
Völklinger Hütte deckt Neues zu dunkler Vergangenheit auf
Die Völklinger Hütte war im Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Rüstungsbetrieb. Neue Recherchen zeigen, welche Verbindung der Röchling-Konzern zu V-Waffen hatte.
Völklingen (dpa/lrs) -
Dass die Völklinger Hütte während der beiden Weltkriege ein zentraler Rüstungsbetrieb der deutschen Kriegswirtschaft war, ist bekannt. Unter Leitung des Unternehmers Hermann Röchling fertigte das Werk im Zweiten Weltkrieg Granaten, Geschützrohre und Flugzeugteile.
Nun gibt es neue Erkenntnisse zu den Verwicklungen des Röchling-Konzerns in die Rüstungsgeschichte des Dritten Reiches, wie das Weltkulturerbe Völklinger Hütte mitteilte. Es gebe Verbindungen von Röchling zu den deutschen Vergeltungswaffen, kurz V-Waffen: Mit diesen Waffen wollten die Nationalsozialisten die Wende im Zweiten Weltkrieg erreichen.
Die Röchling-Werke seien demnach an der Entwicklung der drei V-Waffen beteiligt gewesen. Für die Entwicklung der V2 habe Hermann Röchling mindestens einen Ingenieur der Völklinger Hütte zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde (Mecklenburg-Vorpommern) entsendet, wo die V1 und V2 maßgeblich entwickelt worden seien, hieß es.
Überschall-Rakete V2 nachgebaut
Die neuen Erkenntnisse kamen zutage im Zuge von Recherchen für die große Ausstellung «Das stählerne Herz» über die Geschichte der Völklinger Hütte, die vom 24. Januar 2027 zu sehen sein wird.
Die historische Verbindung der Hütte mit der V2 werde in der Ausstellung durch einen eigens für die Schau erstellten Nachbau der Überschall-Rakete realisiert: Sie rage mit ihren 12 Metern Länge aus einem Tiefgeschoss der Gebläsehalle bis knapp unter die Hallendecke.
Möglicher V2-Montage auch bei Saarbrücken Thema?
Nach der Bombardierung Peenemündes durch die Royal Air Force im August 1943 wurden die Arbeiten an den V-Waffen unter Tage verlagert. Die Wahl fiel auf eine Stollenanlage nahe Nordhausen im Harz. Auch im Harz sei der Völklinger Ingenieur tätig gewesen, teilte die Völklinger Hütte mit.
Damals sei auch im Gespräche gewesen, die Montage der V2 in «Höhlen bei Saarbrücken» auszulagern. Welche Höhlen gemeinsam mit den Röchling-Werken in Erwägung gezogen wurde, sei nicht bekannt.
Hütte stellt sich historischer Verantwortung
Mit den Forschungen zu der Ausstellung erschließe die Völklinger Hütte auch die Geschichte des Röchling-Konzerns als Baustein des militärisch-industriellen Komplexes im Dritten Reich und die zentrale Rolle von Hermann Röchling als Wehrwirtschaftsführer sowie Reichsbeauftragter für Eisen und Stahl im Zweiten Weltkrieg nochmals neu, sagte der Kurator der Schau, Ralf Beil.
In der Völklinger Hütte war im Juli 1986 die Roheisenproduktion beendet worden - das historische Eisenwerk hatte nach mehr als 100 Jahren ausgedient. Das weltweit einzige erhaltene Eisenwerk aus dem Industriezeitalter ist seit 1994 Unesco-Weltkulturerbe.
dpa
Bild: In der Völklinger Hütte war im Juli 1986 die Roheisenproduktion beendet worden - das historische Eisenwerk hatte nach mehr als 100 Jahren ausgedient. (Archivbild) | Oliver Dietze/dpa
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