der Elite-Liga mutig und offensiv agieren. «Die Spielidee ist klar», sagte Wagner. Wie schon in den vergangenen vier Jahren, in denen der Verein von der Regionalliga bis in die Bundesliga durchmarschierte, ist jugendliche Unbekümmertheit Trumpf. Die Fans können sich also weiter auf Vollgas-Fußball freuen. «Ob es dann reicht, werden wir sehen», sagte Wagner.
dpa
Bild: Beim Aufsteiger SV Elversberg ist die Vorfreude auf die erste Bundesligasaison in der Vereinsgeschichte groß. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa
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