Blutspenden zur Routine machen

 

Blutspenden zur Routine machen

Eine Welle an Spenden hat vorerst wieder für mehr Blutreserven in Rheinland-Pfalz gesorgt. Experten warnen jedoch: Ohne neue und regelmäßige Spender könnten schon bald erneut Engpässe drohen.

Mainz/Bad Kreuznach (dpa/lrs) -

Engpässe bei Blutbanken: Täglich werden in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) rund 800 Blutspenden benötigt. Doch seit Wochen sind die Reserven knapp. Vor rund drei Wochen hatte der Blutspendedienst bundesweit sogar den Notstand ausgerufen. Es fehlt nicht nur kurzfristig, sondern ganzjährig an Spendern. 

Von den insgesamt rund 4,1 Millionen Einwohnern des Landes spenden den Angaben zufolge nur rund 86.000 Menschen regelmäßig Blut. Das sind auf Dauer zu wenige – und der Trend ist rückläufig: 2024 waren es noch 89.900 Spender. Ein Grund ist der Generationswechsel. Viele langjährige Spender aus der Babyboomer-Generation werden selbst zu Empfängern, während in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen zu wenige Menschen Blut spenden. Dieses Problem bestehe seit Jahren, habe aber immer größere Auswirkungen, sagt ein DRK-Sprecher.

Grippe und Winter verhindern Spenden 

Hinzu kommen kurzfristige Effekte: Derzeit sorge vor allem die Grippewelle dafür, dass viele Spender krankheitsbedingt ihre Termine nicht wahrnehmen könnten. Nach Fieber oder Antibiotika-Behandlungen dürften Menschen erst nach zwei bis vier Wochen wieder Blut spenden. Auch das Personal bleibe nicht verschont, was teilweise zu abgesagten Spendertagen führt.

Winterliches Wetter erschwert zusätzlich den Zugang zu Spendeeinrichtungen: Ausgefallene Heizungen in den Zentren oder schwierige Straßenverhältnisse verhindern, dass Menschen ihre Termine wahrnehmen. «Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Sturm oder Schnee automatisch mehr Blutempfänger erzeugen – im Gegenteil, solche Bedingungen verhindern die Spende», erklärt der DRK-Sprecher. In der Regel bleibe die Zahl der Empfänger konstant, Engpässe entstünden also vielmehr durch Schwankungen bei den Spenderzahlen.

Auch Grippewellen können Auswirkungen auf die Zahl an Blutspenden haben. (Symbolbild)

Auch Grippewellen können Auswirkungen auf die Zahl an Blutspenden haben. (Symbolbild) | Julian Stratenschulte/dpa

Auch große Sportereignisse wie die in diesem Jahr anstehenden Olympischen Winterspiele oder die Fußball-Weltmeisterschaften wirken sich auf Spenderzahlen aus. «Die Menschen sitzen dann alle nur noch vor dem Fernseher, statt ihre Spendentermine wahrzunehmen», berichtet ein Arzt der Transfusionszentrale in Mainz.

Engpässe in Lagern 

Das DRK Blutspendezentrum West versorgt Rheinland-Pfalz, das Saarland und Nordrhein-Westfalen. Als Tochtergesellschaft des DRK-Blutspendedienstes West ist das Zentrum für Transfusionsmedizin in Bad Kreuznach ein Schlüsselstandort für Rheinland-Pfalz. Dort lagert zu jeder Zeit ein optimaler Vorrat von vier bis fünf Tagen, also rund 4.000 Blutkonserven. Bei Engpässen kann dieser Vorrat auf zehn bis zwölf Tage gestreckt werden. 

Zum Zeitpunkt des Notstands reichten die Bestände einzelner Blutgruppen gerade einmal noch für 1,3 Tage. Besonders die Blutgruppen 0- und A- sind knapp. Mittlerweile konnte der Vorrat auf etwa zwei Tage gesteigert werden. 

