Eisermann über Social-Media-Verbot: «Worte können töten»

 

Eisermann über Social-Media-Verbot: «Worte können töten»

Sollten Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt werden? Der Schauspieler hat eine klare Meinung - und verweist auch auf einen 250 Jahre alten Literaturklassiker.

Worms (dpa/lrs) -

Schauspieler André Eisermann («Schlafes Bruder») hat Verständnis für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren und zieht Parallelen zu Goethes «Die Leiden des jungen Werther». Sein seit mehr als zwei Jahrzehnten aufgeführtes Bühnenprojekt «Werther» sei aktueller denn je, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Worms. «Ich erzähle im Kern von einem jungen Menschen, der seine inneren Konflikte öffentlich macht – vergleichbar mit heutigen Selbstoffenbarungen in sozialen Netzwerken.»

Eisermann verwies auf Fälle, in denen Jugendliche im Internet manipuliert, erpresst oder zu Selbstverletzung und Suizid gedrängt würden. «Der aktuell in Hamburg verhandelte Fall "White Tiger", bei dem junge Menschen über digitale Kanäle gezielt beeinflusst worden sein sollen, zeigt die Gefahren unkontrollierter Kommunikation. Auch "Werther" hat nach seinem Erscheinen vor 250 Jahren Nachahmungstaten ausgelöst.»

Internet ist das neue Leitmedium

Literatur sei damals das Leitmedium gewesen – heute übernehme diese Rolle das Internet, sagte der 58-Jährige. «Beide könnten emotional überwältigen und manipulieren. Deshalb halte ich Schutzmaßnahmen für junge Menschen für notwendig.» Ein Altersgebot für soziale Medien könne ein sinnvoller Schritt sein, um Kinder vor Inhalten zu bewahren, die sie psychisch überforderten oder gezielt ausnutzten.

Eisermann ist ab Ende Januar deutschlandweit wieder mit seinem Goethe-Projekt auf Tour. «Wer "Werther" liest, versteht, warum Worte töten können», sagte er. «Dabei ist die Fähigkeit, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, zentral – gerade in Zeiten von Desinformation und Künstlicher Intelligenz.»

dpa

Bild: André Eisermann tourt bereits seit 25 Jahren mit seinem Goethe-Projekt durch Deutschland. (Archivbild) | Thomas Banneyer/dpa

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Datum: 26.01.2026
Rubrik: Lokales
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