«Einfach nur beängstigend» - Langscheid kämpft gegen Brand

 

«Einfach nur beängstigend» - Langscheid kämpft gegen Brand

Vier Menschen sind bei dem Feuer verletzt worden. Und stundenlang war nicht klar, ob Ortschaften geräumt werden müssen. In der Gegend macht sich neben der Sorge aber vor allem eins breit: Solidarität.

Langscheid (dpa) -

Ein erstes vorsichtiges Aufatmen bei Feuerwehr und Anwohnern: Nachdem der große Wald- und Wiesenbrand bei Langscheid im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz die Kräfte stundenlang beschäftigt hat, ist er nach Einschätzung der Feuerwehr «weitestgehend unter Kontrolle». 

Hubschrauber kämpfen gegen das Feuer.

Hubschrauber kämpfen gegen das Feuer. | Thomas Frey/dpa

Der Kampf gegen das Feuer begann gegen 11 Uhr am Vormittag, wie der Pressesprecher des Landkreises Mayen-Koblenz sagte. Es folgten Stunden voller größter Anstrengung und Vorsicht. Zwischenzeitlich hieß es in einer Warnmeldung am Nachmittag: «Bereiten Sie sich auf eine Evakuierung der Ortschaften Langenfeld und Arft vor.» Es handelte sich zunächst um eine vorbereitende Maßnahme, teilte der Landkreis mit. «Aktuell haben wir mit der Wetterlage zu tun, beziehungsweise müssen sie beobachten, weil die Brände immer wieder drehen», sagte Kreissprecher Damian Morcinek.

Die Bewohner wurden in der vorsorglichen Warnung aufgefordert, «nur das Nötigste für 2-3 Tage außer Haus» mitzunehmen und den Anweisungen der Einsatzkräfte und des Ordnungsamtes zu folgen. Außerdem baten die Einsatzkräfte, älteren und hilfsbedürftigen Personen zu helfen sowie auf Lautsprecherdurchsagen zu achten. Die beiden von möglichen Evakuierungen betroffenen Ortschaften haben zusammen rund 900 Einwohner. 

Timo Kanzinger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Vordereifel, sagte am Abend, die Bereitschaft zur Evakuierung werde weiter aufrechterhalten. Es werde sich aber eventuell in der nächsten Besprechung ein neues Lagebild ergeben.

Verbrannter Geruch und «verschiedene Feuerfronten»

Über dem Gebiet waren auch von weiter weg Hubschrauber zu sehen und zu hören. In regelmäßigen Abständen flogen sie mit Löschbehältern über die Fläche. Die Sonne knallte und es waren kaum Wolken am Himmel. Am Abend, als die Sonne schon tiefer stand, legte sich eine Art weißer Film über die Landschaft. Die heiße und trockene Luft roch verbrannt.

Man arbeite an verschiedenen Feuerfronten, sagte Michael Hartung, stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Brohltal, am frühen Abend. Es gebe aber permanent Glutnester.

50 Hektar Brand, vier Verletzte

Nach Morcineks Angaben brannte schätzungsweise 50 Hektar Fläche. Vier Menschen wurden demnach verletzt, einer von ihnen habe Brandverletzungen erlitten. Etwa 300 Kräfte waren im Einsatz. Einer von ihnen war auch der Ortsbürgermeister von Arft, Markus Thiel. Er zeigte sich geschockt: «Es ist einfach nur beängstigend. Beängstigend – das ist die Verniedlichung von dem, was man hier sieht. Irgendwie gibt es keine Worte dafür. Nur ergreifend.»

Mit dem Feuer gehe eine massive Rauchentwicklung einher, hatte der Landkreis bereits zuvor mitgeteilt. Betroffen seien insbesondere die Bereiche Langenfeld, Hohenleimbach, Arft, Netterhöfe, Hausten und Morswiesen. Das betroffene Gebiet solle gemieden werden, hieß es. Zudem war die Bevölkerung gebeten worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten. 

Ein Anwohner aus Langenfeld, der gerade mit seinem Hund Gassi ging, fragte sich, ob alle seine Nachbarn schon geflohen seien. Er sei unsicher, ob er bleiben könne. Angst habe er jedoch nicht. Er sagte, er vertraue der Feuerwehr.

Große Hilfsbereitschaft und viele Spontanhelfer

Neben der Anstrengung und Sorge führt der Brand aber auch zu großer Hilfsbereitschaft. Über soziale Netzwerke wie Facebook meldeten sich zahlreiche Menschen und boten etwa an, wasserführende landwirtschaftliche Fahrzeuge zu organisieren, den Rettungskräften Getränke zu bringen oder sich anderweitig behilflich zu machen. Auch Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit Hunden oder für Pferde wurden angeboten. 

Die Einsatzleitung bedankte sich am Abend «bei allen Spontanhelferinnen und Spontanhelfern», die ihre Unterstützung angeboten oder vor Ort geholfen haben. Aktuell würden jedoch keine weiteren Freiwilligen vor Ort benötigt. «Die Bevölkerung wird daher gebeten, nicht eigenständig in das Einsatzgebiet zu kommen. Dies hilft den Einsatzkräften dabei, die Zufahrts- und Rettungswege freizuhalten und die laufenden Maßnahmen koordiniert durchzuführen», hieß es. Der Landrat Marko Boos und die Einsatzleitung wandten sich auch per Video an die spontanen Helferinnen und Helfer und sagten, sie hätten die Kontaktdaten notiert und würden sich bei Bedarf melden.

«Wir sind sehr dankbar für alle, die bereits mit angepackt und die Einsatzkräfte unterstützt haben. Die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung ist ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts», hieß es von der Behörde.

dpa

Bild: Es brennen etwa 50 Hektar. | Thomas Frey/dpa

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Datum: 14.08.2026
Rubrik: Lokales
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