Zäune, Litzen und Kettenvorhänge gegen Wölfe

 

Zäune, Litzen und Kettenvorhänge gegen Wölfe

Die Zahl der Wölfe steigt - das macht den Schutz von Weidetieren dringlicher. Was alles möglich ist, zeigt eine neue Anlage in der Pfalz, wo sich Betroffene beraten lassen können.

Münchweiler an der Alsenz (dpa/lrs) -

Auf den ersten Blick ist es ein Wirrwarr aus Zäunen auf kleinem Raum. Direkt neben dem Hofgut Neumühle bei Münchweiler an der Alsenz in der Pfalz steht seit diesem Sommer etwas, das es bisher in Rheinland-Pfalz noch nicht gegeben hat: eine Demonstrationsanlage für Herdenschutz. Präsentiert wird hier grob gesagt ein komplexer Werkzeugkasten, mit dem Areale vor Wölfen geschützt werden können. 

Die Anlage ist 2.500 Quadratmeter groß, rund 250 Meter an Zäunen sind aufgebaut, daneben Infotafeln. Gedacht ist sie für hauptberufliche Tierhalter oder Hobbytierhalter. Dass sie direkt neben dem Hofgut Neumühle platziert wurde, ist kein Zufall. Hier ist die Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung des Bezirksverbandes Pfalz untergebracht, hier gehen Tierhalter ein und aus. 

Zaun reiht sich an Zaun auf der Demonstrationsanlage am Hofgut Neumühle.

Zaun reiht sich an Zaun auf der Demonstrationsanlage am Hofgut Neumühle. | Laszlo Pinter/dpa

Sie können sich verschiedene Herdenschutzmaßnahmen ansehen und beraten lassen, um anschließend die für sie passende Lösung auszuwählen - je nach Tierart, Herdengröße und Gelände. Schon stehende Zäune können nachträglich elektrifiziert oder neue Zäune aufgestellt werden. 

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Die Demonstrationsanlage wurde vom Bezirksverband Pfalz und dem Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) aufgebaut. Kluwo-Leiter ist Julian Sandrini, er spricht von «einem Markt der Möglichkeiten»: von Schutzzäunen über Gatter bis hin zu Zubehör wie Akkus, Solarmodulen, Pfählen und Litzen für das Leiten von Strom. 

Wobei: Einen absoluten Schutz vor Wölfen werde es nie geben, betont Sandrini. Denn die können gut graben oder schwimmen, recht hoch springen und klettern. Sie können ihre Jagdstrategie einem Hindernis anpassen, in seltenen Fällen sogar 1,20 Meter hohe, unter Strom stehende Zäune überwinden. 

Herdenschutzmaßnahmen sollen Wolfsrisse zumindest viel unwahrscheinlicher machen. Wölfe wählten auf der Suche nach Nahrung immer den risikoärmsten Weg, erklärt der Kluwo-Leiter. Es gehe darum, ihnen den Weg zu Nutztieren zu erschweren. Sie müssten lernen: «Weidetiere tun weh.» 

Es gehe im Prinzip darum, Wölfen den Weg auf Gelände mit Nutztieren zu erschweren, erklärt Julian Sandrini, Leiter des Koordinationszentrums Luchs und Wolf.

Es gehe im Prinzip darum, Wölfen den Weg auf Gelände mit Nutztieren zu erschweren, erklärt Julian Sandrini, Leiter des Koordinationszentrums Luchs und Wolf. | Laszlo Pinter/dpa

Dafür sollen im Ernstfall Stromschläge sorgen. Empfohlen werden als Mindestspannung am Zaun durchgängig mehr als 2.500 Volt. Farbiges Flatterband am oberen Ende von Zäunen soll darüber hinaus optisch irritieren. Kurzfristig könnten auch Lampen oder Geräusche helfen, sagt Sandrini. «Der Wolf mag einfach keine neuen Dinge», betont Sandrini.

Abschuss als letztes Mittel 

Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt Tierhalter bei der Finanzierung von Schutzmaßnahmen. In definierten Präventionsgebieten werden bis zu 100 Prozent der Kosten für Halter von Schafen, Ziegen, Lamas, Alpakas oder Gehegewild getragen. Auch Halter von Kälbern und Fohlen können sich eine spezielle Einzäunung von Teilen der Weidefläche fördern lassen. Wenn es anderswo im Land zu einem Wolfsriss komme, sei eine Förderung auch über die Präventionsgebiete hinaus möglich, sagt Kluwo-Leiter Sandrini. 

Bei Hobbytierhaltern könne die Unterstützung zwischen 1.000 und 5.000 Euro liegen, erklärt Marie-Luise Schmitt, beim Kluwo für Herdenschutzberatung zuständig. Bei größeren Betrieben seien bis zu 30.000 Euro pro Jahr möglich. Ein letztes Mittel könne der Abschuss sein, sagt Sandrini. Die Hürden dafür wurden mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht vor Kurzem gesenkt. 

