Bischof Ackermann: Wie Demokratie verteidigt werden muss

 

Bischof Ackermann: Wie Demokratie verteidigt werden muss

Die Demokratie verdient mehr Verteidigungsbereitschaft, sagt der Trierer Bischof. Zugleich rät er zu verbaler Abrüstung.

Trier (dpa) -

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen und vor zu viel Empörung in der politischen Debatte gewarnt. «Ich glaube, es ist legitim und wichtig, dass wir uns als eine verteidigungsbereite Demokratie zeigen, nach außen und nach innen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den neuen Wehrdienst. 

Bei diesem Dienst, der zunächst auf Freiwilligkeit setze, gehe es um die Verteidigung des Landes, der Werte und des Friedenserhalts. «Und das ist ethisch und aus christlicher Sicht auch legitim, unter diesen Gesichtspunkten militärische Mittel vorzuhalten», so der Bischof.

Gegen verbale Eskalation und Polarisierung

Man dürfe aber nicht nur auf militärische Mittel setzen, sondern brauche auch eine klare Haltung, so Ackermann. Derzeit werde versucht, die Demokratie im Inneren auszuhöhlen, «indem man eine Empörungskultur verschärft, Wut und Angst schürt». 

Der Bischof warnte davor, «in einer eskalierenden Weise zu reden, die polarisiert und auseinandertreibt». Ziel des öffentlichen Diskurses müssten Kompromisse und die Bereitschaft sein, einander zuzuhören. Auf «Stigmatisierung des Gegenübers und Empörung» dürfe man nicht setzen.

Bischof: Nicht nur über militärische Aufrüstung sprechen

Ackermann sagte, bei der Verteidigungsbereitschaft solle man nicht nur über neue Waffensysteme und eine «Aufrüstung im Sinne militärischer Systeme» sprechen. Man sehe, dass «schon versucht wird, beispielsweise durch Cyberattacken und durch Propaganda eine Gesellschaft wie die unsrige zu destabilisieren». Es gehe um neue Formen der Kriegsführung, mit denen eine Gesellschaft von innen her ausgehöhlt oder destabilisiert werden solle.

Zu der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagenen «sozialen Pflichtzeit» sagte Ackermann: «Da würde ich natürlich auch auf Freiwilligkeit setzen.» Eine solche Dienstzeit müsse attraktiv gestaltet sein. Der Zivildienst sei für viele eine prägende Zeit gewesen und habe jungen Menschen beispielsweise den Weg in soziale Berufe geöffnet. 

Man dürfe «nicht übersehen, wie viele Menschen insgesamt, auch junge Leute, sich aktuell in Vereinen und Verbänden engagieren». Das soziale Engagement sei insgesamt stark, sagte er.

dpa

Bild: Bischof Ackermann findet den neuen Wehrdienst legitim und wichtig. (Archivbild) | Harald Tittel/dpa

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Datum: 03.01.2026
Rubrik: Lokales
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