
Was piept denn da?
Über die Hälfte aller Brutvogelarten in Rheinland-Pfalz gilt als gefährdet. Woher wissen wir das?
Sommerloch/Mainz (dpa/lrs) -
Ab dem Sonnenaufgang beginnt die Erkundungstour der Vogelfinder. Mehrere Stunden, auf einer Fläche von einem Quadratkilometer, sind die ehrenamtlichen Ornithologen dann in Rheinland-Pfalz unterwegs, um die heimischen Brutvögel zu entdecken.
Ausgerüstet mit einem Fernglas und einem Tablet wird dann ganz genau gehört und geschaut, berichtet der Landeskoordinator für das Vogelmonitoring in Rheinland-Pfalz, Martin von Roeder. Mit einer speziellen App ausgerüstet, können die erspähten und erlauschten Tiere leicht einem konkreten Ort zugewiesen werden.
Viermal im Jahr wird erspäht und erlauscht
«Natürlich braucht es Erfahrung und Übung, die Vogelstimmen zu erkennen», erklärt der 37-Jährige. Deswegen sind die ehrenamtlichen Helfer auch in der Regel jedes Jahr auf derselben Fläche unterwegs. Viermal im Jahr - im März, April, Mai und Juni - sind die Ornithologinnen und Ornithologen in Rheinland-Pfalz in Wäldern, Wiesen und Ortschaften aktiv für das Vogelmonitoring der häufigen Brutvögel.

Das Braunkehlchen gilt nach der Roten Liste in Rheinland-Pfalz als vom Aussterben bedroht. (Archivbild) | Patrick Pleul/zb/dpa
150 Flächen sind im Land dafür ausgewiesen, sagte von Roeder, der bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz als Koordinator für das Monitoring angestellt ist. Die Ergebnisse fließen unter anderem in die Rote Liste der Brutvögel ein.
Mehlschwalben mögen Sommerloch
Im Gebiet des Landeskoordinators liegt die kleine Ortschaft Sommerloch im Landkreis Bad Kreuznach. Dort fühlen sich Mehlschwalben besonders wohl, weil durch den nahen Wald, Weinbaugebiete und Landwirtschaft viele Insekten anzutreffen sind. Nester an Giebeln von Häusern sind mehrfach zu sehen. Die als gefährdet eingestufte Mehlschwalbe ist von April bis September in Rheinland-Pfalz anzutreffen und überwintert in Afrika.

Mehlschwalben (Delichon urbicum) gelten in Rheinland-Pfalz nach der Roten Liste als gefährdet. | Sascha Ditscher/dpa
Seit 1976 stellen Rote Listen den Bestand der Brutvögel in Rheinland-Pfalz dar, die die Basis für die Naturschutzpolitik im Land bilden. Die jüngste Rote Liste der Brutvögel wurde 2014 veröffentlicht. Für die aktuelle Erhebung wurde unter der Leitung der Vogelschutzwarte des Landesamts für Umwelt die Situation von Brutvögeln in Rheinland-Pfalz von 2017 bis 2022 beobachtet und dabei insgesamt 174 regelmäßig im Land brütende Vogelarten bewertet.
Mehr als die Hälfte der Brutvögel im Bestand bedroht
Danach sind mit 95 Arten mehr als die Hälfte in ihrem Bestand bedroht. Das sind nach Angaben von Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) 15 Prozent mehr als im Jahr 2014 und mehr als je zuvor.

Der Kiebitz gilt in Rheinland-Pfalz nach der Roten Liste als vom Aussterben bedroht. (Archivbild) | Patrick Pleul/dpa
Vom Aussterben bedroht sind nach der Roten Liste etwa der Kiebitz, das Braunkehlchen, die Löffelente und der Raubwürger. Als stark gefährdet werden unter anderem das Rebhuhn, der Grauspecht, der Feldsperling, das Blaukehlchen sowie die Zippammer eingestuft.
Die etwa 15 Zentimeter große Zippammer ist ein typischer Bewohner der Weinanbaugebiete an Rhein, Mosel, Ahr und Nahe. Rund 75 Prozent ihres deutschen Bestandes leben in Rheinland-Pfalz.

Bartmeise siedelt sich langsam wieder in Rheinland-Pfalz an. (Archivbild) | Felix Kästle/dpa
Klimawandel und Landwirtschaft als Ursachen
Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft würden Insektenlebensräumen und damit Nahrungsquellen verschwinden, berichtete die Grünen-Politikerin. Außerdem gefährde der Klimawandel viele Vogelarten, da die anhaltende Trockenheit dazu führe, dass Wasserquellen in allen Lebensräumen wegfallen und damit Brut- und Nahrungsplätze. Starkregen könne zudem zum Verschlammen der Nester von Bodenbrütern führen.

Der Gänsesäger brütet wieder in Rheinland-Pfalz. (Archivbild) | Julian Stratenschulte/dpa
Die Ergebnisse der Roten Liste zu den Brutvögeln dokumentieren aber auch positive Entwicklungen: Sechs Arten werden demnach nun in einer niedrigeren Gefährdungskategorie geführt. Dazu zählen nach Angaben der Ministerin der Gänsesäger und die Bartmeise, die sich neu in Rheinland-Pfalz etabliert haben. Das zeige, dass sich der Erhalt und Wiederherstellung von Lebensräumen auszahlen.
dpa
Bild: Wer Vögel sehen und hören will, muss früh aufstehen. | Sascha Ditscher/dpa
Aus der Region Koblenz immer aktuell mit TV Mittelrhein.















































