BASF streckt bei Evonik die Fühler aus

 

BASF streckt bei Evonik die Fühler aus

BASF prüft ein Übernahmeangebot für Evonik. Es geht bei dem angepeilten Milliarden-Deal auch um den Wettbewerb mit chinesischen Anbietern. Gespräche laufen derzeit aber noch nicht.

Essen (dpa) -

Mitten in einer tiefen Branchenkrise hat der Chemiekonzern BASF ein Auge auf den Spezialchemieanbieter Evonik geworfen. Wie Evonik in Essen bestätigte, trat der größere Branchenriese aus Ludwigshafen mit einer unverbindlichen Ansprache an das Unternehmen heran. 

Diese sei auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche fänden derzeit jedoch nicht statt. Zuvor hatten Medien entsprechend berichtet, unter anderem die «Financial Times» und die Nachrichtenagentur Bloomberg. 

Laut Bloomberg hat BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen Deal sondiert. Die «FT» berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Ludwigshafener hinsichtlich einer Übernahme nicht nur mit dem Unternehmen, sondern auch mit der RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionärin gesprochen hätten. 

Wettbewerb mit chinesischen Anbietern im Blick

Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, hieß es in dem Blatt. Ein Deal wäre angesichts Evoniks Börsenwert von mehr als 8 Milliarden Euro groß.

BASF nahm zu den Berichten zunächst keine Stellung. Die RAG-Stiftung bestätigte, von BASF auf ein etwaiges freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot angesprochen worden zu sein. 

Weiter wollte sich die Stiftung nicht äußern. Sie wies jedoch darauf hin, dass sie derzeit drei Schuldverschreibungen mit einem Umtauschrecht in Evonik-Aktien ausstehen habe. Die RAG-Stiftung hält eigenen Angaben zufolge rund 43,8 Prozent an dem Unternehmen, ihre Stimme gilt als wegweisend für einen möglichen Zusammenschluss.

BASF setzt neben Stellenabbau auf einen Umbau 

Chemiekonzerne haben es derzeit angesichts stark anziehender Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten schwer, auch wenn es in einigen Fällen wegen Knappheiten ihrer Produkte eine Sonderkonjunktur mit steigenden Verkaufspreisen gibt.

BASF baut seit einiger Zeit Stellen ab. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 habe das Unternehmen weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, teilte das Unternehmen Ende Juli mit. Dank steigender Preise konnte BASF-Chef Markus Kamieth allerdings die Gewinnprognose für das laufende Jahr anheben.

Neben einem Stellenabbau vor allem im Stammwerk Ludwigshafen setzt das Unternehmen schon länger auf einen Umbau. So hat BASF Ende Juni den Verkauf von 60 Prozent des Fahrzeugserien- und Autoreparaturlack-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle abgeschlossen. Die restlichen 40 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens mit dem Namen Surventis gehören weiter BASF, der Komplettausstieg ist aber anvisiert. Zudem soll das Geschäft mit der Landwirtschaft an die Börse gebracht werden.

Auch Evonik will sparen

Auch bei Evonik wird gespart - trotz im Sommer ebenfalls erhöhter Gewinnaussichten. Bis Ende 2029 sollen weitere 3.200 Stellen gestrichen werden, davon 2.150 in Deutschland. Zudem kündigte der Chemiekonzern an, das unprofitable Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen.

Von Massengeschäften verabschieden sich die Essener, weitere Verkäufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an. Krankheitsbedingt ist der etatmäßige Chef Christian Kullmann nach einer Operation derzeit nicht an Bord, vertreten wird er von Asien-Chef Claus Rettig.

dpa

Bild: Evonik bestätigte, dass der größere Branchenriese aus Ludwigshafen mit einer unverbindlichen Ansprache an das Unternehmen herangetreten sei. (Archivbild) | Federico Gambarini/dpa

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Datum: 25.09.2026
Rubrik: Lokales
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