Mehr als 35 Grad – wie ein Seniorenheim der Hitze trotzt

 

Mehr als 35 Grad – wie ein Seniorenheim der Hitze trotzt

Wenn Temperaturen steigen, geraten Pflegeheime unter Druck: Senioren spüren Durst oft weniger, die Risiken sind höher. Eine Einrichtung im Westerwald zeigt, wie sie Bewohner und Personal schützt.

Altenkirchen (dpa/lrs) -

Das Wasser plätschert am kleinen Teich im Garten des Seniorenzentrums. Es ist der Lieblingsort von Brunhilde Panthel – solange es nicht zu heiß ist. «Dann nehme ich was zu lesen mit und was zu trinken und dann bin ich happy», sagt die 72-Jährige, die seit zwei Jahren im Heim des Deutschen Roten Kreuzes in Altenkirchen im Westerwald lebt. Später werden die Temperaturen auf über 35 Grad steigen und Panthel wird dann wieder in ihrem Zimmer sein.

«Die größte Herausforderung ist zunächst mal, die Wärme aus der Einrichtung rauszuhalten, um unsere Bewohner zu schützen vor der starken Hitze, aber auch die Mitarbeiter zu schützen», sagt Einrichtungsleiter Marc Andre Eck. Das sei gerade dann schwieriger, wenn die Hitze länger anhalte und auch die Nächte kaum abkühlten. 

Kein Swimmingpool, aber Eis

Für Panthel ist klar, was sie in der Hitze tun wird: «Dann bleibe ich drinnen, drinnen habe ich einen Ventilator und ich krieg' den Rollo runtergemacht, dass die Sonne nicht bei mir in das Zimmer knallt, und das ist dann ganz angenehm», erzählt sie. Bei der Hitze würde sie viel schwitzen. «Aber ist kein Problem, ich zieh dann am anderen Tag wieder frische Sachen an und dann geht's wieder.»

Anstatt einer Suppe bekomme sie an heißen Tagen die Kaltschalen, sagt Panthel. «Sonntags gibt's immer Eis als Nachtisch – und das ist super.» Was sie sich an heißen Tagen sonst noch wünschen würde? «Einen Swimmingpool – das wär das Highlight», sagt sie und lacht. 

In dem Heim gibt es zwar keinen Pool, aber 93 Pflegeplätze und eine große Außenanlage mit Grünflächen und Schattenplätzen. Pro Etage wohnen 31 Senioren – durchschnittlich haben sie einen Pflegegrad von 3,4. Angestellt sind 115 Mitarbeiter, die unter anderem in der Küche arbeiten, in der Verwaltung, in der Wäscherei und in der Pflege. 

Im DRK-Seniorenzentrum Altenkirchen gibt es 93 Pflegeplätze.

Im DRK-Seniorenzentrum Altenkirchen gibt es 93 Pflegeplätze. | Sascha Ditscher/dpa

Ältere Menschen bei Hitze gefährdet

Heiße Tage bedeuten für Pflegekräfte, dass sie die Bewohner häufiger beobachten müssen, ob sie genug trinken und wie es ihnen geht, wie Eck erklärt. Es gelte viele Fragen zu klären. «Wie gehe ich mit der Hitze um? Wir haben zu planen, was wir mit Aktivitäten machen. Können wir rausgehen? Bleiben wir drin? Wie geht es den Bewohnern?»

Die Sorge ist nicht grundlos: Besonders ältere und pflegebedürftige Menschen gehören zu den gefährdeten Gruppen, weil sie Hitze häufig schlechter wahrnehmen, weniger Durst verspüren und durch Vorerkrankungen oder Medikamente zusätzlich belastet sein können, wie der Geschäftsführer der Pflegegesellschaft Rheinland-Pfalz, Sebastian Rutten erklärt. Zu den Risiken zählen demnach neben Flüssigkeitsmangel unter anderem Kreislaufprobleme, Blutdruckschwankungen, Erschöpfung, eine Verschlechterung bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine erhöhte Sturzgefahr. Auch Hautprobleme können bei großer Hitze zunehmen.

