Osterzeit ist Taufzeit - auch für Erwachsene

«Erwachsenentaufen bleiben eine Seltenheit»

Osterzeit ist Taufzeit - auch für Erwachsene

Trier/Mainz/Düsseldorf (dpa/lrs) - Der Verlust eines geliebten Menschen, die Suche nach Gemeinschaft oder ein spätes Kennenlernen des christlichen Glaubens: Die Gründe, sich im Erwachsenenalter taufen zu lassen, sind vielfältig. Manche stoßen über die Kommunion oder Konfirmation ihrer Kinder auf die Kirche, andere konnten zuvor in ihren Herkunftsländern den Glauben nicht frei ausleben. Auch wenn die Zahlen nicht hoch sind: Für die katholische und die evangelische Kirche sind Erwachsenentaufen kleine Lichtblicke - gerade angesichts der hohen Austrittszahlen der vergangenen Jahre.

Im Bistum Mainz gab es in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt knapp 100 Taufen von Erwachsenen.  «Ich nehme das als Ermutigung wahr - auch wenn die absoluten Zahlen im Vergleich zu den Austritten relativ klein sind», sagt Aaron Torner vom Referat Katechese und Glaubenskommunikation im Bistum Mainz. Das persönliche Zeugnis der Erwachsenen, die getauft werden, sei in vielen Fällen beeindruckend.

Die Gründe sind individuell höchst verschieden. Der eine habe über Jahre ein wachsendes Interesse am Glauben gespürt. Der andere habe sich über eine Erkrankung oder über einen Schicksalsschlag zur Taufe entschieden, berichtet Torner. Und wieder ein anderer sei übers Online-Gaming auf die Taufe gekommen, da ihm dort die Bedeutung des Glaubens bewusst geworden sei.

Die Osternacht sei der traditionelle Tauftermin. «Inzwischen gibt es aber auch viele Taufen, die das Jahr über stattfinden.» Die Taufbewerber bereiteten sich meist über Monate auf die Taufe vor. Auch über Glaubenskurse, die im Bistum Mainz jährlich angeboten werden.

«Für die Kirche ist jeder Mensch ermutigend, der sich für ein Leben in der Glaubensgemeinschaft entscheidet», teilt eine Sprecherin des Bistums Trier mit. Mit dem Mitgliederschwund gingen auch die Taufzahlen - bei Säuglingen und Erwachsenen - zurück. Von 2012 bis 2022 habe sich die Zahl der Erwachsenen, die sich im Bistum Trier taufen ließen, auf gut 80 halbiert. Säuglingstaufen seien noch immer das übliche Format.

Bei Menschen mit Migrationshintergrund seien oft junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren dabei. Viele hätten zuvor in Kirchengemeinden positive Erfahrungen gemacht, sagt die Sprecherin.  Die Taufe finde nicht nur an Ostern, sondern das Jahr über auch in den normalen Gottesdiensten statt. Bei Menschen mit Migrationshintergrund komme es auch vor, dass die Taufe ohne Öffentlichkeit über die Bühne gehe, wenn aus den Heimatländern oder durch die Familie Verfolgung drohe.

In der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die Zahl der Erwachsenentaufen (nach dem 14. Lebensjahr) seit dem Jahr 2000 zurückgegangen. Und zwar um rund 1000 Taufen auf knapp 1200 im Jahr 2022. «Erwachsenentaufen bleiben eine Seltenheit», teilte ein Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf mit. Sie machten nur sieben Prozent aller Taufen aus. Sie seien aber «in Zeiten schwindender Mitglieder- und hoher Austrittszahlen ein ermutigendes Zeichen, dass es Gründe gibt, Mitglied einer Kirche zu sein». 

Es gebe einen Trend, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr als Säuglinge taufen ließen, sondern die Kinder selbst entschieden - und im Vorschulalter oder zur Konfirmation zur Taufe gingen. In jüngerer Zeit würden in Gemeinden und Kirchenkreisen zunehmend auch große Tauffeste organisiert, sagt der Sprecher. Und es gebe «Pop-up-Taufen», also spontane Taufen ohne Anmeldung und längere Vorbereitung, zum Beispiel in Hanau.

Ostern gehöre traditionell zu den beliebten Taufterminen. Die Tradition der Taufe von Erwachsenden in der Osternacht-Feier sei im vergangenen Jahrzehnt vor allem in der katholischen Kirche wieder belebt worden. Zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehören knapp 2,2 Millionen Mitglieder in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen.

Im katholischen Bistum Speyer haben sich knapp 30 Erwachsene im vergangenen Jahr taufen lassen, wie eine Sprecherin sagt. In der diesjährigen Osternacht seien sieben Taufen von Erwachsenen an verschiedenen Orten geplant. Gründe sind: Dass das eigene Kind getauft wird oder zur Kommunion geht. Manche kämen auch über den Partner in Berührung mit dem Glauben, sagt die Bistumssprecherin.

In der Osternacht getauft zu werden, sei für viele ein Höhepunkt, sagt der Sprecher des Bistums Limburg. Viele Erwachsene empfingen dann auch das Sakrament der Kommunion und der Firmung. Es gebe aber auch im Bistum Limburg Erwachsenentaufen im Laufe des Jahres. In der Urkirche sei es so gewesen, dass ausschließlich Erwachsene an Ostern getauft worden seien. Die Taufe von Kindern habe sich erst im Mittelalter etabliert. 

Im Bistum Limburg habe es im vergangenen Jahr insgesamt gut 3300 Taufen gegeben, bei denen rund 50 Menschen über 18 Jahre alt waren. Die erwachsenen Taufbewerber kämen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen, sagte der Bistumssprecher.

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Datum: 25.03.2024
Rubrik: Kultur
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