Klinikbetrieb nicht beeinträchtigt 

Und wie wirkte sich das alles auf den Betrieb in Krankenhäusern aus? Beim Katholischen Klinikum Koblenz/Montabaur, das seine Blutkonserven vom DRK West bezieht und von deren Versorgungslage abhängig ist, führte der Notstand zu keinen größeren Auswirkungen, wie ein Sprecher bestätigt. 

Auch die Transfusionszentrale der Mainzer Universitätsmedizin ist vom Engpass betroffen. Sie ist die hauseigene Blutbank der einzigen Uniklinik von Rheinland-Pfalz und beliefert weitere Häuser in Mainz und im Land. Schon eine Woche vor dem offiziellen DRK-Notstand waren dort die Vorräte knapp. 

Der DRK-Blutspendedienst West ruft vor allem junge Menschen zur regelmäßigen Blutspende auf. (Symbolbild)

Der DRK-Blutspendedienst West ruft vor allem junge Menschen zur regelmäßigen Blutspende auf. (Symbolbild) | Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn

Bereits während der Weihnachtszeit zeichnete sich ein Engpass ab, die Versorgung der Patienten konnte gerade noch sichergestellt werden, wie der leitende Oberarzt der Transfusionszentrale, Roland Conradi, erzählt. Danach verschärfte sich die Lage weiter. Optimal wären in der Uniklinik pro Tag 200 bis 300 Spender. Bei einem kritischen Engpass müssten geplante Operationen und andere Behandlungen verschoben werden. 

Dank kurzfristiger Spendenaufrufe konnten alle Eingriffe planmäßig erfolgen. «Wir sind so aufgestellt, dass Notfälle zu jeder Zeit vollumfänglich versorgt werden können», betont Conradi. Lokale Engpässe könnten stets über die nationale Versorgung ausgeglichen werden. 

In Deutschland gibt es dafür ein System, das bei nationalen Engpässen unter anderem auch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern umfasst, sodass Notfallreserven stets verfügbar sind, wie der Sprecher vom DRK-Blutspendedienst West erklärt. «Die Lagerbestände entspannen sich nur langsam wieder», sagt er. Die jüngste Zunahme an Spenden habe zwar geholfen, doch in den nächsten Wochen drohe erneut ein Engpass. 

Warum langfristige Lösungen nötig sind 

Bei einem kurzfristigen Anstieg der Spenden stoßen wiederum Spendenzentren an Kapazitätsgrenzen. Dann wird zusätzliches Personal benötigt, nicht alle Spender können am selben Tag berücksichtigt werden. Außerdem kommen oft Menschen, die zuvor nicht geprüft haben, ob sie spenden dürfen. Laut DRK werden rund zehn Prozent der bereitwilligen Spender täglich aufgrund ärztlicher Entscheidungen wieder weggeschickt. 

Und bei Spendenspitzen ist auch die Weiterverarbeitung von Blutspenden, etwa in Europas größter Transfusionszentrale des DRK in Hagen – wo auch Blutkonserven aus Rheinland-Pfalz hingeschickt werden – stark ausgelastet. Aufgrund der teils kurzen Haltbarkeit der Spenden muss die Weiterverarbeitung innerhalb von 24 Stunden erfolgen, erklärt das DRK. 

Es braucht eine Spenderroutine 

Im Kern fehlt es also an Erstspendern und einer verlässlichen Spenderroutine. Ohne kontinuierliche Beteiligung bleibe die Lage phasenweise kritisch, betont der DRK-Sprecher. «Wir müssen mehr Menschen motivieren, regelmäßig Blut zu spenden.»

dpa

Bild: Vor rund drei Wochen rief das DRK den bundesweiten Notstand für die Blutbanken aus. Eine Welle an Spenden hat vorerst wieder für mehr Blutreserven in Rheinland-Pfalz gesorgt. Doch es braucht mehr regelmäßige Spender, sonst droht bald erneut ein Engpass. (Symbolbild) | Marcel Kusch/dpa

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Datum: 30.01.2026
Rubrik: Lokales
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