Belastung für Pflegekräfte

Die Hitze belastet Eck zufolge nicht nur die Bewohner, auch für die Pflegekräfte wird der Arbeitsalltag schweißtreibender. «Die körperliche Arbeit, gerade im Bereich der Pflege, ist natürlich unter erschwerten Bedingungen wie den Temperaturen noch viel schwieriger zu leisten», erklärt Eck, der in der Einrichtung jahrelang als Pflegekraft gearbeitet hat. 

«Man muss sich halt vorstellen, als Pflegekraft gibt es durchaus Situationen, wo ich einem Bewohner bei der Grundpflege helfe, wo ich mit dem in einem Badezimmer bin, wo ich vielleicht auch beim Duschen helfe, die warmen Wasserdämpfe zusätzlich noch habe, zusätzlich zu der relativ warmen Außenluft – da kommt man schon ins Schwitzen», sagt Eck. 

Auch die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sieht die Beschäftigten als besonders belastet. «Extreme Hitzephasen entwickeln sich zunehmend zu einer akuten, strukturellen Krise», sagt Kammerpräsident Markus Mai. «Da ältere Menschen und Menschen mit Pflegebedarf zu den am stärksten gefährdeten Risikogruppen gehören, verwandeln anhaltende Sommerhitze und insbesondere tropische Nächte den Pflegealltag regelmäßig in einen Ausnahmezustand.»

Sehr wichtig an heißen Tagen: ausreichend trinken.

Sehr wichtig an heißen Tagen: ausreichend trinken. | Sascha Ditscher/dpa

Wie das Heim vorgesorgt hat

Panik löst der Blick auf den Wetterbericht beim Leiter des Pflegeheims jedoch nicht aus. «Ich bin da relativ entspannt, weil wir haben gute Vorkehrungen getroffen», sagt er. In den vergangenen Jahren sei vermehrt in Außenbeschattung, also Rollläden und Außenjalousien, investiert worden. Auch dem Flachdach ist eine Solaranlage, die ebenfalls etwas Wärme abfängt. 

In ausgewählten Räumen wurden Klimaanlagen eingebaut, dazu zählt etwa ein größerer Gemeinschaftsraum und Rückzugsräume für Personal, in denen auch Medikamente gelagert werden. Allein letzteres habe eine niedrigen fünfstelligen Betrag gekostet. Die Pflegeplätze seien durch die Investitionen nicht teurer geworden – der Eigenanteil belaufe sich auf 3.650 Euro.

Rutten von der Pflegegesellschaft zufolge stecken hinter solchen Anpassungen von Pflegeeinrichtungen erhebliche Investitionskosten. «Maßnahmen wie Verschattung, Kühlung oder klimafreundliche Gebäudesanierungen sind für viele Einrichtungen nur schwer finanzierbar», sagt er. Hier bestehe aus Sicht der Pflegebranche weiterer Handlungsbedarf, damit der Schutz vulnerabler Menschen langfristig sichergestellt werden könne. 

Mit Blick auf die getroffenen Vorkehrungen und das geschulte Personal sagt Eck, dass es in den vergangenen Hitzeperioden nicht zu gefährlichen Situationen im Heim gekommen sei. Bewohnerin Panthel weiß nur: Einzig ein Reiher habe sich einmal fünf Fische aus ihrem Lieblingsteich «gekrallt». «Und dann haben wir ein Netz da drüber gemacht», sagt sie. Jetzt seien auch die Fische wieder sicher.

dpa

Bild: Bei Hitze hält sich Brunhilde Panthel meist drinnen auf, ihr Lieblingsplatz ist jedoch in der Außenanlage der Einrichtung am Teich. | Sascha Ditscher/dpa

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Datum: 14.08.2026
Rubrik: Lokales
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