
Prozess um getöteten Polizisten: Beamtin schildert Festnahme
Eine Kollegin des erschossenen Polizisten im Saarland sagt vor Gericht aus. Sie erzählt, wie der Verdächtige nach heftiger Gegenwehr festgenommen wurde – und was sie am Tatort entdeckte.
Saarbrücken (dpa/lrs) -
Im Prozess um den Mord an einem Polizisten im Saarland hat eine Kollegin des Mannes über die Festnahme des mutmaßlichen Täters ausgesagt. Sie sei mit ihrem Streifenpartner zur Fahndung nach dem mutmaßlichen Tankstellenräuber nach Völklingen gerufen worden, berichtete die Frau als Zeugin vor dem Landgericht Saarbrücken. In ersten Funkmeldungen habe es geheißen, der Täter sei mit einem Messer bewaffnet.
«Als wir im Rahmen der Fahndung in Völklingen am Markt eintrafen, konnten wir eine männliche Person feststellen, auf die die Personenbeschreibung zutraf», sagte die Beamtin. Nach erheblicher Gegenwehr sei es mehreren Polizisten gelungen, den Mann zu überwältigen und zu fixieren.
Neben dem Festgenommenen habe eine Pistole gelegen. «Ich kickte mit meinem Fuß die Tatwaffe zur Seite», sagte die Polizistin. Der Verschlussriegel der Waffe sei nach hinten arretiert gewesen – ein Zeichen dafür, dass das Magazin leer geschossen war. Bei einer oberflächlichen Durchsuchung des Verdächtigen hätten die Beamten zudem Bargeld gefunden. «Wir fanden noch einige hundert Euro, versteckt in der Unterhose», sagte sie.
Ermittler: Angeklagter «psychisch auffällig»
Ein Ermittler berichtete außerdem vor Gericht über Erkenntnisse zum Angeklagten kurz vor der Tat. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Jennifer Klingelhöfer schilderte er Aussagen aus dem Umfeld der Schule des 19-Jährigen. Lehrer hätten ihn als psychisch auffällig beschrieben. «Er habe seltsam gegrinst – ähnlich wie eine Figur aus dem Kinofilm "Joker"», sagte der Ermittler.
Bei dem vierten Verhandlungstag ging es auch um die Holster der Polizei, in der die Dienstwaffen am Körper getragen werden. Ein Sachverständiger erklärte, dass das Modell über zwei aktive Sicherungen und eine zusätzliche passive Sicherung verfüge. Letztere werde über eine Schraube eingestellt und erhöhe den Widerstand beim Ziehen der Waffe. «Um die Pistole zu ziehen, müssen zunächst die aktiven Sicherungen bewusst gelöst werden», sagte der Experte.
Das untersuchte Holster des Kommissaranwärters habe zwar äußerliche Kratzspuren aufgewiesen, zudem habe die Stellschraube der passiven Retention gefehlt, sagte der Gutachter. Nach seiner Einschätzung hatte dies jedoch keinen Einfluss darauf, dass die Waffe schneller hätte gezogen werden können. «Die beiden aktiven Sicherungen waren funktionsfähig. Aus meiner Sicht war das Holster insgesamt intakt.»
Der Sachverständige berichtete von einem Versuch mit vier Personen, die über keine Waffenkenntnisse verfügt hätten. Dabei sei getestet worden, wie lange es dauere, eine Pistole aus dem Holster zu ziehen. Die Probanden hätten sowohl vor dem Waffenträger als auch seitlich neben diesem gestanden. «Im Durchschnitt dauerte es zwischen 20 und 60 Sekunden, bis die Waffe aus dem Holster gezogen werden konnte», sagte der Gutachter.
Dem 19-jährigen Angeklagten mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen. Laut Anklage soll er am 21. August 2025 nach einem Tankstellenüberfall in Völklingen einem Polizeianwärter die Dienstwaffe entrissen und 17 Schüsse abgegeben haben. Sechs Kugeln trafen den 34-jährigen Polizeioberkommissar Simon Bohr, der an den schweren Verletzungen starb.
dpa
Bild: Der Angeklagte soll vor einem halben Jahr einen Polizisten im saarländischen Völklingen erschossen haben. | Laszlo Pinter/dpa
Regionale News aus Koblenz















































