Vor 50 Jahren ausgestorben - Wie die Rückkehr der Weißstörche gelang

1973 war das vorläufige Ende der Klapperschnäbel in Rheinland-Pfalz

Vor 50 Jahren ausgestorben - Wie die Rückkehr der Weißstörche gelang

Mainz (dpa/lrs) - Diese tierische Erfolgsgeschichte dürfte in Rheinland-Pfalz beispiellos sein: 50 Jahre ist es her, dass der Weißstorch im Bundesland ausstarb - doch dann gelang die Rückkehr.

«Der letzte rheinland-pfälzische Weißstorch brütete in den Queichwiesen bei Offenbach. Danach sah man nur noch einzelne Tiere auf der Durchreise», erinnert sich Torsten Collet vom Naturschutzbund (Nabu) an den traurigen Moment 1973. Es war das vorläufige Ende der Klapperschnäbel in Rheinland-Pfalz. Doch in Anlehnung an Aktionen in Nachbarländern, begannen in einigen Gemeinden seit den 1980er Jahren Wiederansiedlungsprojekte. Seit 1993 siedelten sich zunehmend «Wildstörche» an. Vor genau 25 Jahren, am 17. Januar 1998, gründete sich dann der Verein, der entscheidenden Anteil hat: PfalzStorch.

«Dass das Projekt so erfolgreich verlaufen würde, war den engagierten Freiwilligen zu Beginn wohl nicht klar», sagt Jessica Lehmann, Leiterin des Storchenzentrums in Bornheim. Die Ansiedlung sei schwierig gewesen. «Es wurden Lockstörche eingesetzt, um freilebende Tiere zu bewegen, in der Region zu bleiben. Zudem wurden anfangs bei schlechtem Wetter Jungtiere aus den Nestern geholt, um sie zu füttern oder aufzuwärmen.» Heute sei man von diesen zeitintensiven und artenschutzrechtlich genehmigungspflichtigen Arbeiten weit entfernt.

Seit einigen Jahren seien zeitweise kleine oder größere Gruppen der majestätischen Vögel zu sichten, sagt Lehmann. «Diese Tiere finden ihre Nahrung gerne dort, wo es gerade sehr viel davon gibt. Wo ein Storch Nahrung findet, müsste auch noch ein zweiter satt werden - so die Denkweise eines Storches.»

Seit Jahren entwickele sich der Bestand der Adebare im Bundesland positiv. «2022 gab es in Rheinland-Pfalz 522 Horstpaare. 992 Jungstörche wurden flügge», schildert Lehmann. Interessant dabei: Die Tiere weichen mittlerweile auch in andere, bisher noch unbesetzte Gebiete wie den Hunsrück aus. «Sogar in der Eifel wurden Störche gesichtet, und ein Paar hat sich dort niedergelassen. Wie sich diese Lage entwickelt, bleibt in den nächsten Jahren abzuwarten.»

Referent Collet vom Nabu Rheinland-Pfalz mahnt, trotz des Erfolgs nicht nachzulassen. «Auch wenn sich der Bestand seit einigen Jahren stabilisiert hat, brauchen Störche weiter eine starke Lobby.» Auch ein Vogel mit einem solch positiven Image sei darauf angewiesen, dass diese Akzeptanz für ihn weiter bestehe, sagt er. «Vieles macht dem Weißstorch das Leben schwer. Die größte Gefahr geht vom Verlust seiner Lebensräume aus: Wo intensive Landwirtschaft betrieben wird und Flussauen verloren gehen, kann der Storch nicht überleben.»

Auch der Stromtod ist mancherorts eine Bedrohung für die Vögel. «Ihnen werden ungesicherte oder unzureichend gesicherte Strommasten häufig zum Verhängnis.» Dem stimmt Lehmann zu. «Etwa 70 Prozent der flüggen Jungstörche sterben im ersten Jahr. Neben natürlichen Ursachen wie Schwäche, Erkrankungen oder Unwetter stellen die Verluste von Rastmöglichkeiten, steile Klärbecken oder eben Stromleitungen eine große Gefahr dar.» Und immer häufiger würden Störche an achtlos weggeworfenen Plastikgummis im Magen verenden.

Doch warum starb der Weißstorch vor einem halben Jahrhundert in Rheinland-Pfalz aus? Das Landesamt für Umwelt - Kompetenzzentrum Staatliche Vogelschutzwarte und Artenvielfalt in der Energiewende (KSVAE) sieht die Gründe in damaligen Lebensraumverlusten in den Brutgebieten und klimatischen Veränderungen in Überwinterungs- und Durchzugsgebieten. Die Wiederansiedlung sei das Ergebnis konsequenter und hartnäckiger Schutzbemühungen mit großem ehrenamtlichen Engagement gewesen, betont man in Mainz.

Heute brüten in Rheinland-Pfalz ausschließlich sogenannte Westzieher, die zum Großteil in Spanien und Nordafrika überwintern. Der Rest zieht bis in die westafrikanische Sahelzone. Ebenso wie der Schwarzstorch, der als Brutvogel einst ausgerottet war und ab 1982 die nördliche Landeshälfte wieder besiedelt hat, ist der Weißstorch auf Gewässer, Feuchtgebiete und Nassstellen zur Nahrungssuche angewiesen. «Beide leiden unter den Dürreperioden der vergangenen Jahre, die Nahrungsangebot und -verfügbarkeit einschränken und zu vielen Brutverlusten geführt haben», betonen Alexander Neu und Christian Dietzen von der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesamt.

50 Jahre nach dem Aussterben der Weißstörche in Rheinland-Pfalz und 25 Jahre nach der Gründung von PfalzStorch betonen Experten den Wert vor allem eines Instruments: dem Beringen als individuelle Markierung der Vögel. «Das Beringen ist wichtig, um etwa das Zugverhalten - also Überwinterungsgebiete und Routen - nachzuvollziehen», sagt Collet.

Auch Lehmann vom Storchenzentrum betont: «Nur die Beringung ermöglicht es, die Tiere und deren Zahl gut zu erfassen und etwaige Todesursachen quantitativ und qualitativ auszuwerten.» Für Bornheim sind die Weißstörche ein Touristenmagnet - Menschen kommen aus ganz Rheinland-Pfalz, um die geflügelten Sympathieträger zu sehen.

Und noch ein Vogel ist ein «Rückkehrer» nach Rheinland-Pfalz. Der letzte Uhu hielt seit 1949 ein Revier bei Volkesfeld (Mayen-Koblenz), bis er 1973 tot gefunden wurde. Das Aussterben des Uhus in Mitteleuropa sei das Ergebnis rücksichtsloser Verfolgung gewesen, erklärt das Landesamt. Dann sei das Bejagen verboten worden, es kam zu Zuchtprojekten und Auswilderung. Nach aktuellen Schätzungen liege die Zahl der Uhu-Revierpaare im Bundesland bei mehr als 250.

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Datum: 16.01.2023
Rubrik: Soziales
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