
Roboter gegen Glutnester - Kampf gegen Waldbrand geht weiter
Seit Tagen läuft der Großeinsatz, noch ist kein Ende absehbar. Technik aus Niedersachsen soll nun helfen. Am Abend war zumindest klar, wann die Bewohner in den evakuierten Ort Traisen zurückdürfen.
Traisen/Rüdesheim (dpa/lrs) -
Wo es für Feuerwehrleute zu gefährlich ist, soll moderne Technik helfen: Der Waldbrand am Rotenfels im Kreis Bad Kreuznach wird mit einem Löschroboter bekämpft. Er soll gegen Glutnester in dem schwer zugänglichen, mit Munition belasteten und gesperrten Gebiet vorgehen. Der Einsatz läuft bereits seit Samstag.
Die Evakuierung des Ortes Traisen wurde aufgehoben, wie die Kreisverwaltung am Abend mitteilte. Der Brand sei dort ausgebrochen, wo die höchste Kampfmittelbelastung gewesen sei - und dort sei er auch als zuerst erloschen. Die Bewohner von Traisen und der Aussiedlerhöfe könnten zurückkehren. Weiter gesperrt blieben die Zufahrt zum Rotenfels mit den dahinterliegenden Anwesen sowie der Waldorfkindergarten. Das gesamte Waldgebiet werde als Einsatzstelle abgesperrt bleiben, weil es dort noch Glutnester gebe.
Erst Schnappatmung, dann etwas Erleichterung
Noch am Vormittag stand Heiko Keller mit anderen Bewohnern Traisens vor der Verbandsgemeindeverwaltung in Rüdesheim, ein Bus fuhr sie für kurze Zeit ins Sperrgebiet, damit sie Dinge holen können, die sie bei der eiligen Evakuierung vergessen haben. Er habe in der Nacht auf Sonntag innerhalb von 15 Minuten rausgemusst, erzählt er.

Vor der Verbandsgemeindeverwaltung stehen Anwohner aus dem geräumten Traisen. | Thomas Frey/dpa
Drumherum herrscht bei den Verantwortlichen zumindest etwas Erleichterung. Regen in der Nacht hat etwas geholfen. Die Flammen arbeiteten sich nicht - wie zwischendurch gefürchtet - bis zu einem nahen Funkturm weiter. Kurz habe man in der Nacht Schnappatmung bekommen, weil zu befürchten gewesen sei, dass das Feuer eine Kita erreiche, erklärt die Landrätin. Dazu sei es zum Glück nicht gekommen. Um das Brandgebiet geschlagene Schneisen wirkten.
Feuerwehren aus dem ganzen Land vor Ort
Es sei jedoch zu befürchten, dass durch das im Tagesverlauf wieder warme und trockene Wetter in Kombination mit Wind wieder Flammen angefacht würden, sagt der Landesbrand- und Katastrophenschutzinspekteur von Rheinland-Pfalz, Tom Riedel.

In der Nacht loderten noch Flammen in dem schwer zugänglichen Gebiet. | Kevin Schößler/dpa
Dass die Gefahr längst noch nicht gebannt ist, davon zeugen auch die vielen Feuerwehrfahrzeuge in der Gegend, sie stehen am Rande von Kreiseln, auf Feldwegen, viele auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Rüdesheim. Sie kommen aus ganz Rheinland-Pfalz, auch aus dem benachbarten Hessen kam Hilfe etwa von der Feuerwehr aus Hanau. Zu der bestanden private Kontakte. Man kannte sich von früheren Lehrgängen, wie Einsatzkräfte berichten.
Ministerpräsident schaut sich Löschroboter an
Der am Vortag angeforderte Löschroboter aus dem niedersächsischen Landkreis Vechta erreicht das Brandgebiet am Vormittag per Tieflader. Langsam wird er auf einem Weg oberhalb von Rüdesheim von diesem gezogen, unter den Augen von Ministerpräsident Gordon Schnieder.

Ministerpräsident Schnieder ist in den Landkreis Bad Kreuznach gekommen und richtet den Blick in die Zukunft. | Thomas Frey/dpa
«Wir müssen uns für die Zukunft stärker aufstellen», sagt der CDU-Politiker. Bei dem Einsatz zeigten sich exemplarisch die Herausforderungen, wenn auf einer mit Munition belasteten Fläche gelöscht werden müsse. Und es gebe in Rheinland-Pfalz mehr solcher Flächen.
Sprengplatz für Munitionsreste
Am Rotenfels sind Teile des Gebiets nach Angaben des Innenministeriums in Mainz zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Sprengplatz für Munitionsreste von deutschen oder alliierten Streitkräften gewesen. Wie viel Munition im Boden liegt, sei nicht bekannt, sagte ein Ministeriumssprecher.
Oftmals würden ehemalige Sprengplätze mit Munitionsresten erst bei Erd- und Bauarbeiten entdeckt. Eine flächendeckende Dokumentation dieser Flächen gebe es nicht. Eine Gefahr für die Bevölkerung gehe in der Regel nicht von diesen Gebieten aus, da sich die Munition tief im Boden befinde.
Wassergardine schützt den Roboter
Dass der Landkreis Vechta einen Löschroboter hat, der nun helfen soll, liegt daran, dass dort die Firma sitzt, die ihn in Kooperation mit der dortigen Feuerwehr entwickelt hat. Oliver Rasche ist Geschäftsführer und mit nach Rheinland-Pfalz gekommen. 14 Sensoren habe der Löschroboter, erklärt er, darunter auch Thermalsensoren. Bis zu einem gewissen Grad schütze er sich selbst mit einer Art Wassergardine.

Nach wie vor sind in der Gegend viele Straße gesperrt. | Thomas Frey/dpa
Löschwasser zieht der Roboter über einen auf bis zu 800 Meter ausziehbaren Schlauch aus einem Tank oder einem Wasserwerfer, gesteuert wird er aus einem Leitstand in sicherer Entfernung. Bis zu 1000 Grad könne der Roboter zumindest eine Zeitlang aushalten, erklärt Rasche.
«Müssen alle Maßnahmen ergreifen»
Das Gerät war im vergangenen Jahr beispielsweise bei einem Großeinsatz im Hamburger Hafen mit dabei, wo Lachgas explodiert war. Kleinere Exemplare sind auch in der Ukraine im Einsatz. Unterstützt werden kann der große Roboter von kleineren Satelliten, über einige von denen verfügt die Feuerwehr Hanau und hat sie ebenfalls mitgebracht.
Dem Feuer wird also mit reichlich Technik zu Leibe gerückt. «Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen», sagt Landesbrand- und Katastrophenschutzinspekteur Riedel.
dpa
Bild: Aus dem Kreis Vechta in Niedersachsen kam der Löschroboter per Tieflader. | Thomas Frey/dpa
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