
Von Druck und Leichtigkeit - Schnieder kontra Schweitzer
Der eine will die Mainzer Staatskanzlei nach 35 Jahren für die SPD verteidigen, der andere sie zurückerobern. Das Duell der zwei groß gewachsenen Männer wird sich auch in Berlin auswirken.
Mainz (dpa/lrs) -
Alexander Schweitzer kämpft den Kampf seines Lebens. Gordon Schnieder hat deutlich weniger zu verlieren. Für Schweitzer, den Ministerpräsidenten, geht es bei der Landtagswahl am 22. März darum, erneut eine SPD-geführte Landesregierung in Rheinland-Pfalz zu bilden - nach dreieinhalb Jahrzehnten mit einem SPD-Regierungschef im Land. Für seinen CDU-Herausforderer Schnieder wäre schon die erste Regierungsbeteiligung der Union als Junior-Partner seit 1991 ein Erfolg.
Sollte Schnieder sogar in die Staatskanzlei einziehen, wäre das ein herber Schlag für Schweitzer - aber auch für die SPD im Bund, deren stellvertretender Vorsitzender Schweitzer ist.

Eine Regierung aus Schweitzers SPD und der CDU mit Gordon Schnieder (rechts) erscheint derzeit nach der Landtagswahl am wahrscheinlichsten - aktuell liegt die CDU in Umfragen vorn. (Archivbild) | Helmut Fricke/dpa
Gemeinsamkeiten der Kandidaten
Schweitzer (52) und Schnieder (50) gehören derselben Generation an. Beide haben schulpflichtige Kinder und schreiben Familie groß. Beide sind tief im ländlichen Raum verwurzelt - allerdings mit Bad Bergzabern (Schweitzer) im Süden und Birresborn (Schnieder) im Westen von Rheinland-Pfalz in ganz unterschiedlichen Ecken. Hier Pfalz, dort Eifel. Das Duell der beiden wird auch eines mit Größe, wenn auch der Ministerpräsident mit 2,06 Metern den Kontrahenten Schnieder etwas überragt.
Beide Männer sind schon in ihrer Jugend in eine der beiden großen Parteien in Rheinland-Pfalz eingetreten - und beide sprechen gerne mit Menschen. Von ihren Parteien wurden sie mit extrem hoher Zustimmung zu Spitzenkandidaten gewählt, Schweitzer bekam sogar 100 Prozent.
Und viele Unterschiede
Schweitzer ist Veganer; Schnieder isst gerne Fleisch, grillt und kocht gerne. Schweitzer ist Fußball- und Basketballfan, Schnieder wandert lieber.
Der Ministerpräsident hat deutlich mehr politische Erfahrung als der Oppositionsführer, im Parlament, wo er auch viele Jahre SPD-Fraktionschef war, aber vor allem in der Regierungsarbeit.
Schweitzers politisches Talent entdeckte sein Vorvorgänger Kurt Beck, heißt es. In der SPD war dennoch lange unklar, wer Malu Dreyer wann nachfolgen würde. Im Sommer 2024 trat sie zurück, präsentierte Schweitzer - damals Arbeits-, Sozial- und Digitalminister - ohne erkennbare parteiinterne Kritik als ihren Nachfolger und ermöglichte es ihm so, sich bis zur Wahl zu profilieren.
Dass Schnieder die CDU in die Landtagswahl 2026 führen würde, war nach der herben Niederlage 2021 nicht absehbar. Wahlverlierer und Fraktionschef Christian Baldauf griff zunächst sogar noch nach dem Parteivorsitz. Aus einem parteiinternen Machtkampf, der kurz vor Weihnachten 2022 eskalierte, ging der damalige Generalsekretär Schnieder schließlich als Sieger hervor: Er wurde erst Fraktions-, dann Parteichef und schließlich Spitzenkandidat.

Kann Schweitzer 35 Jahre SPD-geführte Regierung in Rheinland-Pfalz fortsetzen? | Boris Roessler/dpa
Die Ausgangslage
Die CDU liegt in Umfragen vor der SPD - das war allerdings auch bei den letzten Wahlen so und am Ende drehten die Sozialdemokraten immer noch den Spieß um. Eine Wechselstimmung ist im Land derzeit nicht auszumachen. Auf Rückenwind aus der Berliner Koalition können beide Kandidaten nicht hoffen, auch Schnieder nicht, dessen älterer Bruder Patrick als CDU-Bundesverkehrsminister im Kabinett sitzt.
Die Fortsetzung der aktuellen Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP scheint derzeit unwahrscheinlich, weil der Wiedereinzug der FDP in den Landtag ungewiss ist. Die AfD wird allen Umfragen zufolge gegenüber 2021 deutlich zulegen. Rechnerisch erscheint derzeit Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot am wahrscheinlichsten.
Die Zufriedenheit der Rheinland-Pfälzer mit der aktuellen Ampel-Regierung von Schweitzer ist relativ hoch. Und der SPD-Politiker ist deutlich bekannter als Schnieder. An die Beliebtheit einer Vorgängerin Malu Dreyer heranzukommen, ist für den Sozialdemokraten aber nicht leicht.

