
Schärfere Abwasserregeln bei Kläranlagen
Bis 2045 muss die vierte Reinigungsstufe kommen. Das betrifft zahlreiche Kläranlagen in Rheinland-Pfalz.
Mainz (dpa/lrs) -
Schärfere EU-Grenzwerte für Betreiber von Kläranlagen machen in Rheinland-Pfalz laut dem Umweltministerium Investitionen von schätzungsweise rund 600 Millionen Euro nötig. Viele Rückstände etwa von Arzneimitteln oder Pestiziden aus dem Abwasser sollen mit einer zusätzlichen vierten Reinigungsstufe von ausgewählten Kläranlagen gefiltert werden.
Bis 2045 müssten die Betreiber in die verbesserte Reinigung von Abwasser investieren. Das betrifft nach Angaben des Ministeriums 65 Kläranlagen im Land. Die Millionensumme sei eine vorläufige Schätzung.
Zahlreiche Schadstoffe, Antibiotika, Weichmacher und hormonell wirksame Substanzen könnten von den Kläranlagen bisher nur unzureichend herausgefiltert werden, erklärte die Umweltexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Lea Heidbreder. Für Grundwasser und Gewässer stellten diese Substanzen eine wachsende Belastung dar. Die vierte Reinigungsstufe trage entscheidend dazu bei, dass Trinkwasser langfristig sicherer und nachhaltiger produziert werden kann.
Schärfere Regeln
Hintergrund für die schärferen Regeln ist die neu gefasste europäische Kommunalabwasserrichtlinie (Karl). Ausschlaggebend für das Umsetzen der vierten Reinigungsstufe sind etwa Einwohnerzahlen und Schutzgebiete in der Umgebung der Kläranlagen.
Bei den drei herkömmlichen Reinigungsstufen werden zunächst Feststoffe aus dem Wasser geholt, etwa Toilettenpapier oder Essensreste. In der zweiten Stufe, der biologischen Behandlung, wird das Abwasser mit Hilfe von Bakterien und anderen Mikroorganismen von organischen Verbindungen befreit. In der dritten Stufe, der chemisch-physikalischen, geht es in erster Linie um die Entfernung von Phosphor.
Start bei sechs kommunalen Kläranlagen
Mit der vierten Reinigungsstufe sollen künftig Spurenstoffe beseitigt werden, dazu zählen unter anderem die Reste von Arzneien, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika oder Hormone. Sie gelangen vor allem mit dem Abwasser in die Kläranlagen.
«Auch wir Menschen nehmen über die Nahrungskette immer mehr dieser Schadstoffe in uns auf», erklärte Heidbreder. «Der Ausbau der Kläranlagen ist mit Blick auf die Gesundheit der Bevölkerung eine gute und notwendige Investition.»
Im Kontext von Karl werde mit der Umsetzung der vierten Reinigungsstufe auf sechs kommunalen Kläranlagen in Rheinland-Pfalz begonnen, teilte das Umweltministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion mit. Bei der Kläranlage Mainz habe der Bau bereits begonnen. In der Genehmigungs- und Planungsphase seien zudem die Kläranlagen Schwegenheim, Edenkoben, Jockgrim, Landstuhl und Untere Ahr.
dpa
Bild: Die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen soll dafür sorgen, dass Trinkwasser langfristig sicherer und nachhaltiger produziert werden kann. (Archivbild) | Hendrik Schmidt/dpa
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