HwK-Vollversammlung: Handwerk zeigt sich bislang krisenfest

Ministerin Schmitt stellt Ansehen der dualen Ausbildung in den Mittelpunkt

HwK-Vollversammlung: Handwerk zeigt sich bislang krisenfest

„Ein Krieg mitten in Europa, damit verbundene Umstellungen und drastische Preiserhöhungen am Energiemarkt, eine galoppierende Inflation, die immer noch gestörten Lieferketten und suboptimalen Verfügbarkeiten von Materialien, weiterhin deutlich spürbare Auswirkungen der Corona-Pandemie wie auch der Fachkräftemangel greifen massiv in unser Leben und unsere Wirtschaft ein – was dem Handwerk große Sorgen bereitet“, stellte Kurt Krautscheid als Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zu Beginn der Vollversammlung heraus. „Und gerade weil das Handwerk gemeinhin nicht für Schwarzmalerei bekannt ist, sollten alle unsere daraus resultierenden Sorgen ernst nehmen! Dass wir heute auch über einen Krieg in Europa sprechen müssen, ist in diesen Zeiten eine schier unfassbare Tatsache. Das schien überwunden und als Variante von Interessensdurchsetzung eines Landes gegen ein anderes völlig ausgeschlossen.“

Das „Parlament des Handwerks“ im nördlichen Rheinland-Pfalz tritt einmal jährlich zusammen, 2022 erstmals in den Kongressräumen des Mensaneubaus am HwK-Standort August-Horch-Straße, wie die Handwerkskammer Koblenz mitteilt. Die Vollversammlung ist das oberste Selbstverwaltungsorgan der HwK und besteht aus 48 gewählten Mitgliedern. Zwei Drittel sind Arbeitgeber, ein Drittel gehört dem Arbeitnehmerflügel an. Gemeinsam werden wichtige Entscheidungen für die insgesamt 21.400 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk getroffen. „Dass die Zahl der Betriebe in der aktuellen wirtschaftlichen wie geopolitischen Krise im Jahresverlauf gestiegen ist, spricht für die Wirtschaftskraft des Handwerks! Wir sind bislang weniger betroffen als die Gesamtwirtschaft durch diese Krise gekommen.“ Krautscheid wies aber auch darauf hin, dass sich die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage gerade im Herbst deutlich abgekühlt hat. Problematisch erweist sich dabei das Fehlen einer verlässlichen Aussage zur weiteren Entwicklung. „Für das nächste Quartal erwarten 59 Prozent der befragten Betriebe, dass sich die Geschäftslage verbessert oder zumindest gleichbleibt. Das ist ein Rückgang von 30 Prozent.“

Besonders betroffen sind die energieintensiven Branchen, so die Nahrungsmittelhandwerke Bäcker, Fleischer und Konditoren. „Zumal mit der einhergehenden Inflation die Kaufkraft der Verbraucher sinkt und unsere Nahrungsmittelhandwerker in Konkurrenz mit den Supermarktangeboten stehen. Wir spüren in dieser Situation leider auch, wie wichtig Nachhaltigkeit beim Lebensmitteleinkauf und die Unterstützung regionaler, handwerklicher Anbieter in einer Krise beim Blick in die Brieftasche der Konsumenten tatsächlich sind. Das kann man den Menschen noch nicht einmal zum Vorwurf machen. Da steigende Nebenkosten in den Haushalten dazu kommen, schauen wir auf eine Kettenreaktion.“

„Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind gute Stichworte in dieser Krise. Denn die Klimakrise ist ja nicht weg, sondern momentan in der Wahrnehmung nur noch zweit- oder drittrangig. Auch hier ist das Handwerk ein gefragter Ansprechpartner, denn ohne unsere Fachbetriebe wird die Energiewende nicht umzusetzen sein. Darauf waren und sind wir gut vorbereitet, müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich vieles nicht realisieren lässt – Stichwort Lieferfähigkeit entsprechender Systeme – oder umgesetzt werden kann – Stichwort abflauende private Kaufkraft.“ Insofern wird auch für die Gewerke der Klimawende – entgegen aller bisherigen Prognosen – eine Konjunkturdelle erwartet.

 

Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt: Ansehen der Ausbildung muss deutlich verbessert werden

Daniela Schmitt als rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin griff diese Gedanken auf und lobte in einer kämpferischen Rede das Handwerk als verlässliche und stabile Säule der Wirtschaft. Ein enger, vertrauensvoller Schulterschluss sei gerade in Krisenzeiten wichtig für die erfolgreiche Bewältigung. Bei den Maßnahmen sei aber eine Differenzierung „hier müsse die Politik helfen, da solle sie sich zurückhalten“ wenig hilfreich. „Wir schaffen das nur als Solidargemeinschaft. Und wir werden alle Kompromisse eingehen müssen!“

Die Landesregierung setze sich intensiv im Sinne des Mittelstandes auf Bundesebene ein, auch bei der Abfederung der Auswirkungen steigender Energiepreise. „Wir haben in Berlin deutlich gefordert, bei den Entlastungsmaßnahmen nicht nur an energieintensive Industrieunternehmen zu denken, sondern gerade an den Mittelstand und das Handwerk. Denn wir nehmen die Sorgen des Handwerks sehr ernst, auch beim Thema Fachkräftesicherung. Es geht nach wie vor darum, das Image des Handwerks zu korrigieren.“ Das Studium werde in der öffentlichen Wahrnehmung im Vergleich zur dualen Ausbildung immer noch deutlich favorisiert. Was zu Lasten der Fachkräftesituation in der Wirtschaft geht. „Wenn ich höre, wie Oma oder Opa dann sagen: der Bub geht ja nur ins Handwerk – da schwillt mir der Kamm! Wir müssen die Gleichwertigkeit von Studium und Ausbildung in die Köpfe bringen.“ Auf die Unterstützung der Landesregierung könne sich das Handwerk dabei verlassen.

 

Foto: Michael Jordan 

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Datum: 23.11.2022
Rubrik: Wirtschaft
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