
Sicher im Wald - Was ein Experte Spaziergängern jetzt rät
Wegen hoher Spritpreise treibt es laut Förster Martin Janner zurzeit mehr Besucher in den Wald. Worauf man achten sollte.
Oberwallmenach (dpa/lrs) -
An Ostern sterben drei Menschen in einem Waldstück bei Flensburg, als ein Baum bei starken Böen umstürzt. Der Fall schreckt auch Waldbesucher in Rheinland-Pfalz und im Saarland auf: Denn immer wieder sieht man auch hier umgestürzte Bäume im Wald. Wie kann man sich als Spaziergänger oder Wanderer vor möglichen Gefahr schützen?
Martin Janner, Gemeindewaldförster in Oberwallmenach im Rhein-Lahn-Kreis, Buchautor und Förster des Jahres 2023, hat einen wichtigen Tipp: «Ich kann nur raten, auf den Wind zu achten. Bei stärkerem Wind empfehle ich, aus den Wäldern draußen zu bleiben. Und zwar nicht erst bei Orkanstärke, sondern ruhig schon ein bisschen vorher.»
Warum soll man bei stärkerem Wind nicht in den Wald?
Vor allem in laubholzgeprägten Wäldern gebe es viel Totholz in den Baumkronen. Bei Wind könnten Äste abbrechen oder auch ganze Bäume umfallen. Forstleute versuchten für Sicherheit zu sorgen und gerade an Orten mit hohem Besucheraufkommen - etwa Waldparkplätzen und Trimm-dich-Pfaden - Totholz zu entfernen. «Überall ist das aber in der Masse der Wälder nicht möglich», sagt der 57-Jährige.

Ein Experte rät, bei stärkerem Wind den Wald zu meiden (Symbolbild) | Sascha Ditscher/dpa
Wanderer könnten beim Gang durch den Wald auch den Blick nach oben richten, um nicht unter einer trockenen Krone durchzulaufen. Nicht immer sehe man diese aber, sagt Janner. Bei Eichen und Buchen gebe es Exemplare, die seien von unten schön grün, darüber hingen aber die toten Äste.
Gibt es Bäume, die eine besondere Gefahr darstellen?
Ja, das ist die Esche, wie der Experte sagt. Diese Baumart werde in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten wohl komplett in Deutschland absterben. Grund sei ein Pilz, der aus Asien eingetragen wurde: das «Falsche Weiße Stängelbecherchen». Dieser Pilz führe dazu, dass der Baum komplett absterbe - mitsamt den Wurzeln. «Letzten Endes steht er dann wie ein Bleistift im Boden und kann sehr leicht umfallen.»
Dieses «Seuchengeschehen» ziehe sich durch das ganze Bundesgebiet: vom Nordosten über den Osten nach Bayern. «Und mittlerweile hat es auch Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erreicht», sagt der Oberhesse Janner, der das Buch «Der Wald der Zukunft» (Piper) geschrieben hat.
Fallen heute mehr Bäume um als früher?
Die Trockenheit der vergangenen Jahre habe den Wäldern stark zugesetzt. «Dadurch sind die Bäume logischerweise krankheitsanfälliger und durchaus mal in der Situation, dass sie alleine aufgrund der Trockenheit absterben.» Es gebe seit Jahren deutlich zu wenig Niederschlag. Zudem seien die Temperaturen gestiegen.

Gerade in Laubholzwäldern gibt es laut Experte viel Totholz (Symbolbild) | Sascha Ditscher/dpa
Nach dem jüngsten Waldschadensbericht für 2025 gelten mehr als 80 Prozent der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern als geschädigt. Ursachen dafür sind neben dem Klimawandel mehr Trockenheit, Luftschadstoffe und Schädlingsbefall. Mit 43 Prozent Waldanteil ist Rheinland-Pfalz das waldreichste Bundesland.
Wie sieht es mit dem Besucheraufkommen zurzeit aus?
Im Frühling kommen wieder viele Menschen in den Wald. Nicht nur Wanderer und Spaziergänger, sondern auch Radfahrer. Janner meint, dass es aufgrund der hohen Spritpreise sogar mehr Menschen als sonst in die Natur zieht. «Wenn man sich als Familie überlegt, einen Ausflug zu machen und an der Tankstelle steht, entscheidet man sich aus Kostengründen eher für den Wald.» Er finde es gut, dass man sich in der Situation «der erholsamen Wirkung der Wälder» erinnere.
Es sei so bisschen wie in der Corona-Pandemie: Damals seien auch deutlich mehr Menschen in den Wald gekommen, weil sie an viele andere Orte nicht konnten. «Es ist jetzt so eine Art Corona-Effekt. Besser gesagt: der Hormus-Effekt», sagt Janner mit Blick auf die für den Transport von Öl und Gas aktuell geschlossene Straße von Hormus.
dpa
Bild: Das tödliche Unglück in Schleswig-Holstein bewegt Waldbesucher (Archivbild) | Daniel Reinhardt/dpa
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