Saarland bekommt Gedenkort für im Dienst getötete Polizisten

 

Saarland bekommt Gedenkort für im Dienst getötete Polizisten

Mit einer begehbaren Skulptur will das Saarland künftig an im Dienst getötete Polizisten erinnern. Ende des Jahres soll sie fertig sein. Was noch offen ist.

Saarbrücken (dpa/lrs) -

Es soll ein Ort sein für Trauer, Trost, Erinnerung und für Verbundenheit mit der Polizei: Das Saarland bekommt eine Gedenkstätte für im Dienst ums Leben gekommene Polizistinnen und Polizisten. Sie soll dieses Jahr auf dem Gelände der Landespolizeidirektion in Saarbrücken entstehen. Die Einweihung sei voraussichtlich für Ende 2026 geplant, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums.

Die Namen der gestorbenen saarländischen Landespolizisten sollen in der Gedenkstätte jeweils auf Kupfer-Tafeln sichtbar sein. Wie viele es sein würden, sei noch unklar. Bei der noch laufenden Recherche konzentriere man sich auf die Zeit ab 1957, als das Saarland der Bundesrepublik beigetreten sei.

Ein Name, der darunter sein wird, ist Simon Bohr. Der 34 Jahre alte Polizeioberkommissar war im August 2025 in Völklingen bei einem Einsatz erschossen worden. Der mutmaßliche Täter sitzt unter anderem wegen Mordes in Untersuchungshaft. Am 12. Februar beginnt am Landgericht Saarbrücken der Prozess gegen den Angeklagten, der zur Tatzeit 18 Jahre alt war.

Der in Völklingen erschossene Polizist wird in der neuen Gedenkstätte namentlich verewigt. (Archivbild)

Der in Völklingen erschossene Polizist wird in der neuen Gedenkstätte namentlich verewigt. (Archivbild) | Christian Schultz/dpa

Die beiden Polizisten, die Ende Januar 2022 bei einer nächtlichen Streife in der Nähe von Kusel in Rheinland-Pfalz von einem Jagdwilderer erschossen worden seien, würden in der Gedenkstätte in Saarbrücken namentlich nicht aufgeführt, sagte die Sprecherin. Die Polizeianwärterin (24) und der Polizeikommissar (29) hatten zwar im Saarland gewohnt, gehörten aber der rheinland-pfälzischen Polizei an.

Die neue Gedenkstätte sei aber «bewusst als offener Ort des Erinnerns» konzipiert. Sie biete auch die Möglichkeit, derjenigen zu gedenken, die in anderen Bundesländern oder bei anderen Polizeien im Dienst ums Leben gekommen seien. Dies gellte unabhängig von Herkunft oder institutioneller Zugehörigkeit, etwa zur Landes- oder Bundespolizei.

Willem-Jan Beeren gewinnt Kunstwettbewerb

Zur Errichtung der Gedenkstätte war ein Kunstwettbewerb ausgerufen worden. Gewonnen hat der Entwurf «Räume des Gedenkens» von Willem-Jan Beeren. Er habe das Preisgericht mit einem Konzept überzeugt, dass sowohl Raum für individuelles Gedenken als auch für kollektive Gedenkveranstaltungen biete, teilte das Innenministerium mit.

Für die Umsetzung des Siegerentwurfs steht eine Summe von 152.500 Euro zur Verfügung. Die Preisverleihung ist am heutigen Freitag (ab 14.00 Uhr) in Saarbrücken geplant. Dabei soll auch Beerens Entwurf vorgestellt werden, der aus einer zweiteiligen begehbaren Skulptur aus kreisförmig angeordneten Lärchenpfosten als Gedenk-Raum plus einem Natur-Raum besteht. 

Beeren ist Professor für Architektur und Kunst an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter/Bonn.

Minister: «Ein würdiger Ort des Innenhaltens»

«Mit dieser Gedenkstätte setzen wir ein sichtbares Zeichen des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber saarländischen Polizeibeamtinnen und -beamten, die im Dienst ihr Leben verloren haben», sagte Innenminister Reinhold Jost (SPD). Sie hätten für die Sicherheit der Gesellschaft alles gegeben: «Dafür schulden wir ihnen mehr als nur Worte.»

Die Gedenkstätte ist von einer breit angelegten Arbeitsgruppe geplant worden, die aus Polizeiseelsorgern, Gewerkschaftsvertretern, der Polizei und Abgeordneten des saarländischen Landtags besteht. Der große Kreis zeige die Bedeutung dieses Vorhabens.

«Es ist wichtig, Erinnerungskultur aktiv zu gestalten und den Angehörigen wie auch der gesamten Polizei einen würdigen Ort des Innehaltens zu schaffen», sagte Minister Jost. 

Gedenkstätte gibt es schon länger in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2018 eine Gedenkstätte für im Dienst ums Leben gekommene Polizistinnen und Polizisten - auf dem Campus Hahn der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz. An einer Stele sind Bronzetafeln angebracht mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen von 48 im heutigen Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten seit dem Zweiten Weltkrieg. 

In Rheinland-Pfalz gibt es schon seit 2018 eine Gedenkstätte. (Archivbild)

In Rheinland-Pfalz gibt es schon seit 2018 eine Gedenkstätte. (Archivbild) | Thomas Frey/dpa

Sie wurden beispielsweise bei Unfallaufnahmen und Verkehrskontrollen von Autos erfasst oder Opfer von tödlichen Angriffen. Darunter sind auch die Namen der beiden bei Kusel getöteten Polizisten namentlich verewigt.

dpa

Bild: Die tödlichen Schüsse auf einen Polizisten in Völklingen lösten bundesweites Entsetzen aus. (Archivbild) | Patrick von Frankenberg/dpa

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Datum: 09.01.2026
Rubrik: Lokales
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