
Bätzing setzt auf Kooperationen – «keine Kirche im Rückzug»
«Wir werden weniger werden, wir werden ärmer werden» – wie Bischof Bätzing das Bistum Limburg durch Sparzwänge und Mitgliederschwund führen will.
Limburg (dpa) -
Das Bistum Limburg setzt angesichts von Sparzwängen stärker auf Kooperationen mit Städten und Gemeinden. Als Beispiele nannte Bischof Georg Bätzing etwa eine «Wohnraumoffensive», in deren Rahmen ein Mehr-Generationen-Haus in Mengerskirchen (Landkreis Limburg-Weilburg) entstanden sei, sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Kommunen beim Betrieb von Kindertagesstätten. Klar sei allerdings auch, dass Städte und Gemeinden mindestens genauso intensiv sparen müssten wie die Kirchen.
In den kommenden zehn Jahren muss das Bistum seine Ausgaben nach derzeitiger Planung jährlich um jeweils rund 100 Millionen Euro und damit um ein Drittel drücken. «Wir sind konfrontiert mit einem Ressourcenmangel auf allen Ebenen», sagte Bätzing, der seine Bischofsweihe vor zehn Jahren, am 18. September 2016, empfangen hatte. In dieser Zeit habe alleine das Bistum Limburg weit mehr als 100.000 Kirchenmitglieder durch anhaltende Austritte verloren.
Auch an Personal mangelt es
Folge sei auch ein Mangel an Personal, nicht nur bei Seelsorgerinnen und Seelsorgern, sondern auch in Kitas, in der Pflege und Caritas. Hier suche man «sehr intensiv nach Menschen, die uns helfen, diese Dienste anbieten zu können», so Bätzing.
Klar sei: «Wir werden weniger werden, wir werden ärmer werden» - doch wolle man «keine Kirche im Rückzug sein». Er werbe dafür, nicht zu fragen: «Was wird denn aus uns?», sondern: «Mit wem zusammen können wir in dieser Gesellschaft zusammenwirken und gute Angebote machen?» Dafür sehe er viele Mitstreiter im Bistum, sagte Bätzing. «Es macht Spaß, hier zu sein, nicht jeden Tag in gleicher Weise, das gebe ich auch zu.»
Wichtiges Ziel: Wiederaufbau von Vertrauen
Als eines seiner wichtigsten Ziele hob der Bischof den Wiederaufbau von Vertrauen hervor. Deshalb sei auch die Aufarbeitung der «Verbrechen» im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche so wichtig. Hier habe man in den vergangenen Jahren 60 Maßnahmen vorangetrieben, auch die Pfarreien nähmen das Thema sehr ernst und hätten Präventionsmaßnahmen und Schutzkonzepte etabliert.
Bätzing hatte den Bischofssitz gut zwei Jahre nach dem Amtsverzicht seines Vorgängers Franz-Peter Tebartz-van Elst übernommen, der wegen seiner Amtsführung und überhöhter Baukosten für das Bischofshaus in die Kritik geraten war. Er habe mit seinem Vorgänger «keine Krise erlebt», sondern regelmäßig mit ihm gesprochen, der Kontakt sei aber zuletzt zurückgegangen, sagte Bätzing. «Wir leben in verschiedenen Welten.» Zu Beginn habe er versucht, Tebartz-van Elst zu einer gemeinsamen Aufarbeitung zu bewegen, «das ist nicht gelungen», so Bätzing.
Über sich selbst sagte der Bischof, er habe Interesse an Menschen und lache gerne mit ihnen. Derzeit erlebe er bei Besuchen von Gemeinden im Taunus unter anderem, wie viele Menschen sich im Ehrenamt engagieren, «das macht mir große Freude». Das Bistum liegt auf hessischem und auf rheinland-pfälzischem Gebiet.
dpa
Bild: Der Limburger Bischof Georg Bätzing will Vertrauen in die Kirche aufbauen. (Archivbild) | Marijan Murat/dpa
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