Alexander Schweitzer folgte an der Spitze der Landesregierung im Sommer 2024 auf Malu Dreyer. (Archivfoto) | Arne Dedert/dpa/POOL/dpa
Bei den Kommunen allerdings steht der Ministerpräsident bereits hoch im Kurs. Das zeigt nicht nur der Wiedereintritt von Jutta Steinruck in die SPD, die als Ludwigshafener Oberbürgermeisterin unter Dreyer der Partei den Rücken gekehrt hatte. Auch von den kommunalen Spitzenverbänden ist durchaus viel Anerkennung für Schweitzer zu hören. Nichtsdestotrotz sind aber längst nicht alle Probleme etwa mit den Kommunalfinanzen grundlegend beseitigt.
Der Wahlkampf - Schnieder hat einen Avatar
Schnieder setzt im Wahlkampf auf die Unterstützung der 33.000 CDU-Mitglieder. «Für das Team Gordon haben wir jetzt schon mehr als 300 Anmeldungen, von Unterstützen, die sich im Wahlkampf zusätzlich einbringen wollen», sagt er. Daraus solle eine Bewegung werden.
Ein KI-gesteuerter Avatar soll den Kandidaten in der letzten Phase an den Wahlständen zusätzlich präsenter und bekannter machen. Den Text hat Schnieder eingesprochen. Sein Avatar wird dann über ein Tablet anzusprechen sein und KI-gestützt Fragen passend beantworten, heißt es in der Partei. Platziert werden kann das Tablet auf Pappaufstellern des Kandidaten oder einfach auf einem Tisch. «Die Ergebnisse machten mich baff», sagt Schnieder über die Möglichkeiten der KI und die täuschende Echtheit seines Avatars.
Dazu kommt der politische KI-Chatbot «Conrad», in Anlehnung an Konrad Adenauer. Er war schon im Kommunalwahlkampf in Nordrhein-Westfalen im Einsatz und soll in Rheinland-Pfalz Fragen zum CDU-Wahlprogramm beantworten.

Kann Gordon Schnieder 35 Jahre SPD-Regierung ein Ende setzen? | Helmut Fricke/dpa
Schweitzer steht plötzlich vor der Tür
SPD-Mann Schweitzer sagt: «Wir führen sicherlich den modernsten Wahlkampf in Rheinland-Pfalz.» Er setzt mit seiner SPD auf einen intensiven Haustürwahlkampf und will 100.000 Haushalte erreichen. Die Stimmung an den Haustüren sei ganz überwiegend freundlich, sagt er. «Die allermeisten sind schon überrascht, wenn ich da in der Tür stehe», berichtet der Regierungschef. «Man quatscht auch nicht eine halbe Stunde lang auf die Leute ein. Ich setze mich auch nicht ins Wohnzimmer, es soll schon an der Haustür bleiben. Eine gewisse Grenze sollte man nicht überschreiten.»
Im Haustürwahlkampf werde aber auch permanent geschaut, wo es starke SPD-Anteile gebe und wo noch daran gearbeitet werden müsse. «Das ist für mich eine gute Kombination aus Technologie und Modernität», sagt Schweitzer. «Zu Rheinland-Pfalz passt, dass man mit den modernen Technologien arbeitet und gleichzeitig den Kontakt zu den Menschen nicht verliert.» Sein Modell nennt Schweitzer «Tiktok und Theke».
Die Wahlversprechen
Schweitzer will die 100-prozentige Lernmittelfreiheit für digitale und analoge Schulmaterialien und Arbeitshefte für alle Schüler und Schülerinnen. Er hat auch eine Entlastung der Führerscheinkosten für junge Menschen - rund 200 Euro Verwaltungsgebühren - und ein Dorfkneipen-Investitionsprogramm in Aussicht gestellt.

Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz setzt sich Schweitzer (rechts) für die Kommunen und das Konnexitätsprinzip ein. (Archivbild) | Michael Kappeler/dpa
Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz kämpft er im Bund für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen, die regelhafte Einführung des Konnexitätsgrundsatzes - wer bestellt, bezahlt - und Bürokratieabbau. In dem Zusammenhang wird er im ersten Quartal bei einer Sonder-Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erneut die große politische Bühne bespielen können.
Schnieder widmet sich seit vielen Jahren kommunalpolitischen Themen, will auch den Städten und Gemeinden eigenverantwortlich mehr Geld geben. Mit Blick auf die Wahl rückt er vor allem die Bildung in den Fokus: Dazu gehören die verlässliche Grundschule mit garantierten Zeiten von 8.00 bis 14.00 Uhr, ein Kita-Pflichtjahr vor der Schule mit Unterstützung von Lehrern - sowie zwei Schul-Pflichtpraktika im Handwerk. Die verbindlichen Sprachstandtests für viereinhalb Jahre alte Schüler sollen zudem sofort eingeführt werden.
Wahlprogramme werden noch verabschiedet
Ihre Wahlprogramme verabschieden beide Parteien Ende Januar - die CDU wird das in Mainz tun, die SPD im von Schweitzer so geliebten Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Spätestens nach Fastnacht oder Karneval dürfte der Wahlkampf dann in die ganz heiße Phase gehen, auch für die zwei Kontrahenten.
dpa
Bild: Bleibt sie in SPD-Hand oder steuert hier künftig ein CDU-Politiker die Geschicke von Rheinland-Pfalz? Die Staatskanzlei in Mainz. (Archivfoto) | Michael Brandt/dpa
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