Gemeinsam zum Stromnetz der Zukunft

Auftaktveranstaltung in Mainz

Gemeinsam zum Stromnetz der Zukunft

Mainz (dpa/lrs) - Mehr Wärmepumpen, mehr Elektromobilität, veränderte Industrieprozesse und ein Fokus auf erneuerbare Energien: Sowohl die Erzeugung als auch der Bedarf an Energie dürften sich in den kommenden Jahren gravierend verändern. Damit trotz aller Herausforderungen eine sichere Versorgung gewährleistet werden kann, braucht es reichlich Planung, Kalkulationen und voraussichtlich Optimierungen an der Infrastruktur. Damit das in Rheinland-Pfalz möglichst abgestimmt gelingt, holt das Klimaschutz- und Energieministerium mit dem Strom-Übertragungsnetzbetreiber Amprion nun viele Akteure an einen Tisch.

Erstmals geschah dies am Montag bei der Auftaktveranstaltung unter dem Titel «Stromnetz 2045: Datenwerkstatt Rheinland-Pfalz» in Mainz. Der Name spielt darauf an, dass der Bund bis zum Jahr 2045 ein klimaneutrales Stromsystem anstrebt. Grob gesagt geht es bei der Datenwerkstatt darum, die bisherigen Planungen von Amprion, von Betreibern von Verteilnetzen, von Unternehmen, von Kommunen oder Stadtwerken übereinanderzulegen. Weiter gehen soll es mit mehreren Workshops im Sommer, bis am 8. Oktober eine Abschlussveranstaltung geplant ist. Bis dahin soll nach Ministeriumsangaben auch eine gemeinsame Datengrundlage geschaffen worden sein, die dann allen Beteiligten helfen soll - von Netzbetreibern bis zu Kommunen, die sich auch an die Wärmeplanung machen müssen. 

Eder: «Das macht kein anderes Land so»

Das Ganze ist eine Art Testlauf, der in anderen Bundesländern Schule machen könnte. «Das ist bundesweit einmalig, das macht kein anderes Land so», sagte die rheinland-pfälzische Energieministerin Katrin Eder von den Grünen. Auf Wirtschaftsseite werden am Montag unter anderem der Chemieriese BASF oder auch Vertreter der Beton- oder Papierbranche dabei sein. Es passiere derzeit auf vielen Ebenen sehr viel, sagte Eder. Das solle ein Stück weit synchronisiert werden. An Planungen sitzen etwa Betreiber von Übertragungsnetzen - also die großen Stromautobahnen, wie Amprion einer ist, Betreiber kleinteiligerer Verteilnetze, die den Strom zu Haushalten bringen, Unternehmen, Kommunen und Stadtwerke. 

Der Zeitpunkt für das Treffen in Mainz sei gut, erklärte das Mainzer Ministerium, weil große Verteilnetzbetreiber mit mehr als 100 000 Kunden bis Ende April ihre Planungen der Bundesnetzagentur vorlegen mussten. Diese wiederum hatte Anfang März neue Pläne für den Ausbau des Strom-Übertragungsnetzes vorgelegt, den sogenannten Netzentwicklungsplan 2037/2045. Dass es bei dem Thema um sehr viel Geld geht, zeigt die Tatsache, dass die Bundesnetzagentur seinerzeit die Gesamtkosten aller geplanten Ausbaumaßnahmen bis 2045 auf rund 320 Milliarden Euro bezifferte. Sämtliche Kosten werden in der Regel über die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt.

Es geht um immense Summen

In Rheinland-Pfalz gibt es dem Ministerium zufolge rund 50 Verteilnetzbetreiber, darunter sechs große mit mehr als 100 000 Kunden. Das sind die Pfalzwerke, die Syna GmbH mit Sitz in Frankfurt, Westnetz aus Nordrhein-Westfalen, die Energienetze Mittelrhein in Koblenz, die Mainzer Netze und die EWR in Worms. Geschaut werden muss im bestehenden Netz, wo gegebenenfalls optimiert werden muss. Das heißt längst nicht immer Ausbau, wie das Ministerium erklärt. Es kann auch darum gehen, eine bestehende Trasse mit zusätzlichen Seilen zu versehen, weitere Erdkabel zu legen oder bestehende Leitungen noch effektiver zu nutzen. In jedem Fall sollten Fehlinvestitionen vermieden werden. 

Im Übertragungsnetz wird in Rheinland-Pfalz laut dem Ministerium derzeit an zwei Projekten gearbeitet - an Teilen der Gleichstromtrasse Ultranet, die von Düsseldorf ins baden-württembergische Philippsburg führt, und an der Amprion-Wechselstromtrasse von Metternich bei Koblenz bis Niederstedem bei Bitburg. Allein Amprion rechnet nach einer Mitteilung von April bis zum Jahr 2028 mit Investitionen von rund 27,5 Milliarden Euro in den Aus- und Umbau des Übertragungsnetzes. Der Fortschrittsmonitor 2024 Energiewende der Beratungsgesellschaft EY beziffert die Investitionen aller Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland für den Netzausbau bis 2030 auf 131,1 Milliarden Euro, die aller Verteilnetzbetreiber bis 2030 auf rund 123,5 Milliarden, es geht also um immense Summen. 

Gearbeitet wird auch bei der Datenwerkstatt zunächst mit Prognosen für das Jahr 2037, später für 2045. Es wird in die Zukunft geschaut, welche Lasten angenommen werden, welcher Verbrauch vermutet wird. Denn für eine funktionierende Strominfrastruktur ist unabdingbar, dass die Einspeisung von Strom und der Verbrauch ausgeglichen sind, es darf weder zu wenig noch zu viel eingespeist werden - und das zu jeder Zeit des Jahres -, also auch, wenn sehr viel oder sehr wenig Wind weht, wenn die Sonne stark oder gar nicht scheint. Und da in den allermeisten Fällen Strom nicht dort produziert wird, wo er gebraucht wird, ist es auch wichtig, möglichst Engpässe im Netz zum Stromtransport zu vermeiden. Ministerin Eder sagte: «Uns ist wichtig, zu einer integrierten Stromnetzplanung zu kommen.» 

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Datum: 13.05.2024
Rubrik: Vermischtes
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