Wie Obdachlosen in Rheinland-Pfalz im Winter geholfen wird

 

Wie Obdachlosen in Rheinland-Pfalz im Winter geholfen wird

Frostige Nächte, Nässe und Schnee: Die tiefen Temperaturen sind derzeit besonders herausfordernd für Menschen ohne festen Wohnsitz. Hier einige Beispiele, wo sie Hilfsangebote finden.

Mainz (dpa/lrs) -

Seit Mitte November stehen wieder drei Iglus auf der Festwiese in Neustadt an der Weinstraße. Die halbrunden Kammern bestehen aus wetterfestem Isoliermaterial und haben einen lebensrettenden Zweck: Sie sollen als Schlafplätze vor dem Erfrieren schützen. Aufgestellt hat diese Kälteiglus die Stadt in Kooperation mit der Tagesbegegnungsstätte «Lichtblick». Das Projekt wird nach Angaben eines Sprechers der Stadt inzwischen im dritten Jahr fortgeführt.

Kälteiglus als Lebensretter

Neu sind solche Kälteiglus dagegen in Kaiserslautern. Auf der Pfarrwiese der Pfarrei Hl. Martin werden sie derzeit von acht Personen genutzt. Zu den Feiertagen und aufgrund der winterlicheren Temperaturen sei die Nachfrage zuletzt gestiegen, berichtete Pfarrer Andreas Keller. Zum Schutz vor der Witterung seien zusätzlich Zelte über den insgesamt zehn Iglus aufgestellt. «Die Menschen halten sich größtenteils auch tagsüber dort auf. Die Zelte sind mit einer Beleuchtung, einem Elektro-Heißlüfter, einer Kochplatte, einem Wasserkocher und einer Biertischgarnitur ausgestattet.»

In sogenannten Kälteiglus sollen sich Obdachlose nachts vor eisigen Temperaturen schützen können.

In sogenannten Kälteiglus sollen sich Obdachlose nachts vor eisigen Temperaturen schützen können. | -/Pfarrei Hl. Martin Kaiserslautern/dpa

Niedrigschwellige Übernachtungsangebote

Saisonale Angebote wie die Kälteiglus ergänzen ganzjährige Übernachtungsmöglichkeiten in vielen Teilen von Rheinland-Pfalz. Ein Beispiel ist etwa der Mainzer «NachtRaum». Seit 2023 finden dort bis zu 30 Menschen einen Schlafplatz. Die Nutzung kostet nach einem Beschluss des Stadtrates seit vergangenem Jahr 1,60 Euro pro Tag. Wer die Gebühr nicht zahlen kann, wird einer Stadtsprecherin zufolge allerdings nicht abgewiesen, Entscheidungen über die Zahlungsfähigkeit würden im Einzelfall vor Ort getroffen. Ähnliche Not- oder Kurzzeitunterkünfte, entweder in städtischer oder karitativer Trägerschaft, finden sich etwa in Bad Kreuznach, Trier, Bingen oder Ludwigshafen.

Akute Hilfe bei Kälte

Wenn die Temperaturen sinken und es dunkel wird, rücken in einigen Städten die Kältebusse aus. Sie suchen obdachlose Menschen im Freien direkt auf und können gerade bei Minusgraden lebensrettend sein. In Koblenz sind Ehrenamtliche mit dem Bus für den städtischen Verein «Die Schachtel e.V.» unterwegs. Geladen hat er Schlafsäcke und Kleidung, eine warme Mahlzeit sowie heiße Getränke. Wer selbst nicht in der Lage sei, zu einer Notunterkunft zu kommen, den könne der Bus dorthin bringen, so der Verein. Zwischen November und März sei das Team in den Abendstunden unterwegs. Weitere Kältebusse sind etwa in Mainz und im Kreis Mainz-Bingen oder in Trier im Einsatz.

Wohnungslos ist nicht gleich obdachlos

Wie viele Menschen im Winter auf Angebote wie das der Kälteiglus oder auf Notunterkünfte angewiesen sind, ist nicht so einfach festzustellen. Unterschieden werden muss zwischen obdachlosen und wohnungslosen Menschen. Während obdachlose Personen dauerhaft auf der Straße leben, finden Wohnungslose immer wieder in vorübergehenden Übernachtungsmöglichkeiten einen Schlafplatz und können leichter statistisch erfasst werden. Zum Stichtag 31. 01. 2025 waren nach Angaben des Sozialministeriums in Rheinland-Pfalz 14.500 wohnungslose Personen untergebracht. 

Genaue Obdachlosenzahlen sind unklar 

Die Erfassung Obdachloser sei dagegen nur sehr eingeschränkt möglich. Bis vor vier Jahren habe das Statistische Landesamt über Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege Daten erfragt. Dabei seien aber zum Beispiel mit 46 obdachlosen Menschen im Jahr 2022 vermutlich nicht alle Betroffenen erfasst worden, so eine Sprecherin des Sozialministeriums. Inzwischen werde diese freiwillige Erhebung wegen der fehlenden validen Ergebnisse nicht mehr durchgeführt.

dpa

Bild: Der Winter ist für Obdachlose häufig hart. (Archivbild) | Arne Dedert/dpa

Aus der Region Koblenz immer aktuell mit TV Mittelrhein.

Datum: 07.01.2026
Rubrik: Lokales
Das könnte Sie auch interessieren