
Alle Krankenhäuser bleiben – sieben werden zur Regioklinik
Sie sind vor allem für Alltagsnotfälle da, bieten ambulante Versorgung, aber auch bis zu 50 Betten: Regiokliniken sind neu in der Krankenhauslandschaft. Wie diese künftig aussehen soll.
Mainz (dpa/lrs) -
Alle 74 Krankenhäuser sollen bestehen bleiben und sieben von ihnen zu sogenannten Regiokliniken werden: Das sieht der Krankenhausplan für Rheinland-Pfalz auf Basis der Reform des Bundes vor, den Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) im Landtagsausschuss vorgestellt hat.
«Wir wollen alle Krankenhausstandorte in diesem Land erhalten», sagte Hoch. Jetzt folge das Anhörungsverfahren. Die Zu- und Absagen für die einzelnen Leistungsgruppen sollten dann noch im September an die Kliniken verschickt werden. Rheinland-Pfalz sei das erste Bundesland, das die Krankenhausreform mit den Leistungsgruppen umsetze, lobte Josef Winkler von den oppositionellen Grünen.
Die 61 verschiedenen Leistungsgruppen seien ein zentraler Baustein der Krankenhausreform, mit der die medizinische Versorgung in der Fläche und auch die qualitativ hochwertige Versorgung gesichert werden sollten, erläuterte Hoch. Sie beziehen sich beispielsweise auf die allgemeine Innere Medizin, Geburtshilfe, Endoprothetik von Hüfte und Knie oder Krebsoperationen.
Das Land will nicht alle beantragten Leistungsgruppen zuweisen
Die Krankenhäuser hätten insgesamt 1.325 Leistungsgruppen beantragt, sagte Hoch. Der Medizinische Dienst habe bei seinen Prüfungen rund 79 Prozent (1.065) als positiv entschieden. Das Land lehne 220 der beantragten Leistungsgruppen ab, davon 165 negativ begutachtete.
Die Einschätzung des Medizinischen Dienstes beziehe sich grundsätzlich auf die Lage im 1. Quartal 2025 und zu seinen Qualitätsanforderungen gehörten vor allem die Ausstattung mit Personal und Geräten, erläuterte der Minister.

Sieben Regiokliniken soll es ab 2027 in Rheinland-Pfalz geben. (Archivbild) | Thomas Frey/dpa
Die sieben Regiokliniken
Als Standorte für die neuen sieben Regiokliniken nannte Hoch Bernkastel-Kues, Bingen, Boppard, Bad Dürkheim, Frankenthal, Hermeskeil und Kirn. Sie sollen Anfang 2027 an den Start gehen. Früher hatte er von acht bis zehn solcher Häuser gesprochen.
«Kein Standort wird wie der andere, regionale Gegebenheiten werden immer abgebildet», erläuterte Hoch das Konzept der Regioklinik. Diese würden im Bundesgesetz als «sektorenübergreifende Versorger» geführt. Sie seien vor allem für Alltagsnotfälle wie blutende Schnittwunden oder den Sturz eines Kindes vom Baum ausgelegt, könnten aber auch bis zu 50 Betten haben.
Bei Verdacht auf Schlaganfall 112 wählen
Eine Notaufnahme können sie haben, auch rund um die Uhr besetzt sein, ein Schockraum für Schlaganfälle oder Herzinfarkte gehöre aber nicht dazu. Beim Verdacht auf so einen Notfall empfehle er ohnehin, die 112 zu wählen, betonte der Minister.

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) stellt den Krankenhausplan für Rheinland-Pfalz vor. (Symbolbild) | Marijan Murat/dpa
Extra-Millionen für Regiokliniken
Für die besonderen Bedürfnisse und Investitionen der neuen Regiokliniken seien pro Haus bis zu 2,5 Millionen Euro extra vorgesehen, sagte Hoch. Er sprach von einem «Zukunftsmodell».
Krankenhausgesellschaft sieht flächendeckende Versorgung
Die Krankenhausgesellschaft stellt fest, das Land habe eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung – insbesondere im Bereich der Geburtshilfe, der Schlaganfallversorgung und der Versorgung von Herzinfarkten – im Blick. Die bestehenden Versorgungsstrukturen blieben weitestgehend erhalten.
Patientenorganisationen unterstützen das Reformvorhaben
«Nach dem Bekanntwerden der Bescheide werden die Träger der Krankenhäuser reagieren, sodass in den nächsten Wochen mit Meldungen über Schließungen oder Umwandlungen von Krankenhäusern zu rechnen ist», heißt es in einer Mitteilung der AG der Patientenorganisationen bei der Verbraucherzentrale. «Aufgrund der Vielschichtigkeit der Neuordnung» werde sich die AG nicht zu einzelnen Trägerentscheidungen positionieren, unterstütze aber das Reformvorhaben als solches.
Es sei mit einem mehrjährigen Umbau der Krankenhauslandschaft zu rechnen, stellte die AG der Patientenorganisationen fest. Dabei werde sich zunehmend verändern, welches Krankenhaus welche Behandlung anbiete und wie weit Verbraucher dafür fahren müssten.
Bei den Regiokliniken seien zwar noch Fragen zur Finanzierung und den notwendigen Übergangsphasen offen, die Umwandlung von Krankenhäusern in ein solches Haus biete aber eine «zukunftsfähige Perspektive».
dpa
Bild: Sieben Regiokliniken sollen 2027 in Rheinland-Pfalz an den Start gehen. (Archivbild) | Harald Tittel/dpa
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