
Kuscheln, spielen, Gassi gehen - Hunde helfen Studierenden
Studierenden der Uni Mainz wird in diesem Semester ein besonderes Angebot gemacht: Sie können mit den Hunden Cian und Juni Stress abbauen. Welche Idee hinter dem Einsatz der Vierbeiner steht.
Mainz (dpa/lrs) -
Vierbeiniger Helfer für stressige Phasen: Wenn Cian an der Johannes Gutenberg-Universität aktiv ist, trägt er ein Halsband mit seinem Namen und dem Logo der Hochschule. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen der zwei Jahre alte Magyar Vizsla, ein ungarischer Vorstehhund, sowie ein Labrador namens Juni Studierenden in belastenden Phasen helfen. Es geht darum, mal den Kopf freizubekommen etwa in Prüfungsphasen.
«JGU-Pfotenpause» heißt das zunächst in diesem Wintersemester an der größten rheinland-pfälzischen Uni organisierte Angebot. Dahinter steht das 2025 gestartete Projekt «Healthy Campus Mainz», das sich grundsätzlich um Gesundheitsförderung und Prävention kümmert.
44 Termine waren binnen kurzer Zeit ausgebucht
Die «Pfotenpause» bietet Studierenden seit Oktober und noch bis Dezember 44 kostenlose halbstündige Termine mit den Hunden. Die seien binnen eines Tages ausgebucht gewesen, sagt Projektkoordinatorin Mona Ülker. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass der Kontakt mit Tieren Stress reduziere, das subjektive Wohlbefinden steigere und in belastenden Situationen emotionale Unterstützung bieten könne.

Mona Ülker ist Projektkoordinatorin bei «Healthy Campus Mainz». Sie hofft auf eine Fortsetzung des Pilotprojekts. | Jennifer Brückner/dpa
Nachdem vor einiger Zeit ein Beitrag von «Healthy Campus Mainz» in sozialen Medien zu diesem Thema binnen einer Woche auf 70.000 Klicks gekommen sei, sei die Idee mit den Hunden geboren worden. In anderen europäischen Ländern gebe es solche Angebote an einer Reihe von Hochschulen, in Deutschland sei das noch nicht so üblich, sagt Ülker. Sie verweist etwa auf die JGU-Partneruni im finnischen Jyväskylä, wo es sogenannte Care Dogs und Reading Dogs gibt, die bei Stress und Angst vor dem Sprechen vor Gruppen helfen sollen.
Von kuschelig bis lebhaft
In Mainz sind sowohl Cian als auch Juni ausgebildete Begleithunde. Das Duo sei bewusst ausgewählt worden, weil der eine - Cian - eher lebhaft sei und der andere - Juni - eher kuschelig und ruhig, erzählt Ülker. So sei für jeden Studierenden etwas dabei. Begleitet werden diese bei den Terminen von den Besitzern der Vierbeiner. Diese sind auch englischsprachig, so dass auch ausländische Studierende das Ganze nutzen können - zum Beispiel, wenn sie sich fern der Heimat einsam fühlen.
Die Besitzerin von Cian ist Nadine Golob, die in Mainz eine Hundetagesstätte hat und Hundetraining anbietet. Mit Cian besucht sie regelmäßig auch Pflegeheime. Für all solche Einsätze sei es wichtig, dass die Tiere sehr spiel- und menschenorientiert seien, sagt sie.
Die Studierenden können spontan entscheiden, ob sie ihre halbe Stunde mit dem jeweiligen Hund in einem Raum auf dem Campus verbringen wollen, ob sie mit den Vierbeinern spielen, kuscheln oder Tricks einüben wollen oder eine Runde über den Campus drehen möchten.
30 Minuten für Spaziergang, spielen oder kuscheln
Sie habe bei Terminen immer Spielsachen dabei, auch Hütchen für Parcours - und natürlich Leckerlis, sagt Golob. Letztere seien wichtig, denn Kauen, Schlucken und Schlürfen bringe die Hunde wieder runter von dem gewissen Stress, den die Termine für die Tiere mit sich brächten.

Im Landesbibliothekszentrum in Koblenz kann Zeit mit Little Joe verbracht werden. | Thomas Frey/dpa
In Rheinland-Pfalz muss man suchen, um ähnliche Angebote mit Tieren zu finden. Das Landesbibliothekszentrum hat an seinen Standorten in Koblenz und Speyer etwas Vergleichbares, nennt das «Lernpause mit Pfötchen». Gerade können Schülerinnen und Schüler, Studierende, Referendarinnen und Referendare oder andere Interessierte hier wieder 20-minütige Termine mit den Begleithunden Jacky und Little Joe buchen.
Pilotprojekt wird evaluiert
Das Mainzer Pilotprojekt soll nach den letzten Terminen im Dezember evaluiert werden. Die Studierenden füllen vor einem Termin einen Fragebogen aus und hinterher. So solle geschaut werden, ob das Ganze einen messbaren Erfolg habe, sagt Ülker. Dann soll entschieden werden, ob es mit dem vom Präsidium der Uni geförderten Projekt weitergeht.

Studentin Anika Spira (links) hat einen Termin mit Labrador Juni ergattert, einen Tag später lernt sie auch Cian mit Besitzerin Nadine Golob kennen. | Jennifer Brückner/dpa
Dass bei Studierenden Bedarf an Hilfe und Unterstützung besteht, zeigt sich auch bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS) der Uni in Mainz. Von dort heißt es, die Nachfrage nach Beratungsangeboten sei seit Jahren konstant hoch. Der häufigste Anlass, sich Rat zu suchen, seien im vergangenen Jahr depressive Verstimmungen gewesen. Auch Ängste, allgemeine Leistungsprobleme oder Überlastung spielten eine große Rolle.
«Insgesamt sind Ratsuchende der PBS in den letzten Jahren stärker belastet», berichtet die Beratungsstelle. Die Entwicklung decke sich mit Zahlen des Deutschen Studierendenwerks, denen zufolge psychische Störungen die häufigste Form chronischer gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Studierenden seien.
Auf der Suche nach Ablenkung und einer Gelegenheit, etwas runterzukommen, hat vor wenigen Tagen Anika Spira eine halbe Stunde mit einem Hund verbracht. Sie möge Tiere sehr gerne, erzählt Spira, die im sechsten Semester Erziehungswissenschaft und Publizistik studiert. Von Kommilitoninnen und Kommilitonen sei sie beneidet worden, dass sie einen Termin ergattert habe. Sie entschied sich für ausgiebiges Kuscheln mit Juni, wie sie erzählt. «Das war schon sehr schön. Und er hat das, glaube ich, auch sehr genossen.»
dpa
Bild: Cian, ein kurzhaariger ungarischer Vorstehhund, ist einer von zwei Vierbeinern an der Mainzer Uni, die Studierenden in belastenden Phasen helfen sollen. | Jennifer Brückner/dpa
Nachrichten aus der Region 56















































