
Wildtiere leiden unter Trockenheit - Folgen für die Jagd
Hitze und Trockenheit setzen auch Wildtieren zu. Vor allem Wasserknappheit und ausgetrocknete Böden erschweren die Nahrungssuche. Wie Jäger darauf reagieren - und welche Frage nicht geklärt ist.
Mainz/Saarbrücken (dpa/lrs) -
Wenn es im nächsten Jahr weniger Wildschweine geben sollte, könnte dies auch auf die aktuelle Trockenperiode zurückgehen. Einzelne Jägerinnen und Jäger berichteten von auffällig geschwächten oder verendeten Frischlingen, wie der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Für Jungtiere seien hohe Temperaturen besonders belastend, weil sie Temperaturunterschiede noch nicht gut selbst ausgleichen könnten.
«Ob bereits viele Frischlinge verdurstet oder infolge der Trockenheit verendet sind, lässt sich derzeit nicht pauschal bestätigen», sagte Frederik Grüneberg, Geschäftsstellenleiter des Jagdverbands. Solche Beobachtungen könnten lokale Auswirkungen der Trockenheit widerspiegeln, aber auch andere Ursachen wie Unfälle oder Krankheiten haben.
Nach Angaben des Verbandes stellt die anhaltend trockene und heiße Witterung zahlreiche Wildtierarten allerdings vor erhebliche Herausforderungen. Besonders betroffen seien Tiere, die auf regelmäßige Wasseraufnahme angewiesen seien - wie weibliche Elterntiere zur Milchproduktion - oder deren Nahrungsangebot unter der Trockenheit leide. Dazu gehörten beispielsweise Schwarzwild, Rehwild und Niederwild wie Feldhasen oder Fasane. «Auch viele Vogelarten darben unter ausgetrockneten Kleingewässern und einem Rückgang von Insekten», sagte Grüneberg.

Auch die Küken von Fasanen benötigen dringend tierisches Eiweiß. Wenn es zu wenig Insekten gibt, kann dies zu einer chronischen Unterernährung führen. (Symbolbild) | picture alliance / dpa
Wildschweine fänden ihre Nahrung überwiegend durch das Aufbrechen des Bodens. Sei dieser über längere Zeit stark ausgetrocknet und verhärtet, werde es deutlich schwieriger, an Regenwürmer, Insektenlarven oder Wurzeln zu gelangen. Als «Nahrungsgeneralisten» wichen Wildschweine dann auf andere Futterquellen aus - etwa auf Mais. Den Frischlingen fehle dann jedoch das wichtige tierische Eiweiß, ebenso wie den Küken von Fasanen und Rebhühnern, für die das unbedingt nötig sei. Die Folge sei eine chronische Unterernährung.
Wildschweine haben noch ein weiteres Problem: Durch die Hitze trocknen Suhlen aus - in diesen flachen, schlammigen Wasserstellen wälzen sich die Tiere regelmäßig. Sie seien wichtig für sie, um die Körpertemperatur zu regulieren und sich vor Parasiten zu schützen.
Versorgung mit Wasser juristisch nicht eindeutig
Offen sei jedoch, ob zur Unterstützung des Wildes auch Behälter mit Wasser aufgestellt werden dürfen. «Da gibt es keine klare Rechtssprechung», sagt Grüneberg. Grundsätzlich dürften Jäger im Rahmen ihrer Hegepflicht Maßnahmen ergreifen, die dem Erhalt gesunder Wildbestände dienten. Das Füttern indes sei generell verboten. Ob dazu jedoch auch die Versorgung mit Wasser zähle, «daran scheiden sich die Geister», sagte der Geschäftsstellenleiter. «Nach meinem Verständnis zählt das Ausbringen von Wasser nicht als Füttern. Aber da sind sich auch die Juristen nicht ganz einig.» Niemand würde das jedoch kontrollieren oder sogar ahnden.
Unstrittig sei, dass es in außergewöhnlichen Trockenphasen zur Hege gehöre, bestehende natürliche Wildtränken und Wasservorkommen zu erhalten. Auch würden ausgetrocknete Suhlen befüllt, um diese durch die Trockenphasen zu retten.
Jagd wird nicht ausgesetzt, aber angepasst
So verfahren auch die Jagdkollegen im benachbarten Saarland: «Die Suhlen werden beschickt und Wassermöglichkeiten gegeben - soweit es möglich ist», sagt Johannes Schorr, Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes der dpa. Natürlich seien Trockenheit und Hitze für das Wild ein Thema, aber es gebe keinerlei Restriktionen für die Jagd.
Auch in Rheinland-Pfalz wird die Jagd laut Frederik Grüneberg wegen Trockenheit grundsätzlich nicht automatisch ausgesetzt. «Dennoch berücksichtigen verantwortungsbewusste Jägerinnen und Jäger die besonderen Belastungen für das Wild», sagt er. Jagd-Aktivitäten würden vielerorts angepasst, um unnötigen zusätzlichen Stress für die Tiere zu vermeiden.
An den letzten verbliebenen Wasserstellen oder Suhlen beispielsweise werde nicht gejagt. Gleichzeitig wies Grüneberg darauf hin, dass die Bejagung des Schwarzwildes zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest grundsätzlich weiterhin notwendig bleibe.
dpa
Bild: Die Trockenheit erschwert Wildschweinen die Nahrungssuche: Durch den trockenen Boden gelangen sie nur schwer an Würmer und Larven. (Symbolbild) | Boris Roessler/dpa
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