Baby im Dunkeln, Mutter zerteilt - Prozess gegen Ehemann

 

Baby im Dunkeln, Mutter zerteilt - Prozess gegen Ehemann

Ein 42-Jähriger soll seine Frau getötet, zerstückelt und die Überreste verteilt haben. Die Familie des Opfers wünscht sich, dass von dem Prozess nun eine Botschaft ausgeht - gegen Gewalt gegen Frauen.

Bonn (dpa) -

Erst waren es zwei Hände auf einer Autobahn, dann ein Körper in einem Wald, schließlich ein Kopf unweit einer anderen Autobahn: Über Wochen tauchten vor einigen Monaten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Überreste einer zerstückelten Frau auf. Die Funde beschäftigen etliche Polizisten und erschütterten viele Beobachter. Die Frage war: Was verbirgt sich hinter der ebenso grauenhaften wie rätselhaften Entdeckung?

Der Mann, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auf viele Fragen Antworten geben könnte, betritt am Dienstagmorgen mit tief ins Gesicht gezogener schwarzer Kapuze einen Saal im Bonner Landgericht - es ist der Ehemann der Toten. Die Anklage wirft ihm vor, seine Frau umgebracht und die Leiche zerteilt zu haben. 

Warum? Das bleibt zunächst offen. Zum Start des Prozesses äußert sich der 42-Jährige nicht zu den Vorwürfen. Das Gericht richtet sich darauf ein, die vielen Mosaiksteine des Falls nach und nach zusammenführen zu müssen. Allein acht verschiedene Polizei- und Ermittlungsorganisationen seien in das Verfahren involviert, sagt der Vorsitzende Richter.

Rückblick: Der Kriminalfall hatte für viel Entsetzen gesorgt. Von der Frau waren im November 2025 zunächst die abgetrennten Hände gefunden worden - auf einer Autobahn im Sauerland. Zwei Wochen später entdeckte man ihren Körper im Norden von Rheinland-Pfalz. Den Kopf fanden Müllsammler noch einmal deutlich später nahe der A4 im Kreis Olpe in einer Plastiktüte.

Erwürgt oder erstickt

Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass die Frau am 16. November getötet worden war. Ihr Mann habe sie auf der Rückbank eines Autos auf dem Gelände einer Fahrzeugverwertung in Bonn entweder erwürgt oder erstickt. Mit einem Angriff habe die 32-Jährige zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet - zumal sie sich um das gemeinsame Baby gekümmert habe, das ebenfalls im Auto gewesen sei. «Dies machte sich der Angeklagte bewusst zunutze», so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das Baby war damals drei Monate alt.

Danach soll der aus Eritrea stammende Elektriker den Wagen in «verschiedenen Zwischenstationen» bis in den Ort Waldsolms in Hessen gefahren haben. In der Nähe eines koptischen Klosters habe er das Baby dort in einem Kinderwagen zurückgelassen - bei Dunkelheit und obwohl Temperaturen von etwa zwei Grad und Regen zu erwarten gewesen seien. Nur durch Zufall soll das Kind rechtzeitig gefunden und gerettet worden sein.

Vor dem koptisch-orthodoxen Kloster St. Antonius in Waldsolms wurde das drei Monate alte Baby des Paares gefunden. (Archivbild)

Vor dem koptisch-orthodoxen Kloster St. Antonius in Waldsolms wurde das drei Monate alte Baby des Paares gefunden. (Archivbild) | Christian Lademann/dpa

Von der Leiche der Frau, die immer noch im Wagen gewesen sein soll, soll der 42-Jährige anschließend in einem Waldstück in Rheinland-Pfalz Kopf und Hände abgetrennt und die Überreste danach an den Autobahnen «entsorgt» haben.

Warum all diese Grausamkeiten geschehen sein sollen, ist die große Frage. Nach Angaben des Verteidigers stützt sich die Staatsanwaltschaft auf verschiedene Indizien und Materialien - etwa DNA-Funde und eine Bewegungsauswertung des Handys, «wer immer das dann auch bei sich getragen haben mag».

Die Familie hofft auf Antworten

«Die Familie erhofft sich von dem Prozess Klarheit», teilt die Nebenklageanwältin mit, die Vater und Kind der Toten vertritt. «Die Aufklärung der Tat und ein gerechtes Urteil ist für die Verarbeitung des Geschehenen wichtig.» Die Familie habe sehr unter der quälend langen Zeit gelitten, in der die Überreste der Frau gefunden worden waren. Über Monate hatte sich die Bestattung hingezogen.

Darüber hinaus wünscht sich die Familie, dass das Verfahren eine Botschaft vermittelt: Gewalt gegen Frauen werde nicht toleriert und habe Konsequenzen.

Die Frau hatte laut Nebenklage in Eritrea eine Ausbildung im Bereich der Metall- und Holzverarbeitung gemacht und erfolgreich in ihrem Beruf gearbeitet. 2019 heiratete sie den Angaben zufolge den Angeklagten, der einige Jahre zuvor nach Deutschland geflohen war. Das Paar habe sich bereits seit der gemeinsamen Zeit in Eritrea gekannt, sagt sein Anwalt.

Auf einem Teilstück der A45 in Olpe wurden die Hände der Toten gefunden. (Archivfoto)

Auf einem Teilstück der A45 in Olpe wurden die Hände der Toten gefunden. (Archivfoto) | Alex Talash/dpa

2024 kam die Frau nach Angaben der Nebenklage im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland - «trotz bereits bestehender Schwierigkeiten in der Ehe». Die Konflikte hätten weiter angehalten, sodass die Frau mit ihrem 2025 geborenen Kind nicht bei ihrem Mann, sondern in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt habe. Sie habe ihr Kind schützen wollen.

Über die Ehe und das Zusammenleben berichtet der Angeklagte zunächst ebenfalls nicht vor Gericht - kündigt aber Aussagen dazu zu einem späteren Zeitpunkt an. 

Verurteilung 2017

So fokussiert sich das Gericht zunächst darauf, den Lebensweg des Angeklagten nachzuvollziehen. Er war nach eigenen Angaben von Eritrea über den Sudan nach Libyen und Italien bis nach Deutschland geflohen. Ein Asylantrag soll abgelehnt worden sein. Sein Mandant habe aber eine Duldung gehabt, erklärt sein Anwalt. Der 42-Jährige sei «sehr gut in Deutschland» angekommen. Er habe die Sprache gelernt und gearbeitet - seine Arbeitgeber hätten ihn wertgeschätzt. Der Mann hatte als Elektriker-Gehilfe und als Kraftfahrer gearbeitet.

Der Angeklagte soll seine erwürgt oder erstickt haben.

Der Angeklagte soll seine erwürgt oder erstickt haben. | Federico Gambarini/dpa

Bekannt wird zudem, dass der 42-Jährige 2017 schon einmal zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Er hatte demnach auf einer Baustelle im Streit jemanden unter anderem mit der Hand an den Hals gefasst - sodass dieser kurzzeitig keine Luft mehr bekam.

dpa

Bild: Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einer schwarzen Kapuze auf dem Kopf. | Federico Gambarini/dpa

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Datum: 13.10.2026
Rubrik: Lokales
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