
Polizist: «Hatte meine Waffe in geschlossenem Holster»
Im Prozess um einen getöteten Polizisten sagen Kollegen aus. Warum sie per Video zugeschaltet werden und über welche neuen Details sie sprachen.
Saarbrücken (dpa) -
Eine Kernfrage im Prozess um einen getöteten Polizisten im saarländischen Völklingen ist: Wie kam der mutmaßliche Täter an die Waffe? Laut Anklage soll der 19-Jährige sie einem Kommissaranwärter aus dem Holster entrissen haben. Der junge Polizist wurde nun per Videozuschaltung im Gerichtssaal im Landgericht Saarbrücken als Zeuge befragt.
«Ich hatte meine Waffe im geschlossenen Holster», sagte der 20-Jährige. Er wisse, dass er die Pistole bei Dienstbeginn in das Holster getan und den Verschluss des Holsters geschlossen habe. «Ich gucke immer extra, dass alles zu ist», sagte er. Das sei eine Angewohnheit von ihm.
Er gehe davon aus, dass der Angeklagte ihm die Waffe «bei einem Gerangel» entwendet habe. Dieses «Gerangel» passierte, als er und sein Kollege - ein 34 Jahre alter Polizeioberkommissar - den jungen Mann nach einem Tankstellenraub festnehmen wollten.
«Ich habe dann nur noch das Knallen gehört»
Mit der Pistole soll der Angeklagte den 34 Jahre alten Polizisten dann erschossen haben. Vorher habe er ihn noch weggeschubst, sagte der Kommissaranwärter. Auch er sei von einer Kugel im Rücken getroffen worden. Er trug eine Schutzweste und war dann von einem Zeugen aus der Schusslinie gezogen worden.
Da habe er gemerkt, dass seine Waffe nicht mehr da war. Gewundert habe er sich, dass der Verschluss des Holsters weiter geschlossen war.
«Ich habe dann nur das Knallen gehört», berichtete der Polizist weiter. Dann habe er noch gesehen, wie der Täter über dem am Boden liegenden Polizeioberkommissar gestanden und mehrfach abgedrückt habe. «Er hat sich nicht mehr bewegt», sagte der 20-Jährige über seinen Kollegen.
Erneut großer Andrang im Gerichtssaal
Ein 19-Jähriger muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Saarbrücken unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Der Deutsche soll im August 2025 den 34 Jahre alten Polizeioberkommissar erschossen haben.
Auch am zweiten Prozesstag waren alle Plätze im Gerichtssaal belegt. Die Witwe des getöteten Polizisten war als Nebenklägerin anwesend. Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag eingeräumt, die tödlichen Schüsse abgeben zu haben.
«Er hat die ganze Zeit gestöhnt»
Unter Tränen berichtete eine Polizistin, wie sie aus dem Polizeiauto die letzten Schüsse des Täters auf ihren Kollegen beobachtet hat. «Er hat mindestens dreimal auf Oberkörper und Kopf geschossen», sagte die 30-Jährige. Sie sei zu ihrem Kollegen gelaufen, habe neben ihm gekniet und seine Hand gehalten.
«Ich habe ihm gesagt, dass alles gut wird», sagte sie. Da habe sie aber die ganzen Verletzungen gesehen. Sein Zustand sei immer schlechter geworden. «Er hat die ganze Zeit gestöhnt.» Sie erinnere sich, dass er noch den Namen seiner Frau gesagt habe.
Durch die Tat sei auch ihr Leben zerstört worden, sagte sie. Sie sei seitdem krankgeschrieben. Sie könne den Job so nicht mehr weitermachen.
Gefahr der Retraumatisierung
Die Kammer hatte zuvor entschieden, dass drei bei der Tat anwesende Polizisten per Video vernommen werden. Die Kammer gab Anträgen der Opferanwälte statt, dass die Zeugen nicht im Gerichtssaal erscheinen müssen. Sie wurden über Bildschirme zugeschaltet.
Es bestehe die Gefahr von schwerwiegenden gesundheitlichen Nachteilen, wenn die Zeugen den mutmaßlichen Täter sehen müssten, hieß es zur Begründung. Auch gebe es das Risiko einer Retraumatisierung.
Wie es dem jungen Anwärter heute geht? «Nicht gut. Ich kann schlecht schlafen, bin die ganze Zeit müde.» Anfangs habe er nichts essen können. Er war bis Ende Oktober krankgeschrieben und befinde sich in psychotherapeutischer Behandlung.
dpa
Bild: Am zweiten Prozesstag wurden Polizisten befragt, die zur Tatzeit am Tatort waren (Archivbild) | Laszlo Pinter/dpa
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