
Pfälzer Störche im Dienste der Wissenschaft
Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse vom diesjährigen Vogelzug, unterstützt von Jungstorch «Rocky». Wie weit hat er es bereits gen Süden geschafft?
Bornheim/Radolfzell (dpa/lrs) -
Wenn in diesen Tagen die ersten Störche aus Rheinland-Pfalz auf dem Weg in den Süden sind, werden sie unter besonderer Beobachtung der Wissenschaft stehen. Rund 50 von ihnen sind nach Angaben von Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell in diesem Sommer mit Sendern ausgestattet worden. Etwa 40 davon mit neuen Vogelringen, in die eine Ortungselektronik integriert ist. Beringt wurden die Tiere mit Unterstützung der Pflegestation des Storchenzentrums in Bornheim (Kreis Südliche Weinstraße).
Das Storchenzentrum entscheide nicht nur, wann ein Sender oder Ring an welchen Storch angelegt werde, sondern ermittle auch die Identität der brütenden Störche, erklärt der Experte. «Auf diese Weise ist für Rheinland-Pfalz ein sehr spannender Datensatz zu Zugverhalten, Ansiedlungsverhalten und Sterblichkeit von Weißstörchen zusammengekommen.» Das sei eine Kooperation zwischen der Wissenschaft und fachkundigen Praktikern vor Ort, wie man sie sich nur «erträumen» könne.
Welche Folgen haben Geflügelpest und Hitze?
Vom diesjährigen Zug und Aufenthaltsort der Störche, die von allen Interessierten über die App «Animal Tracker» verfolgt werden können, erhoffe man sich in diesem Jahr zudem Antworten auf zwei Aspekte: ob es noch Auswirkungen nach den Geflügelpestausbrüchen des letzten Jahres gibt und vor allem, ob die Hitze Auswirkungen auf die Population hat.
«Viele Jungstörche sind aus den Nestern gesprungen, weil es zu heiß war oder sie kurz vor dem Verdursten waren», bilanziert Fiedler. Etliche seien aufgesammelt, aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen worden. Die Frage sei, «ob sie genau so eine Chance haben, wie die anderen, oder ob sie so geschädigt wurden, dass sie eine höhere Sterblichkeit haben.»

Christian Reis, Leiter der Aufzuchtstation, beringt die Störche in Rheinland-Pfalz. In Bornheim kümmert er sich auch um verletzte oder geschwächte Jungvögel - wie diesen, der vermutlich Gummiringe gefressen hatte. Inzwischen ist das Tier daran gestorben - wie rund 40 andere, die Reis in den letzten drei Jahren geöffnet hatte. (Archivbild) | Katja Sponholz/dpa
Einer dieser Forschungsobjekte wird «Rocky 12279AHW96» aus Freinsheim (Kreis Bad Dürkheim) sein - vermutlich einer der bekanntesten Weißstörche aus der Pfalz: Sein Leben konnte schon vom Schlüpfen an über die privat betriebene Storchenkamera rund um die Uhr im Internet oder auch den sozialen Medien verfolgt werden.
Mittlerweile ist der Jungstorch der letzte Überlebende von einst vier Geschwistern. Vorübergehend war er, nachdem er vom Nest in die Dachrinne des Kirchendaches gerutscht war, im Storchenzentrum aufgepäppelt und dann wieder zurück ins Nest gesetzt worden.
Erst Ende Juli hatte er seine ersten Flugversuche gestartet und das Nest schließlich verlassen - am Mittwoch befand er sich laut der App «Animal Tracker» in der Nähe von Valence in der Region Auvergne-Rhône-Alpes in Frankreich.
Frankreich und Spanien - oder Mali und Senegal?
Laut Christian Reis vom Storchenzentrum Bornheim erhalten vor allem jene Küken einen Sender, deren Eltern schon beringt sind und einen Sender haben. «Interessant ist es, zu erfahren, ob die Jungen irgendwann genau in die Überwinterungsgebiete ziehen wie die Eltern.» Er vermutet, dass sich die Pfälzer Störche überwiegend in Frankreich oder Spanien aufhalten werden.
Laut Wolfgang Fiedler gibt es jedoch auch noch eine Besonderheit mit dem Nachwuchs aus Rheinland-Pfalz: «Es sind immer welche dabei, die von hier im ersten Jahr bis Senegal oder Mali ziehen», berichtet er. «Aber wir wissen nicht, warum einige das tun und andere nicht.»
Denkbar sei, dass sich dieses Zugverhalten vererbe oder aber mit der Gesellschaft zu tun habe, in der sie sich aufhalten, wenn sie losziehen. Dementsprechend gespannt blickt Fiedler den Daten aus dem Vogelzug entgegen: «Das wird interessant!»
dpa
Bild: Auch Störche aus Rheinland-Pfalz wurden in diesem Jahr wieder beringt und mit Sendern ausgestattet, um ihr Zugverhalten und ihre Population beobachten zu können. (Symbolbild) | Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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