Auf die Abstände zwischen den Litzen am Zaun muss geachtet werden, erklärt Marie-Luise Schmitt vom Koordinationszentrum Luchs und Wolf.

Auf die Abstände zwischen den Litzen am Zaun muss geachtet werden, erklärt Marie-Luise Schmitt vom Koordinationszentrum Luchs und Wolf. | Laszlo Pinter/dpa

«Präventionsgebiete Wolf» gibt es in Rheinland-Pfalz in Westerwald, Westeifel, Taunus, Hunsrück und Vorderpfalz. Seit vor kurzer Zeit ein Rudel aus Hessen - das Greifensteiner Rudel - zumindest zeitweise auch in Rheinland-Pfalz unterwegs ist, zählt das Kluwo hierzulande sechs Rudel. 2025 gab landesweit 45 Vorfälle mit Wölfen, bei denen Nutztiere zu Schaden kamen. 153 Nutztiere wurden getötet, 36 verletzt, 36 vermisst. 

Es traf Damwild, Schafe, Ziegen oder Kälber. Die meisten toten Tiere bei einem Vorfall wurden 2025 mit 22 Schafen bei einem Riss des Greifensteiner Rudels bei Weitefeld im Westerwald gezählt. In diesem Jahr kamen bis Ende April 14 Fälle mit Nutztierschaden zusammen. 

Hauptbeute von Wölfen sind Wildtiere

Bei all diesen Zahlen muss auch betont werden, dass sich Wölfe vor allem in freier Natur ihre Nahrung suchen, wie Sandrini erklärt. Ihre Hauptbeute seien Rehe oder Wildschweine. Laut Kluwo machen Nutztiere keine zwei Prozent der Nahrung von Wölfen aus. Die meisten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere gibt es nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf vor allem dort, wo Wölfe sich in neuen Territorien etablieren und sich Weidetierhalter noch nicht auf deren Anwesenheit eingestellt hätten. 

Und was ist nun als Schutz für wen zu empfehlen? Wanderschäfer setzten in aller Regel auf mobile Zäune, bräuchten nicht allzu viel Beratung, sagt Schmitt. Bei Haltungsbetrieben müsse genauer geschaut werden. Es kann etwa gewählt werden zwischen Weidenetzen oder Zäunen mit bis zu fünf Litzen, durch die Strom fließt. Die Abstände zwischen den Litzen dürfen nicht zu groß, die untere Litze darf nicht zu hoch sein, damit der Wolf nicht darunter durch kann. 

Auch Gelände mit Photovoltaik-Anlagen müssen geschützt werden

Für ein schnelleres Aufstellen von Stromzäunen gibt es allerlei Hilfsmittel: Wickelgeräte, die etwa an einem Quad angebracht werden können oder - für steileres Terrain - eine Art Schubkarre mit Elektromotor. In Rheinland-Pfalz profitiere man viel von Erfahrungen aus anderen, schon stärker von Wölfen bevölkerten Bundesländern wie Sachsen oder Niedersachsen, sagt Sandrini. 

Kettenvorhänge können als zusätzliche Sicherung an Bachläufen dienen.

Kettenvorhänge können als zusätzliche Sicherung an Bachläufen dienen. | Laszlo Pinter/dpa

Wölfe blieben am liebsten auf ihren Pfoten, erklärt er, versuchten eher zu graben, als zu springen. Deswegen gibt es auch Lösungen, bei denen Drahtzäune mit Fräsen und Baggern bis in den Untergrund getrieben werden. Zaunschürzen werden waagrecht am Boden verankert. Wenn ein Bach einen Zaun quert, können Kettenvorhänge Wölfe abhalten, wie Schmitt sagt. Die stünden unter Strom, der nur bei höherem Wasserstand abgeschaltet werde. 

Geschützt werden müssen neben Weidetierarealen zunehmend auch Photovoltaik-Anlagen. Dort grasen zeitweise Schafe, um den Bewuchs zwischen den Modulen kurz zu halten. So oder so, selbst wenn ein Zaun mal durchgängig unter Strom steht, ist es nicht bis in alle Ewigkeit getan. Der Zustand müsse regelmäßig kontrolliert, Bewuchs müsse entfernt werden, sagt Sandrini. «Man muss seine Anlage einfach immer im Blick haben.»

dpa

Bild: Für einen effektiven Schutz vor Wölfen, müssen nicht nur Zäune, sondern auch Tore und Gatter unter Strom gesetzt werden. | Laszlo Pinter/dpa

Nachrichten aus der Region 56

Datum: 10.08.2026
Rubrik: Lokales
Das könnte Sie auch interessieren