
Kreditkartenbesitzer um Millionen geprellt? Anklage erhoben
Ein internationales Netzwerk soll Kreditkartenbesitzer mit Fake-Abos getäuscht haben. Die Generalstaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen neun Verdächtige.
Koblenz (dpa/lrs) -
Sie sollen als Teil eines international organisierten Netzwerks Kreditkarteninhaber weltweit um Millionen geprellt haben: Die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat acht Männer und eine Frau wegen gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrugs und Geldwäsche angeklagt.
Das Netzwerk soll von 2016 bis 2021 Kreditkartendaten von mehr als drei Millionen Geschädigten aus 193 Ländern genutzt haben, um mehr als 18 Millionen vermeintliche Abonnements über Schein-Webseiten abzuschließen. Die Seiten sollen vorgeblich Dating- und pornografische Angebote enthalten haben.
Diese Internetseiten waren demnach nicht auffindbar. Die Kreditkarteninhaber seien belastet worden, ohne die Seiten genutzt zu haben. Die monatlichen Beträge sollen bewusst niedrig gehalten und mit kaum zuzuordnenden Buchungstexten versehen worden sein. Dadurch seien die unberechtigten Abbuchungen häufig nicht aufgefallen.
Mutmaßlicher Schaden von mehr als 260 Millionen Euro
Von den Angeschuldigten im Alter von 33 bis 57 Jahren mit deutscher oder kanadischer Staatsangehörigkeit sollen drei als Vermittler tätig gewesen sein. Ein weiterer Angeschuldigter soll die betrügerischen Netzwerke als selbstständiger «Risk Manager» unterstützt haben.
Bei den verbleibenden fünf Angeschuldigten handelt es sich laut Generalstaatsanwaltschaft teils um ehemalige Geschäftsführer von Zahlungsdienstleistern.
Der bislang bezifferte mutmaßliche Schaden liegt bei mehr als 260 Millionen Euro. Weitere geplante kriminelle Geldflüsse von insgesamt rund 750 Millionen Euro sollen nach den Angaben nicht mehr verwirklicht worden sein, etwa weil Kreditkarten nicht mehr gültig waren.
Sechs Angeschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft. Gegen einen Angeschuldigten wurde der Haftbefehl des Amtsgerichts Koblenz gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Ein Angeschuldigter befindet sich derzeit in Kanada. Ein Auslieferungsverfahren sei anhängig.
dpa
Bild: Von einem mutmaßlichen Betrugs- und Geldwäschenetzwerks sind neun Angeschuldigte angeklagt worden (Symbolbild) | Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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