Rheinland-Pfalz wirbt mehr ausländische Fachkräfte an

 

Rheinland-Pfalz wirbt mehr ausländische Fachkräfte an

Internationale Arbeitskräfte sind für viele Betriebe unverzichtbar. Wirtschaftsminister Ebling appelliert an die Bundesregierung und macht sich gemeinsam mit IHK und Handwerk für die Anwerbung stark.

Mainz (dpa/lrs) -

Für deutsche Unternehmen ist es nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Michael Ebling immer noch zu kompliziert, benötigte Fachkräfte aus dem nicht europäischen Ausland einzustellen. Der SPD-Politiker appellierte an die CDU/SPD-Bundesregierung beim Zugang von Fachkräften aus Übersee, den Kriterien für ihre Beschäftigung und dem Tempo der Verfahren noch besser zu werden.

Gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie den Handwerkskammern (HWK) hat Ebling eine Kampagne auf den Weg gebracht, um mehr internationale Fachkräfte nach Rheinland-Pfalz zu bringen. Worum es geht. Rheinland-Pfalz sei ein weltoffenes Bundesland und solle auch die Willkommenskultur zum Ausdruck bringen. 

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) appelliert an die Bundesregierung, den Weg für internationale Fachkräfte nach Deutschland leichter zu machen. (Archivbild)

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) appelliert an die Bundesregierung, den Weg für internationale Fachkräfte nach Deutschland leichter zu machen. (Archivbild) | Andreas Arnold/dpa

Aus welchen Ländern sollen Fachkräfte angeworben werden?

Die Kampagne konzentriert sich im ersten Schritt auf Kenia und die Philippinen. Im zweiten Schritt kommen Kolumbien und Usbekistan dazu.

Alle vier Länder hätten Migrationsabkommen mit Deutschland abgeschlossen oder stünden kurz davor, erläuterte Ebling in Mainz. Sie hätten eine große, relativ junge Bevölkerung mit guten Englisch- oder Deutschkenntnissen (Usbekistan). Die vier Staaten seien zudem kaum in anderen Bundesländern aktiv.

Wie werden die potenziellen Fachkräfte gesucht?

Die Fachkräfte werden ausschließlich digital auf Social-Media-Kanälen wie LinkedIn und Instagram gesucht. Aber auch auf Websites für die Zielgruppen Unternehmen und junge Fachkräfte soll im In- und Ausland geworben werden. Das Ministerium bezifferte die Kosten für die Kampagne auf rund 350.000 Euro.

 

Rheinland-Pfalz will mehr ausländische Fachkräfte ins Bundesland holen. (Archivbild)

Rheinland-Pfalz will mehr ausländische Fachkräfte ins Bundesland holen. (Archivbild) | Andreas Arnold/dpa

Was ist das Welcome Center?

Die Beratung von Interessenten und Unternehmen aus Rheinland-Pfalz und dem Ausland läuft über das sogenannte Welcome Center. Das ist eine Initiative der IHK, der HWK sowie des Wirtschaftsministeriums, die in dieser Form seit 2025 besteht. Seither seien insgesamt rund 5.500 Anträge bearbeitet worden, etwa je zur Hälfte von Unternehmen und potenziellen Arbeitskräften, sagte Ebling. 

Auf der Homepage des Welcome Centers gibt es Informationen, nicht nur auf Deutsch, sondern auch in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und Usbekisch. www.make-it-in-rlp.de

Das Welcome Center ist dezentral aufgebaut. IHK und HWK beraten an acht Standorten in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier vor Ort - sowie telefonisch und digital. Auch die Stabsstelle Fachkräfteeinwanderung für Unternehmen im Wirtschaftsministerium in Mainz berät.

Was sagen IHK und Handewerk?

«Das Welcome Center unterstützt Unternehmen ebenso wie Fachkräfte ganz praktisch bei Fragen zu Einreise, Anerkennung und Integration», sagt Karina Szwede von der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz. «Wer internationale Fachkräfte gewinnen will, muss den Weg nach Rheinland-Pfalz einfach und attraktiv machen.» Besonderen Bedarf hätten die Industrie, die Logistik- und Verkehrsbranche sowie das Gastgewerbe und der Tourismus. 

«Rund 60 Prozent unserer Betriebe finden kein ausreichend qualifiziertes Personal mehr», erläuterte Axel Bettendorf von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern den Bedarf. «Das Prinzip "Alles aus einer Hand" im Welcome Center hat sich im Handwerk sehr bewährt.» Anders als vor 10,15 Jahren kämen kaum noch Menschen aus Osteuropa, Italien oder Spanien, auch deshalb seien Fachkräfte aus Übersee so gefragt. 

«Wir verstehen uns als Lotsen», sagte Beraterin Hanna von de Braak von der IHK Trier. Die Vermittlung von Interessenten scheitere häufig an den Verfahren. «Jeder Fall ist sehr individuell.» 

 

Viele Betriebe sind auf internationale Arbeitskräfte angewiesen, betonen die Unternehmerverbände. (Archivbild)

Viele Betriebe sind auf internationale Arbeitskräfte angewiesen, betonen die Unternehmerverbände. (Archivbild) | Jörg Halisch/dpa

Warum ist die Kampagne notwendig?

Deutschland ist nach Einschätzung von Experten auf Fachkräfte aus dem nichteuropäischen Ausland angewiesen, stellt das Ministerium fest und beruft sich dabei unter anderem auf das Statistische Bundesamt und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Dass ausländische Fachkräfte für das Handwerk von immenser Bedeutung sind, zeigen Zahlen der Handwerkskammer Koblenz. Einem Sprecher zufolge hatten Ende 2025 von rund 7.300 Auszubildenden über alle Gewerke hinweg 1.048 eine ausländische Staatsangehörigkeit. «Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.» Ein ähnliches Bild zeige sich bei den Meister-Absolventen, auch hier gehe der Anteil derjenigen nach oben, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. 

Was fehlt den Unternehmern?

Die Betriebe brauchten klare Ansprechpartner und verlässliche, zügige Verfahren bei Visum und Anerkennung, sagte Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU), Karsten Tacke. Internationale Fachkräfte seien für viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz unverzichtbar. «Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss ihnen und ihren Familien zudem das Ankommen in Rheinland-Pfalz erleichtern.» 

Wie viele ausländische Arbeitskräfte gibt es aktuell?

Hochgerechnet rund 237.800 Menschen mit ausländischem Pass waren im Februar nach Darstellung der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz/Saarland im Bundesland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies entspreche etwa 16,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer. Neuere Zahlen gibt es nicht.

Die meisten kommen aus Rumänien (28.127), gefolgt von der Türkei (22.154) und Polen (21.182). Auf Platz vier rangiert die Ukraine (14.270), gefolgt von Syrien und Italien. Aus Übersee kommen demnach 131.943 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Ausländische Arbeitskräfte arbeiten vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Baugewerbe, im Verkehr, in der Lagerei und im Gastgewerbe.

dpa

Bild: Rheinland-Pfalz bemüht sich um mehr Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland. (Symbolbild) | Sven Hoppe/dpa

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Datum: 28.09.2026
Rubrik: Lokales
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