Arbeitsplatz Kirche: Wie Bistümer ihre freien Stellen besetzen wollen

Können schlankere Strukturen helfen?

Arbeitsplatz Kirche: Wie Bistümer ihre freien Stellen besetzen wollen

Mainz/Trier/Speyer (dpa/lrs) - Für ihre freien Arbeitsplätze werben sie mit modernem Design im Internet oder mit einem Orientierungsjahr, doch viele Stellen sind weiter unbesetzt – bei den Kirchen. «Sowohl die Zahl der Priesteramtsbewerber als auch die Zahl derer, die sich für einen pastoralen Beruf entscheiden, geht seit Jahren kontinuierlich zurück - was wir sehr bedauern», heißt es etwa vom BISTUM TRIER. Dabei ist Seelsorge ein kreatives Berufsfeld: Ideen einbringen, selbstständig im Team arbeiten, Kontakt mit Menschen.

Hilft der Pastorale Weg?

Doch etwa nach Missbrauchsskandalen finden sich in der Kirche weniger Interessierte für diese Aufgabe, was die Krise verschärft. «Natürlich ist auch im BISTUM MAINZ das Interesse an seelsorglichen Berufen gesunken - seien es Priester, Diakone, Pastoral- oder Gemeindereferentinnen oder -referenten», heißt es in der Landeshauptstadt. Die Kirche in Deutschland erlebe einen vielfältigen Wandel mit steigenden Kirchenaustritten, sinkender Finanzkraft und sinkendem Interesse an kirchlichen Berufen. «Der Pastorale Weg ist bereits seit einigen Jahren eine intensive Reaktion des Bistums.»

Der Pastorale Weg bezeichnet die Weiterentwicklung der Kirche in Mainz und betrifft die geistliche und die organisatorische Ebene. «Im Bistum werden die bisher bestehenden 135 pastoralen Einheiten bis 2030 in 46 neu zu gründenden Pfarreien aufgehen», sagt ein Sprecher. Diese Pfarreien werden im Rahmen eines neuen Modells von Pfarrer, Koordinatorin oder Koordinator und Verwaltungsleiter oder Verwaltungsleiterin geleitet. «In der Seelsorge ist der Pfarrer kein Einzelkämpfer mehr, sondern arbeitet in einem Pastoralteam.»

Personalschlüssel sinkt

Schlankere Strukturen, mehr Verantwortung: Das kann als Arbeitsplatzbeschreibung attraktiv sein. Das sieht man im BISTUM SPEYER ähnlich. «Für den Beruf eignen sich all jene, die gerne mit Menschen und in einem abwechslungsreichen Beruf arbeiten möchten», heißt es dort. Es werde immer stärker darauf ankommen, dass Seelsorgerinnen und Seelsorger anderen Menschen Räume ermöglichen - um mit dem Glauben in Kontakt zu kommen. «Dabei wird es immer mehr auf die Arbeit mit Multiplikatoren und Teams ankommen.»

Wie sieht das in Zahlen aus? «Über die Jahre sinkt der Personalschlüssel», sagt eine Sprecherin in SPEYER. «Um den Status quo halten zu können, müssen pro Jahr etwa 18 Neueinstellungen erfolgen. In der Regel gibt es aber nur ein bis zwei Neueinstellungen jährlich.»

Aktuell arbeiten im Bistum 131 Priester, 106 Gemeindereferenten oder -referentinnen, 100 Pastoralreferenten, 25 Diakone im Zivilberuf und 14 Diakone im Hauptberuf. «Hinzu kommen 23 Ordensangehörige und 20 Priester anderer Bistümer, die in der Diözese Speyer arbeiten.» Bis 2030 sinken die Zahlen um etwa 30 Prozentpunkte - so die Prognose.

Sprachenjahr als Angebot

In TRIER sind 259 Priester im aktiven Dienst. «Hinzu kommen 94 Ordenspriester und 33 Priester anderer Bistümer, die in Trier arbeiten», sagt eine Sprecherin. «Derzeit sind 38 Pfarrstellen vakant.» Ständige Diakone im Haupt- oder mit Zivilberuf zählt das Bistum 179, dazu 252 Gemeindereferentinnen oder -referenten und 205 Pastoralreferentinnen oder -referenten. Hinzu kommen insgesamt 14 Priesteramtskandidaten, davon die Hälfte in der Berufseinführung. Zum Bistum Trier gehören auch Katholiken im Saarland.

«Natürlich versucht das Bistum über viele Wege, jüngere und auch ältere Menschen auf dem zweiten Berufsweg für Seelsorge-Berufe zu begeistern», betont die Sprecherin in Trier. Eine niedrigschwellige Möglichkeit sei das «Felixianum» - ein Orientierungs- und Sprachenjahr für junge Menschen nach dem Schulabschluss. «Sie leben zusammen in einer WG, haben Sprachkurse mit Theologiestudierenden und spirituelle Angebote.» Zudem betreibe das Bistum die Internetseite «Wir glauben an dich» und sei aktiv bei Facebook und Instagram.

Geburtenstarke Jahrgänge enden

In der Evangelischen Kirche der Pfalz stehen derzeit 473 Pfarrerinnen und Pfarrer im Dienst, das sind 419 Vollzeitstellen. 278 Kolleginnen und Kollegen arbeiten in Kirchengemeinden, dazu kommen 15 Dekane. Außerhalb der Gemeinden werden Dienste in Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen sowie in besonderen Seelsorgestellen in Gefängnissen sowie in der Polizei- und Militärseelsorge übernommen.

Aufgrund der hohen Zahl von Ruhestandseintritten der geburtenstarken Jahrgänge und wesentlich geringeren Neuzugängen rechnet die Protestantische Landeskirche bis 2030 noch mit 315 Vollzeitstellen. «In den vergangenen fünf Jahren konnten wir durchschnittlich zehn Neueinstellungen pro Jahr vornehmen», sagt ein Sprecher. «Wir haben derzeit 15 Gemeindepfarrstellen, die wir nicht besetzen können.»

Foto: Sven Hoppe/dpa

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Datum: 09.02.2024
Rubrik: Vermischtes
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