Deutlich mehr Verkehrstote in Rheinland-Pfalz

 

Deutlich mehr Verkehrstote in Rheinland-Pfalz

So viele Tote auf rheinland-pfälzischen Straßen wie seit Jahren nicht mehr. Was sind die Ursachen? Und was kann dagegen getan werden?

Mainz (dpa/lrs) -

Erstmals seit mehreren Jahren sind in Rheinland-Pfalz wieder mehr Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt und getötet worden. Innenminister Michael Ebling (SPD) spricht von einem Alarmsignal und einem Auftrag zum Handeln. Denn das Ziel der sogenannten Vision Zero ist klar: Null Verkehrstote bis 2050. Ein Überblick über Gründe und Gegenmaßnahmen: 

Die genauen Zahlen 

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 139.065 Unfälle (minus 0,5 Prozent). Das sind im Durchschnitt täglich rund 380. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten oder Toten stieg im Jahresvergleich um 4,7 Prozent auf 14.106. Bei diesen Unfällen kamen 158 Menschen ums Leben, 28 mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Schwerverletzten stieg um 4,4 Prozent auf 2.521, die der Leichtverletzten um 2,7 Prozent auf 15.128. 

Viele Unfälle mit mehreren Toten 

Unter den Unfällen waren außergewöhnlich viele mit mehreren Toten. So kamen bei elf Unfällen insgesamt 27 Menschen ums Leben. Besonders schlimm: Vier Menschen starben im November beim Frontalzusammenstoß eines Lastwagens und eines Autos auf der Bundesstraße 51 zwischen Trier und Bitburg. Darunter war ein siebenjähriges Kind. So viele Tote bei Unfällen seien atypisch, es gebe aber keine besonderen Ursachen. 

Vier Menschen starben bei einem einzigen Unfall. (Archivbild)

Vier Menschen starben bei einem einzigen Unfall. (Archivbild) | Harald Tittel/dpa

Auf Bundes- und Landstraßen kommt es besonders oft zu schweren Unfällen, wie Ebling sagte. Hauptursachen seien zu schnelles Fahren, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot und Alkoholeinfluss. Nimmt man alle Unfälle zusammen, so gehöre geringer Sicherheitsabstand nach nicht angepasster Geschwindigkeit als zweitwichtigste Ursache dazu.

Ablenkung durch Handy 

«Ablenkung ist eine reale und vielfach unterschätzte Gefahr», sagte Ebling. Er geht von einem erheblichen Dunkelfeld aus. Statistisch wird sie erst seit 2021 erfasst, ergänzte der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien, Friedhelm Durben. Dafür konkrete Anhaltspunkte zu finden, sei aber schwierig. «Das bloße Auffinden eines Mobiltelefons im Fußraum reicht nicht aus.» Welch große Rolle das Thema Handy spiele, zeige aber ein Blick durch die Seitenscheiben in andere Autos. 

Kinder und alte Menschen

Die Zahl der Unfälle mit verunglückten Kindern nahm um sieben auf 1.251 zu. Drei kamen ums Leben. Auch mehr Senioren über 75 Jahren verunglückten tödlich - insgesamt 55 (plus 19). Am häufigsten sind Unfälle mit dieser Bevölkerungsgruppe (ab 65 Jahren) donnerstags und freitags zwischen 11 und 15 Uhr, wie Durben sagte. 

Junge Fahrende (18-24 Jahre) bleiben trotz rückläufiger Unfallzahlen überproportional oft beteiligt. 19 junge Menschen dieser Altersgruppe kamen ums Leben (plus sieben)

Mehr Unfälle mit Elektrorollern, Fahrrädern und Motorrädern 

Motorradfahrer waren an 2.864 Unfällen beteiligt (plus 174). Dabei starben 39 (plus vier). «Motorrad zu fahren, ist nach wie vor ein großes Risiko», mahnte Ebling. Die Zahl der Unfälle mit Rädern und Pedelecs nahm ebenfalls zu, um 232 auf 4.100. Bei 3.084 wurden Menschen verletzt oder kamen ums Leben (plus 127). Sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Roller oder -Scooter waren an 835 Unfällen beteiligt (plus 281). Dabei gab es auch einen Toten. 

Monocams sind Handy-Daddlern am Steuer auf der Spur. (Archivbild)

Monocams sind Handy-Daddlern am Steuer auf der Spur. (Archivbild) | Thomas Frey/dpa

Als einziges Flächenbundesland in Deutschland setzt Rheinland-Pfalz auf Monocams, mit denen gezielt Handy-Daddeln am Steuer nachgewiesen werden soll. Von April bis Juni 2025 seien dabei mit einer Kamera 304 Verstöße erfasst worden und von Juli bis Oktober 631. Inzwischen sind alle fünf Flächenpräsidien mit solchen Kameras ausgestattet. 

Andere Gegenmaßnahmen

Polizei und Innenministerium bauen gruppenspezifische Präventionsprogramme - also beispielsweise für Kinder, Senioren oder Motorradfahrer - aus und verstärken Kontrollen. Die Statistik weist für das vergangene Jahr etwa mehr als drei Millionen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen aus. Mehrere Zehntausend Kinder seien in der Verkehrserziehung erreicht worden. Die elektronische Erhebung der Unfälle wird auch ausgebaut und es wird jetzt eine Kampagne auf mehreren Social-Media-Kanälen gestartet.

dpa

Bild: Mehr Verkehrstote in Rheinland-Pfalz. (Symbolbild) | Thomas Frey/dpa

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Datum: 09.04.2026
Rubrik: Lokales
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