
Influencer mit radioaktivem Hobby
Ob der 24-Jährige eine Straftat begangen hat, müssen die Ermittlungen noch zeigen. Dass der junge Mann fahrlässig gehandelt hat, ist aber bereits klar.
Saarbrücken/St. Ingbert (dpa/lrs) -
Der 24-Jährige hat eine Leidenschaft für das Sammeln radioaktiver Gesteine in alten Steinbrüchen und ist als Influencer aktiv. Dieses Hobby löste im saarländischen St. Ingbert die Angst vor radioaktiver Strahlung und einen großen Einsatz von Polizei und Feuerwehr mit Strahlenschutzexperten aus.
Es gebe bislang keine Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund, sagte Jens Heinrich von der Landespolizeidirektion des Saarlandes nach dem Einsatz. Die Ermittler gingen vielmehr von einem «entarteten Hobby» aus, das aus dem Ruder gelaufen sei. Der Mann sei Teil einer Community, die sich europaweit für alte Grubenanlagen und für radioaktives Gestein interessiere. Das gehe von kleinen Brocken bis in Richtung Edelmetalle.
Keine Gefährdung für die Bevölkerung
Der 24-Jährige soll die über das Gestein gesammelten radioaktiven Mineralien in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in St. Ingbert gelagert und verarbeitet - also geschliffen oder zerkleinert - haben. Grundsätzlich sei das nicht strafbar, erklärte André Johann aus dem Umweltministerium. Es kommen jedoch auf die Menge und Freisetzung von radioaktiven Stoffen durch die Verarbeitung an.

Der 24-Jährige war bislang der Polizei nicht bekannt. | Laszlo Pinter/dpa
Bei den Mineralien in seiner Wohnung seien Strahlungswerte, aber keine gesundheitsgefährdende Strahlung gemessen worden, berichtete Landesbrandschutzinspekteur Timo Meyer. Auch für die Hausbewohner oder Nachbarn habe keine Gefahr bestanden, betonte Innenminister Reinhold Jost (SPD).
Hinweise aus dem näheren Umfeld des 24-Jährigen
Hinweise auf die Tätigkeit des Influencers seien aus dem näheren Umfeld des Mannes gekommen, berichtete Polizeioberrat Heinrich in Saarbrücken. Nähere Angaben wollten die Ermittler nicht machen. Der 24-Jährige sei sichtlich beeindruckt von den polizeilichen Maßnahmen und kooperiere voll mit den Ermittlern. Seine Wohnung, in der die Polizei drei Schreckschusswaffen fand, sei wegen der laufenden Ermittlungen noch versiegelt. Der 24-Jährige war zuvor nicht polizeibekannt.

Noch ist offen, ob der Mann eine Straftat begangen hat. Die Ermittlungen laufen. | Laszlo Pinter/dpa
Im Zuge der Ermittlungen waren zwei weitere Objekte durchsucht worden. In einer Wohnung fanden die Strahlenschutzexperten eine weitere geringe Menge an radioaktiven Mineralien.
Ordnungswidrigkeit oder Straftat?
Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Es sei noch unklar, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege oder der 24-Jährige sich wegen des Handels mit radioaktivem Gestein strafbar gemacht habe. Über seine Influencer-Tätigkeit habe er seine Funde über Social Media geteilt, sagte Heinrich. Es gebe zudem deutliche Hinweise darauf, dass Gesteinsmaterial weitergegeben worden sei. Ob dies den Tatbestand des Handels erfülle, müsse noch geprüft werden.
dpa
Bild: Eine Gefährdung für die Bevölkerung bestand nicht. (Archivbild) | Harald Tittel/dpa
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