
«Wahlarena»: Wie die sieben Spitzenkandidaten auftreten
Das TV-Duell von Schweitzer und Schnieder im TV war für viele eher ein Duett. Zusammen mit den fünf anderen Spitzenkandidaten und Zuschauern geht es zwei Tage später kontroverser und auch hitzig zu.
Mainz (dpa/lrs) -
Als die sieben Spitzenkandidaten die «Wahlarena» des SWR betreten, ist die neue Umfrage zur Sonntagsfrage noch ganz frisch - und klar: In den letzten zehn Tagen bis zur Landtagswahl müssen alle noch mit voller Kraft um Stimmen kämpfen.
Kontrovers geht es in der Live-Sendung gut zwei Stunden um Krankenhaussterben, Medizinstudienplätze, Industriearbeitsplätze, Förderschulen, Pflege, Spritpreise, Wahlalter, Straßenausbaubeiträge und Wohnen. Dabei stellen außer den Moderatoren Sascha Becker und Daniela Schick auch Bürger Fragen.
Schweitzer und Schnieder nennen sich «Herr Kollege»
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und sein Herausforderer Gordon Schnieder (CDU) sprechen sich als «Herr Kollege» an, wirken streckenweise - wie bei ihrem direkten Duell zwei Tagen zuvor im SWR - schon wie künftige Koalitionäre. Bei Themen wie einem umstrittenen Sonderurlaub für eine Landesbeamtin, die Krankenhauslandschaft, Bildung und den kommunalen Finanzen ist Schnieder angriffslustig - und kann damit auch punkten.

Schweitzer oder Schnieder? Wer wird Ministerpräsident? | Andreas Arnold/dpa
Nach der kurz vor der Sendung veröffentlichten ARD-Vorwahlumfrage von infratest liefern sich CDU und SPD (29 zu 28 Prozent) noch immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine schwarz-rote oder rot-schwarze Koalition scheint derzeit die wahrscheinlichste Regierungskoalition nach der Wahl am 22. März.
Schweitzer tritt als erfahrener Regierungschef auf
Schweitzer gibt sich staatsmännisch, als erfahrener tatkräftiger Regierungschef - mitunter auch humorvoll. «Ich finde, dass wir das beste Bundesland der Welt sind», antwortet er auf die Frage, was ihm für die Zukunft Mut macht.
Zwei Bürgern, die von einer überlasteten Förderschule und von der Ungewissheit eines Pflegeplatzes für eine Tochter mit Behinderung berichten, verspricht er, sich dem persönlich anzunehmen. In der Debatte um die gescheiterte Ansiedlung eines Unternehmens für Batteriespeicher in der Westpfalz, sagt er mit Blick auf Kommunen und Bund: «Mein Vorschlag ist, dass wir uns alle unterhaken. Es geht um den Industriestandort Deutschland.»

Joachim Streit (l) von den Freien Wählern will zum zweiten Mal in den Landtag einziehen. Jan Bollinger von der AfD hofft auf 20 Prozent X. | Andreas Arnold/dpa
Schweitzer wirft Bollinger «Heuchelei» vor
Schweitzer greift keinen der anderen Spitzenkandidaten an - mit einer Ausnahme: AfD-Landeschef Jan Bollinger. Als ein syrischer Flüchtling mit deutschem Pass im Publikum davon berichtet, wie sehr er und sein in Deutschland geborener Sohn unter Hass und rassistischer Stimmung leiden, und Bollinger sagt, seine Partei sei «keinesfalls gegen Ausländer als solche», wirft ihm Schweitzer unter anderem «Heuchelei» vor.
Schnieder und Bollinger greifen sich gegenseitig an
In diesem hitzigsten Teil der Fernsehsendung gehen alle Kandidaten die AfD an. Dabei geht es auch um die Aussage eines Landtagswahlkandidaten, nach der Syrer mit deutschem Pass auch abgeschoben werden sollten. Schnieder sagt zu Bollingers Argumentation: «Sie sollten sich schämen!» Bollinger wiederum nennt Schnieder einen «lächerlichen Versager». In der Umfrage liegt die AfD bei 19 Prozent.
Eder: Die erneuerbaren Energien retten das Klima
Die Grüne-Spitzenkandidatin Katrin Eder wirft Bollinger vor, das Land spalten zu wollen. Auch bei den Themen Klima und Umwelt mischt sie sich mit Verve in die Debatte ein und fordert bei der Eingliederungshilfe Ehrlichkeit in all den Wahl-Versprechen. Ihr Blick auf die nächste Wahlperiode: «Die erneuerbaren Energien retten das Klima, und das werden wir uns von einer großen Koalition nicht kaputt machen lassen.» In der ARD-Vorwahlumfrage kommt die Noch-Regierungspartei auf 8 Prozent.

Daniela Schmitt und ihre FDP gehören dem nächsten Landtag wahrscheinlich nicht mehr an. | Andreas Arnold/dpa
Kampf um den Einzug in den Landtag
Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, der Europa-Abgeordnete Joachim Streit, der um den Wiedereinzug seiner Partei bangen muss (aktuelle Umfrage 4,5 Prozent) - setzt manche Spitze gegen die SPD-Regierung. Ihn ermutigen: «Die Ehrenamtler, die diesen Staat tragen.»
Spitzenkandidatin Daniela Schmitt, die mit ihrer FDP nach den letzten Umfragen keine Chance mehr hat, in den Landtag einzuziehen, vertritt in der Debatte kämpferisch und engagiert ihre Positionen für Unternehmertum und Wirtschaft.
Rebecca Ruppert von den Linken, die dagegen erstmals in den Landtag einziehen könnten (Umfrage 5 Prozent), fällt mit kurz, klar und prägnant vorgetragenen Positionen sowie Spitzen gegen die AfD auf.
dpa
Bild: Die Spitzenkandidaten der sieben Parteien mit Chancen auf einen Einzug in den Landtag stecken ihre Positionen ab. | Andreas Arnold/dpa
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