Bund Deutscher Karneval: Feiern auch in schweren Zeiten vertretbar

Gerade in Zeiten von Krisen und Konflikten sei die bevorstehende närrische Session wichtig

Bund Deutscher Karneval: Feiern auch in schweren Zeiten vertretbar

Bexbach (dpa) - Gerade in Zeiten von Krisen und Konflikten hält der Bund Deutscher Karneval (BDK) die bevorstehende närrische Session für wichtig. «Es ist moralisch vertretbar, auch in dieser schwierigen Zeit zu feiern», sagte BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess der Deutschen Presse-Agentur im saarländischen Bexbach. Der Karneval stehe seit Jahrhunderten dafür, Menschen für eine überschaubare Zeit, «aus dem Alltag herauszureißen und ein paar unbeschwerte Stunden zu bereiten». Am 11.11. starten Narren bundesweit in eine neue Session - darunter in den Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf.

Fess sagte, er sei in den vergangenen Tagen immer wieder gefragt worden, ob man angesichts von Krieg, Energiekrise, Inflation, Flüchtlingswellen und Pandemie überhaupt Fasching feiern sollte. «Ich sage ja. Der Karneval mit seinem Ehrenamt hat sogar eine moralische Verpflichtung dazu.» Ihm sei aber klar, dass es «keine unbeschwerte Session» werde und man noch nicht wieder an Vor-Corona-Zeiten von 2019 anknüpfen könne. Der BDK vertritt gut 5300 Vereine und Zünfte mit mehr als 2,6 Millionen Karnevalisten und Fastnachtern.

Fess sagte, er stoße gerne eine neue Wertediskussion an. Mit Nachdruck wehre er sich aber gegen «wenige laute Stimmen», die Kostüme wie Indianer, Mexikaner und Afrikaner infrage stellten. «Ich finde stellenweise das wirklich unerträglich, über was man in der heutigen Zeit diskutieren muss, sich erklären und klarstellen muss», sagte Fess. Man könne ja niemandem unterstellen, dass er mit Kostümen Menschen oder Volksgruppen diskriminiere.

Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie stünden Vereine derzeit bei der Planung von Veranstaltungen vor neuen Herausforderungen, sagte der BDK-Präsident. Zum einen belasteten gestiegene Energiepreise die Vereine etwa bei Hallenmieten. Finanziell bemerkbar mache sich auch, dass in der Corona-Zeit Sponsoren abgesprungen seien. Und schließlich komme es vor, dass in manchen Kommunen zuvor eingeplante Hallen aktuell nicht zur Verfügung stünden, weil sie für Geflüchtete oder als Wärmestube bereitgehalten würden.

Nach zwei Ausnahmejahren wegen Corona sei es wichtig, dass sich der Karneval wieder zeige, sagte der Ober-Karnevalist. «Wir haben in den Vereinen auch Kindern und Jugendlichen gegenüber eine Verantwortung. Wir müssen ihnen Perspektiven aufzeigen, sonst droht eine Abwanderung.» Der BDK sei der achtgrößte Bundesverband in Deutschland: «Das ist ja schon eine Größe. Ich appelliere an die Politik, an die Länder und den Bund, dass sie hinter uns stehen», sagte Fess. «Das Ehrenamt muss gestärkt werden.»

 

Foto: Harald Tittel/dpa/Archiv

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Datum: 05.11.2022
Rubrik: Kultur
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