
Wo hakt es beim digitalen Schulunterricht?
Die Kommunen fordern mehr Geld für den IT-Support. Das Land verweist auf Millioneninvestitionen. Schülerinnen und Schüler schildern ihren Alltag im Unterricht.
Mainz (dpa/lrs) -
Reicht das Geld für guten digitalen Schulunterricht in Rheinland-Pfalz? Die Vertreter der Städte, Gemeinden und Kreise als Schulträger pochen auf mehr finanzielle Hilfe für den IT-Support: Digitale Endgeräte wie Tafeln und iPads müssten genauso wie Netzwerke und Lernplattformen reibungslos funktionieren, die Cybersicherheit an den Schulen im Blick behalten werden.
Das Land unterstützt die Kommunen für diese Aufgabe bislang mit sechs Millionen Euro pro Schuljahr. Künftig sollen es 40,5 Millionen Euro sein, fordern die Kommunen und berufen sich dabei auf das Ergebnis eines gemeinsamen Gutachtens. Das Bildungsministerium kündigt Gespräche an, will dabei aber auch nochmal über die Berechnungsgrundlage diskutieren. Die finale Entscheidung über das weitere Vorgehen liege jedoch beim neuen Landtag als Haushaltsgesetzgeber.
Was sagen die Schülerinnen und Schüler zum digitalen Unterricht?
Eine verlässliche digitale Grundausstattung sei nicht flächendeckend an den Schulen im Land vorhanden, berichtet eine Sprecherin der Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung (LSV). «Dadurch hängt der Zugang zu digitaler Bildung häufig vom Wohnort oder vom sozialen Hintergrund ab.» Das verhindere echte Chancengerechtigkeit im Bildungssystem.
Was fehlt in den Schulen?
Schülerinnen und Schülern fehle es vor allem an funktionierenden Endgeräten, stabilem Internet und zeitgemäßer Präsentationstechnik im Unterricht, erklärt die LSV-Sprecherin. Besonders problematisch sei, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen privat über eigene Geräte oder einen ruhigen Lernort verfügen. «Wenn Schulen diese Defizite nicht ausgleichen können, verstärkt sich soziale Ungerechtigkeit.» Lehrkräfte seien zudem oft mit unzuverlässiger Technik konfrontiert, was digitalen Unterricht erschwert oder unmöglich macht.

Für digitalen Unterricht in der Schule kommt es auf Hardware, Plattformen und der Wartung für funktionierende Systeme an. (Archivbild) | Soeren Stache/dpa
Der Philologenverband macht sich für eine zweigleisige Lösung im Unterricht stark: Es sollte weiterhin Kreidetafeln etwa zum schnellen Notieren von Vokabeln oder für ausführlichere Tafelbilder geben, schlägt Verbandsvorsitzende Cornelia Schwartz vor. Mit dem Einsatz von digitalen Tafeln sowie Laptops oder Tablets mit Beamer sollte digitales Material im Unterricht da ergänzen, wo es lernförderlich ist.
Gibt es mehr Bedarf an Technik und an Programmen?
Es bestehe Bedarf an beidem, sagte die LSV-Sprecherin. Schülerinnen und Schüler benötigten nicht nur moderne Hardware, sondern auch einheitliche, leicht zugängliche und datenschutzkonforme Programme und Lernplattformen. «Ohne klare Konzepte für digitale Bildung profitieren vor allem diejenigen, die bereits außerhalb der Schule gut ausgestattet sind.»
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft verweist auf das vom Land ausgerollte «Bildungsportal RLP», mit dem es den gut 1.500 Schulen in Rheinland-Pfalz ermöglicht, kostenlos auf viele Anwendungen für digitales Arbeiten zuzugreifen. Wichtig sei, dass dieses Bildungsportal weiter ausgebaut und den Schulen gute Tools für das digitale Arbeiten verlässlich zur Verfügung gestellt werden, erklärte der Vorsitzende der GEW, Stefan Jakobs.
Die Kommunen als Schulträger müssten zudem mit verstetigten Mitteln für die Beschaffung von Hardware von Land oder Bund ausgestattet werden. Dann könnten regionale Unterschiede in der Finanzkraft der Kommunen gut ausgeglichen und landesweit vergleichbare Voraussetzungen für das digitale Lernen geschaffen werden, sagt der GEW-Vorsitzende.
Kommen die Fördermittel in den Schulen an?
Nach Einschätzung der GEW haben die gut ausgeschöpften Digitalpaktmittel in der Breite der Schulen dazu geführt, dass die Ausstattungen an Hard- und Software in Ordnung sind. «Die Kernproblematik aber wird darin bestehen, dieses Niveau zu halten oder gar auszuweiten», mahnt Jakobs.
Dies könne aber nicht gelingen, wenn in der Folge nun die Kommunen als Schulträger in der Alleinverantwortung für den Ersatz von Geräten und Lizenzen aufkommen müssten. Es sei daher ein dauerhaft verankertes Engagement des Bundes notwendig, damit in der Fläche des Landes vergleichbare Lehr- und Lernbedingungen mit digitalen Geräten möglich sind.

Digitale Bildung dürfe nicht von der sozialen Herkunft abhängen, mahnt die Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung. (Archivbild) | Michael Brandt/dpa
Aus Sicht der Schülerinnen und Schüler kommen vorhandene Fördermittel nicht überall dort an, wo sie dringend gebraucht werden. Das liege weniger an fehlendem Bedarf, sondern an bürokratischen und organisatorischen Hürden, kritisiert die LSV-Sprecherin.
Wie reagiert das Bildungsministerium?
Das Bildungsministerium verweist auf Investitionen von zweistelligen Millionenbeträgen in die digitale Ausstattung der Schulen. Das Land habe etwa rund 90.000 digitale Endgeräte für bedürftige Schülerinnen und Schüler angeschafft, dazu rund 42.000 Leihgeräte für Lehrkräfte und weitere 6.000 Endgeräte unter anderem für pädagogische Fachkräfte.
Entwicklungs- und Lizenzkosten für Lernplattformen und Lernmanagement-Systeme wie das KI-Tool fobizz, die Mathematik-Software bettermarks, das Bildungsportal RLP oder das digitale Bücherregal kämen dazu. Allein dafür wende das Land jährlich insgesamt rund 20 Millionen Euro auf, damit Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler diese kostenlos nutzen können. Seit 2019 seien insgesamt mehr als 460 Millionen Euro in den Ausbau der digitalen Infrastruktur der Schulen in Rheinland-Pfalz geflossen.
dpa
Bild: Damit digitale Endgeräte wie Tafeln und iPads in der Schule reibungslos funktionieren, ist IT-Support erforderlich. (Archivbild) | Heiko Rebsch/dpa
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