Warum Straftäter freiwillig DNA-Tests zustimmen

 

Warum Straftäter freiwillig DNA-Tests zustimmen

Ohne die Probe des mutmaßlichen Mörders von Amy Lopez hätte es den Durchbruch bei den Ermittlungen nach gut 30 Jahren nicht gegeben. Warum er sich selbst verraten haben könnte, sagte ein Experte.

Koblenz/Wiesbaden (dpa/lrs) -

Erst eine Anfang des Jahres freiwillig abgegebene DNA-Probe hat im Cold-Case-Fall Amy Lopez zur Verhaftung des mutmaßlichen Sexualmörders geführt. Was könnte den mehrfach vorbestraften 81-Jährigen dazu veranlasst haben, diese Probe im Januar abzugeben? Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Martin Rettenberger, schildert - unabhängig von dem konkreten Fall - mögliche Beweggründe:

Straftätern sei oft selbst nicht genau bewusst, warum sie so einer Probe freiwillig zustimmen, obwohl sie diese ins Gefängnis bringen könnte, sagte der Psychologie-Professor und Kriminologe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Manche einschlägig vorbestrafte Täter hätten einen Großteil ihrer Biografie im Zusammenhang mit ihren Delikten, mit Haft, Unterbringungen und Nachsorge verbracht, insgesamt mehr Zeit als damit, sich außerhalb dessen ein Leben aufzubauen. 

Der Kriminologe Rettenberger berichtet aufgrund seiner Erfahrung, was Täter zur freiwilligen Abgabe von DNA-Proben bewegt. (Archivfoto)

Der Kriminologe Rettenberger berichtet aufgrund seiner Erfahrung, was Täter zur freiwilligen Abgabe von DNA-Proben bewegt. (Archivfoto) | Hannes P Albert/dpa

Straftäter sind oft einsam 

Das Setting, der Umgang mit Polizei, Sozialarbeitern und Therapeuten sei ihnen dann oft so vertraut, dass sie nicht auf die Idee kämen, erst einmal einen Anwalt anzurufen oder sich Bedenkzeit auszubitten. Der soziale Druck in der Situation der Interaktion lasse sie zustimmen.

Oft lebten gerade vorbelastete Sexualstraftäter auch einsam und empfänden die Beschäftigung mit sich als positiv. 

Plötzlich schlechtes Gewissen? - Eher unwahrscheinlich

Sehr unwahrscheinlich ist es nach Einschätzung Rettenbergers, dass der Verdächtige plötzlich sein schlechtes Gewissen entdeckt, Reue empfunden und seine Entdeckung daher in Kauf genommen oder gar provoziert habe. «Dafür hätte es in den Jahren genügend andere Momente gegeben.» Meist wollten solche Straftäter keine Klärung herbeiführen, sie hätten die Tat vielmehr entweder abgespalten oder für sich Rechtfertigungsmechanismen entwickelt.

dpa

Bild: Eine freiwillig abgegebene DNA-Probe brachte die Ermittler auf den 81-Jährigen. (Archivbild) | Thomas Frey/dpa

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Datum: 01.03.2026
Rubrik: Lokales
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