
Nach Polizistenmord: Studie untersucht Folgen für Kollegen
Vor knapp einem Jahr wurde im Saarland ein Polizist im Dienst erschossen. Was hat das mit den Kollegen gemacht? Dazu läuft eine Befragung.
Saarbrücken / Völklingen (dpa/lrs) -
Nach dem gewaltsamen Tod eines Polizisten vor knapp einem Jahr in Völklingen wird wissenschaftlich untersucht, welche Folgen diese Tat für die Kolleginnen und Kollegen gehabt hat. «Die Untersuchung findet seit Juni statt, bislang haben wir deutlich über 25 Prozent Rücklauf», sagte Innenminister Reinhold Jost (SPD). Er rechne Anfang September mit Ergebnissen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte eine solche Befragung «zur Gefühls- und Motivationslage» und den Auswirkungen dieses Ereignisses gefordert. «Nur so können Behördenleitung und Innenministerium nach dem ersten Polizistenmord in der Geschichte des Saarlandes ihre Belegschaft vollumfänglich professionell unterstützen - auch nach der ersten Akutphase», hatte der GdP-Landesvorsitzende Andreas Rinnert beim Neujahrsempfang in Saarbrücken gesagt.
Polizist wurde bei Festnahmeversuch erschossen
Der 34 Jahre alte Polizeioberkommissar Simon Bohr war im August 2025 in Völklingen bei einem Einsatz erschossen worden. «Gott bewahre, dass sich ein derart schreckliches Ereignis in absehbarer Zeit wiederholen wird», sagte Rinnert. «Aber auszuschließen ist es schlichtweg nicht. Und dann sollten wir vorbereitet sein.» Dies funktioniere nur, wenn man schon jetzt herausfinde, was gut war und geholfen habe, was man anders, möglicherweise auch hätte besser machen können im Umgang mit den Menschen.
Nach Angaben von Jost, hätten sich viele Polizisten grundsätzlich positiv über die Befragung gezeigt und gesagt, dass das psychosoziale Netzwerk funktioniert habe. Zudem gebe es in der Landespolizeidirektion einen direkten Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen.

Knapp ein Jahr ist vergangen, seit der Polizist Simon Bohr im Dienst erschossen wurde. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa
Nach den tödlichen Schüssen seien knapp ein Dutzend Kollegen in der Polizeiwache Völklingen ausgefallen. «Ein Teil derer ist bis heute nicht dienstfähig», so der Minister. Alternativ habe er auf eine schnellere Umsetzung einer Rund-um-die-Uhr-Dienststelle in Dillingen verzichtet und die dafür vorgesehenen sechs Kolleginnen und Kollegen nach Völklingen versetzt. Nicht alle hätten dafür Verständnis gehabt. «Die Schläge habe ich mir gerne dafür abgeholt», sagte Jost.
Der Tod des Polizisten am 21. August 2025 gehöre zu den Momenten, die auch er nicht vergesse. «Es ist auch für mich eine Verpflichtung gegenüber der Polizei, dass sie merken, dass das nicht irgendetwas war. Das war eine Zäsur. Und der muss man Rechnung tragen.»
dpa
Bild: Vor knapp einem Jahr gedachten Hunderte von Polizisten ihres erschossenen Kollegen in Völklingen. Bis heute hat die Gewalttat Folgen. (Archivbild) | Patrick von Frankenberg/dpa
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