«Simma widda gut?» – Gringo Mayers Versöhnung mit Widerhaken

 

«Simma widda gut?» – Gringo Mayers Versöhnung mit Widerhaken

Der Kurpfälzer erzählt auf seinem vierten Album von Krisen und Verzeihung - und verpackt das Ganze in vielschichtigem Sound.

Ludwigshafen (dpa) -

Vorsicht, Falle: Stellenweise könnte allzu fröhlich klingen, was Rhein-Neckar-Indie-Rocker Gringo Mayer (38) auf seinem vierten Album «Simma widda gut?» veranstaltet. Denn unter den eingängigen Melodien lauert listig der Zweifel. Mit Synthieklängen, treibenden Drums und schwärmenden Gitarren erzählt der Mann mit dem Oberlippenbart und dem zurückgekämmten Haar von kleinen Katastrophen und großer Versöhnung. Dazu kommt Mayers markante Stimme, die sich durch den Dialekt arbeitet.

Rund 40 Minuten dauert die musikalische Reise. Mal treibt die Band nach vorn, mal wird es überraschend weich. Der Titelsong etwa ist eine zarte Ballade. Besonders regional verankert ist «Peng Peng»: eine Liebeserklärung an die Pfalz, die mit großer Geste daherkommt, ohne in Heimatkitsch abzugleiten.

Gepflegter Wahnsinn

Dabei streut Mayer persönliche Codewörter aus wie Wegmarken. Der kürzlich umbenannte Freizeitpark in Haßloch, die Fußballikone Walter Frosch, der kultige Klappradcup oder die bei Nachtschwärmern beliebte Tankstelle im Mannheimer Jungbusch: Wer die Namen kennt, erkennt sich wieder - wer nicht, bekommt eine Ahnung von Mayers Welt zwischen Realität und gepflegtem Wahnsinn.

«Nix okay» zeigt die andere Seite des Hit-Jägers aus der Kurpfalz: Hier wird die fröhliche Oberfläche brüchig. Und dann ist da «Es ist egal, aber» - das Tocotronic-Cover, das sich erstaunlich klar in Mayers Kosmos fügt. Aus der Hamburger Vorlage wird eine Version mit ordentlich Gitarren- und Drum-Druck.

Ein Lied zur aktuellen Lage

Am Ende bleibt die ausgestreckte Hand. «Simma widda gut?» meint eben nicht, dass alles vergessen ist. Eher: Wir haben uns gestritten, wir haben uns verrannt - aber jetzt reden wir wieder miteinander. «Eine Gesellschaft braucht den Diskurs», sagt der Wahl-Mannheimer aus Ludwigshafen. «Aber wenn man sich danach nicht die Hände reichen kann, bröckelt der Zusammenhalt.» Also ein Lied zur aktuellen Lage? «Durchaus. Aber eben nicht plakativ.»

dpa

Bild: Gringo Mayer: neuer, frischer Sound aus der Kurpfalz. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa

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Datum: 07.10.2026
Rubrik: Lokales
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