
Doppelschichten und Bodycams für mehr Sicherheit in Zügen
Wie können brutale Übergriffe wie der auf den Zugbegleiter in der Pfalz zumindest unwahrscheinlicher gemacht werden? Ideen dazu wurden bei einem runden Tisch zu Sicherheit in Zügen zusammengetragen.
Mainz (dpa/lrs) -
Nach dem Tod eines Zugbegleiters in einer Regionalbahn in der Westpfalz haben sich das Land Rheinland-Pfalz und im Bahnverkehr aktive Akteure auf Maßnahmen für mehr Sicherheit verständigt. Es werde vor allem auf mehr doppelt besetzte Schichten bei Zugbegleitern sowie auf mehr Bodycams gesetzt, sagte Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) nach einem Treffen eines runden Tischs «Sicherheit im Schienenpersonennahverkehr» in Mainz. Mit dabei waren Vertreter mehrerer Eisenbahnunternehmen, von Gewerkschaften, Zweckverbünden und Verkehrsverbünden.
Bodycams sollten flächendeckend zum Einsatz kommen, betonte die Ministerin. Bei der Besetzung von Schichten von Zugbegleitern solle Bahnunternehmen kurzfristig mehr Flexibilität ermöglicht werden, sodass diese bei Bedarf auf Doppelschichten setzen könnten. Weil nicht kurzfristig deutlich mehr Personal vorhanden sei, werde das auch dazu führen, dass auf manchen Zügen kein Zugbegleiter mehr unterwegs sei und dort auch nicht kontrolliert werde. Die Lage sei regional sowie zu verschiedenen Tageszeiten einfach sehr unterschiedlich, dem solle Rechnung getragen werden, sagte Eder.
Mehr Geld im laufenden Jahr
Voraussichtlich werde das Land im laufenden Jahr als dem letzten Jahr des gültigen Doppelhaushaltes einen zusätzlichen Betrag in mittlerer einstelliger Millionenhöhe für solche Maßnahmen aufbringen, sagte die Ministerin. Ein weiteres Thema bei dem gut zweistündigen Treffen sei gewesen, dass es künftig ein einheitlicheres, fälschungssicheres Deutschlandticket brauche. Wenn bei einer Kontrolle zu dem Ticket ein Personalausweis gezeigt werden müsse, komme es häufiger zu Übergriffen, sagte Eder. Das müsse beim Bahn-Sicherheitsgipfel an diesem Freitag in Berlin angegangen werden.

«Das Thema Sicherheit im Bahnverkehr ist kein neues», sagt Mobilitätsministerin Katrin Eder. (Archivbild) | Thomas Frey/dpa
Das Treffen in Mainz und auch das kommende in Berlin sind Folge der Attacke eines 26-Jährigen auf einen 36 Jahre alten Zugbegleiter in der vergangenen Woche in einer Regionalbahn auf der Strecke zwischen Landstuhl und dem saarländischen Homburg. Der Angreifer hatte sein Opfer mit Faustschlägen gegen den Kopf so schwer verletzt worden, dass es wenige Tage später starb. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.
Sicherheitsdatenbank und Respekt-Kampagne
Geplant ist in Rheinland-Pfalz auch eine neue Sicherheitsdatenbank für Übergriffe. Mitarbeiter in Zügen sollen über einen QR-Code direkt einen Vorfall an die Datenbank melden können. Das sei explizit Wunsch der Gewerkschaften gewesen, dass es nicht immer erst über den Arbeitgeber gehen müsse, sagte Eder. Für diese Datenbank liefen gerade die Vorbereitungen für eine Ausschreibung. Angedacht sind der Ministerin zufolge auch Testversuche mit Aggressions-Erkennungssoftware. Und wenn der Bund keine deutschlandweite Respekt-Kampagne für den öffentlichen Nahverkehr machen werde, wolle das Rheinland-Pfalz tun, sagte die Grünen-Politikerin.
dpa
Bild: Der Tod eines Zugbegleiters in einem Zug in der Westpfalz wirkt nach, in Rheinland-Pfalz soll es schon kurzfristig erste Maßnahmen für mehr Sicherheit geben. (Archivbild) | Boris Roessler/dpa
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