
Psychologin gefragt: Gewöhnen wir uns an die Hitze?
Wie können wir mit Hitzewellen besser umgehen? Eine Psychologin erklärt, warum Anpassung im Alltag oft wichtiger ist als Hoffnung auf Gewöhnung.
Trier (dpa/lrs) -
Ist eine Hitzewelle überstanden, lässt die nächste gerade nicht lange auf sich warten. Wird es leichter – etwa mit Gewöhnung oder Lerneffekten? «Was besser wird, ist eben einerseits das Wissen, was zu tun wäre und welche Möglichkeiten es gibt», sagte die Psychologin Birgit Weinmann-Lutz. Beispielhaft nennt sie Listen über kühle Orte, die man aufsuchen kann.
Um psychisch besser durch Hitzewellen zu kommen, empfiehlt die Psychologin vor allem eine gute Vorbereitung. Das sei wichtig, um weniger hilflos beziehungsweise nicht ausgerüstet zu sein, sagte sie. Dazu gehörten konkrete Überlegungen wie die Frage, welche Hilfsmittel benötigt würden, wo kühlere Orte zu finden seien oder wie sich der Tagesablauf anpassen lasse.
Ebenso wichtig seien kognitive und emotionale Strategien: «Zu viel Panik hilft nicht, den anderen geht es auch nicht anders», sagte Weinmann-Lutz. Es sei auch interessant zu bemerken, wie viel am Ende doch schaffbar ist. Man könne auch «sich selbst und andere loben für angemessenes Verhalten».
Wiederkehrende Hitzewellen führen nach Einschätzung einer Psychologin jedoch nicht dazu, dass sich Menschen im eigentlichen Sinn an die Belastung gewöhnen. Zwar könnten Erfahrungen aus früheren Hitzephasen helfen, besser vorbereitet zu sein und geeignete Strategien zu entwickeln. Körperlich komme es dadurch aber nicht zu einer Gewöhnung.
Nicht alles ist beeinflussbar
Nicht jeder gute Rat sei hilfreich, weiß auch Weinmann-Lutz, da nicht alle Lebensumstände leicht beeinflussbar seien. Kleidung, Trinkmenge, nächtliches Lüften oder das Abdunkeln der Wohnung ließen sich meist gut anpassen. Schwieriger sei es dagegen, Tagesabläufe zu verändern oder eine ungünstige Wohnsituation auszugleichen.
Besonders belastend sei Hitze für bestimmte Gruppen. «Rein physiologisch leiden sicher ältere Personen, körperlich Vorerkrankte und Kinder am meisten», so Weinmann-Lutz. Bei psychischen Erkrankungen seien vor allem Menschen betroffen, bei denen Hilflosigkeit eine große Rolle spiele, etwa bei Depressionen oder Traumafolgestörungen.
Allerdings könne es auch gegenteilige Effekte geben: «Mitunter können solche "allgemeinen" Einschränkungen bei psychisch Kranken auch paradoxe Effekte haben und erleichternd sein», sagte die Psychologin. Also beispielsweise, wenn die Menschen mit Vermeidungsverhalten wegen Zwängen oder Ängsten denken: «Niemand kann viel machen, also "muss" ich auch nicht, ich darf ja nicht», erklärte die Psychologin.
dpa
Bild: Die Temperaturen klettern vielerorts auf mehr als 30 Grad. (Symbolbild) | Benjamin Westhoff/dpa
Alle News aus der Region auch in der TV Mittelrhein App















































