
Weibliche Premiere bei «Mainz bleibt Mainz»
Bissige Reime aus der Bütt' zielen Richtung Merz, Söder und Trump. Die bekannte Fernsehsitzung kommt in vielerlei Hinsicht traditionell daher, hat aber auch ganz Neues zu bieten.
Mainz (dpa) -
Beim 71. Mal passiert es: Erstmals in der langen Geschichte der Fastnachtssitzung «Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht» gibt es eine Chefin des Protokolls. Nach fast 200 Jahren «Meenzer Fassenacht», wie es Sitzungspräsident Andreas Schmitt ausdrückt, fällt eine närrische Männerbastion. Die gereimten Spitzen gegen die Politik treffen bei der rund vierstündigen Sitzung im Kurfürstlichen Schloss diesmal vor allem Kanzler Friedrich Merz (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und US-Präsident Donald Trump.
Die erste Chefin des Protokolls und damit echte Pionierin ist Christina Grom. Sie widmet sich unter anderem der schwarz-roten Bundesregierung und Bundeswehr. «Die Wehrpflicht sorgt für Hysterie, wir ziehen vielleicht zur Lotterie, denn werden zu wenig akquiriert, dann wird per Los bald rekrutiert», ruft sie. «Am Abend nach den Lottozahlen, wird man die Namen der ausstrahlen, die sich, egal ob sie das wollen, zum Dienst bereiterklären sollen.»
Trumps «Schwellkopp'» und die Gutenberg-Bibel
Trump erinnert sie, dass die Bibel vorgibt, die Würde einer jeden Frau zu achten. Der Herr im Himmel solle Hirn hernieder schmeißen. «Versuch's am besten immer wieder. Wenn das nichts nützt, werf' folgenschwer die Bibel gerad' noch hinterher und tu' an uns ein gutes Werk: Nimm die riesige vom Gutenberg. Damit auch deine heil'ge Schrift mit Schmackes Donalds Schwellkopp' trifft.» Die Brücke ist gebaut zwischen Washington und Mainz als Geburtsstadt des Erfinders des modernen Buchdrucks, Johannes Gutenberg.
Auch wenn längst nicht jeder zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen etwas mit dem typischen Reigen aus Büttenrednern, Tanzgruppen und Musiknummern anfangen kann, bleibt sich die Sitzung im bunt-festlich geschmückten Saal in Mainz trotz Neuerungen im Kern treu.

Am Ende wird es bunt mit reichlich Konfetti: Die Mainzer Hofsänger, die ihren 100. Geburtstag feiern, treten ganz am Ende auf. | Boris Roessler/dpa
Jürgen Wiesmann ist zum 25. Mal in seiner Paraderolle als Ernst Lustig auf der Bühne zu sehen. Durch die Narrenschau führt wie seit vielen Jahren, von einer krankheitsbedingten Pause 2025 abgesehen, Sitzungspräsident Schmitt, der zum Ende einmal mehr in die Rolle des Obermessdieners vom Mainzer Dom schlüpft. Papst Leo XIV. wünscht er viel Kraft, «dass Du die Gleichberechtigung endlich schaffst». «Dann können wir einst auf die Loggia vom Petersdom blicke' und Urbi et Orbi spendet Päpstin Ulrike. Dann merkt die Christenheit und das immerhin, was Müller und Wölki für Kardinalsfehler sin'.»
Bissiger Zeitgeist
Seinen letzten Auftritt nach 45 Jahren legt der 71-jährige Hans-Joachim Greb als Hobbes hin. Er bietet nochmal bewährten Kokolores und nimmt die Zuschauer mit in seinen Alltagswahnsinn vom morgendlichen Putzen der Dusche bis zum missglückten romantischen Abend mit seiner Gattin in der Badewanne.

Thomas Becker gibt sich als Zeitgeist bissig und teilt ordentlich aus. | Boris Roessler/dpa
Der «Zeitgeist» alias Thomas Becker arbeitet sich am «Rambozambo-Kanzler» Merz ab. Der habe seine Stadtbild-Aussagen sicher nicht rassistisch gemeint, dem rassistischen Stammtisch habe es am Ende aber doch gefallen. Und in Sachen Frauenbewegung lange dem Kanzler Pilates.
Bissig widmet sich Becker auch dem Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa, Gianni Infantino, und Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Der Erste habe sich vor der Verleihung des FIFA-Friedenspreises an Trump extra seine Glatze mit Vaseline eingeschmiert, «damit er eben noch besser hinten reinkriechen kann». Selbiges habe auch Rutte versucht, dem eine Nähe zu Trump nachgesagt wird. «Da war was los in Davos.»
Geburtstagskinder zum Abschluss
Florian Sitte hält als Till der Politik sinnbildlich den Spiegel vor und nimmt Söders Aktivitäten in den sozialen Medien in den Blick. «Wenn der Markus auf Instagram Rostbratwurst frisst, sieht man, welch armes Würstchen er ist», ruft der Till. «Und der Markus hat wirklich alles gegessen, bis auf den Klingbeil, den hat er gefressen.»

Florian Sitte hält der Politik als Till den Spiegel vor und bringt Kanzler Merz mal in anderem Look ins Bild. | Boris Roessler/dpa
Den Abschluss der Sitzung bilden traditionsgemäß die Mainzer Hofsänger, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Am Ende heißt es: «So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergeh'n.» Zu sehen sein wird die Mainzer TV-Fastnacht am Freitag (13.2.), diesmal im ZDF (20.15 Uhr).
dpa
Bild: Bislang stets in Männerhand - bis jetzt: Christina Grom ist die erste Chefin des Protokolls bei «Mainz bleibt Mainz». | Boris Roessler/dpa
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