
Was die Akademie der Wissenschaften und Literatur ausmacht
Unter dem Dach der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sind in Deutschland acht außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Was das Besondere an der in Mainz ist.
Mainz (dpa) -
Die Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, Andrea Rapp, geht davon aus, dass KI die Forschung verändert, indem sie andere Arbeit schafft. «Natürlich hilft uns KI beim Strukturieren und Sortieren», sagte die Germanistik-Professorin von der Technischen Universität Darmstadt (TUDa) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Aber sie finde in der Regel «nicht die blinden, sondern die farbigen Flecken, die sowieso schon da sind».
«Man muss auch noch kritischer an das herangehen, was in der Wissenschaft eingereicht wird», sagte die Professorin für Computerphilologie und Mediävistik. Alle Quellen müssten überprüft werden, weil die KI stark halluziniere, also Quellen erfinde. «So kann man in der Wissenschaft seinen Ruf ruinieren.»
Was ist das Besondere an der Mainzer Akademie?
«Das Profil der Akademie der Wissenschaften in Mainz ist einzigartig», sagt Rapp, die der Einrichtung ehrenamtlich vorsteht. Als einzige in Deutschland habe die außeruniversitäre Einrichtung auch eine Klasse (Abteilung) für Literatur und Musik. Und sie sei nicht nur regional, sondern bundesweit tätig; zudem besonders forschungsstark.
Den Grundhaushalt von rund 1,8 Millionen Euro im Jahr übernimmt das Land Rheinland-Pfalz. Dazu komme eine Drittmittelquote von mehr als 18 Millionen Euro plus noch einmal rund zwei Millionen Euro von Einrichtungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesforschungsministerium.
Welche Schwerpunkte setzt die Präsidentin?
Digitale Infrastruktur und Forschung sowie resiliente Infrastruktur nennt Rapp, die seit Juli 2025 Präsidentin ist, als ihre Schwerpunkte. «Der zweite wichtige Punkt ist eine weitere Öffnung in der Wissenschaftskommunikation in Richtung Citizen Science und Forschung über Wissenschaft.» Citizen Science beschreibt die aktive Einbindung von interessierten Laien in wissenschaftliche Forschungsprojekte.
Die Akademie solle auch breiter aufgestellt werden: Der Frauenanteil der Mitglieder sei bereits deutlich gestiegen, aber es könnten mehr Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Osten, mit Migrationshintergrund und aus den jungen Generationen aufgenommen werden, sagte Rapp.
Die Mitglieder werden auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gewählt. Pro Klasse 50 ordentliche Mitglieder und 50 korrespondierende Mitglieder. Mit 70 Jahren wird ein Mitglied entpflichtet, um jüngeren Platz zu machen. Unter den prominenten sind namhafte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, wie etwa die Gründer von Biontech oder der Schriftsteller Arno Geiger.

Akademie-Präsidentin Rapp will auch Laien in Forschungsprojekte einbinden. | Michael Brandt/dpa
Was wird erforscht?
Insgesamt sind es derzeit 54 Projekte, darunter 36 im Akademieprogramm. «Das Akademienprogramm ist sozusagen das Großforschungsprogramm für die Geisteswissenschaften», sagte Rapp. Die Summen seien zwar nicht vergleichbar, aber «was Helmholtz für die Naturwissenschaften ist, ist das Akademieprogramm für die Geisteswissenschaften». Es sei das einzige Programm in Deutschland, in dem langfristig geisteswissenschaftliche Forschung gemacht werde, also zwischen 12 und 25 Jahren.
Welche Themen sind das beispielsweise?
Historische Finanzströme, Wörterbücher zur deutschen Sprache, das Werk von Johann Wolfgang von Goethe, die Schriften von Richard Wagner und Johannes Brahms. Dabei geht es immer um das gesamte Werk.
Rapp selbst forscht über die Fremdsprachenlehrwerke der frühen Neuzeit - «ein Blick in die Mehrsprachigkeit von Europa». In dem Projekt würden rund 1.000 Fremdsprachenlehrwerke flächendeckend aufgearbeitet. «Früher waren die Leute viel mehrsprachiger als heute», berichtet Rapp. Dies zeigten etwa die Büchlein, mit denen Kaufleute und Adlige Französisch, Englisch, Tschechisch oder Italienisch gelernt hätten und dann etwa nach Venedig gefahren seien, um auf mehreren Sprachen Handel zu treiben.
Alle Familiennamen in Deutschland - ihre Herkunft, Verbreitung und Bedeutung. Das ist das Thema eines anderen großen Projekts. Daran lasse sich beispielsweise die Migration in Deutschland ablesen.
«Wir haben 57 Arbeitsstellen in ganz Deutschland, manche sind an Universitäten angesiedelt», sagt Rapp. Ein paar Projekte sitzen auch unter dem Dach der Akademie. Entscheidend für die Präsidentin: der zweckfreie Austausch, das Gespräch zwischen den Universitäten und der Akademie.
dpa
Bild: Die Akademie der Wissenschaft und der Literatur in Mainz hat bundesweite Besonderheiten. | Andreas Arnold/dpa
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