Darum ist Rasen auf Autobahnen so gefährlich

 

Darum ist Rasen auf Autobahnen so gefährlich

Ein junger Fahrer verursacht bei Tempo 200 einen schweren Unfall. Was sagt die Statistik zu Raser-Unfällen? Und was ein Experte zu Risiken - und Raser-Videos?

Mainz (dpa/lrs) -

Auf Autobahnen kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen durch Raser, die mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind. Wie am Samstagabend auf der Autobahn 61 bei Stromberg im Kreis Bad Kreuznach. Da hat ein 20-Jähriger vermutlich bei Tempo 200 einen schweren Unfall verursacht.

In einer Kurve hat er laut Polizei die Kontrolle über sein hochmotorisiertes Fahrzeug verloren und stieß mit dem Auto einer 50-Jährigen zusammen. Die Frau wurde schwer verletzt. Erlaubt war dort Tempo 130. 

Zu hohes Tempo oft Ursache für schwere Unfälle 

Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist laut Statistiken die Ursache Nummer eins für tödliche Verkehrsunfälle. 2024 traf das in Rheinland-Pfalz auf fast 30 Prozent der Unfälle mit Toten zu. Und: Jeder fünfte Unfall mit Verletzten ist laut Polizei auf nicht angepasste Geschwindigkeit und unzureichenden Sicherheitsabstand zurückzuführen.

«Diese Zahlen machen deutlich, wie schnell aus einem kurzen Moment der Unachtsamkeit eine Tragödie werden kann», sagt der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Manfred Wirsch. Besonders auf Autobahnen ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zu schnelles Fahren eine der Hauptunfallursachen. 

Warum ist Rasen so gefährlich? Und: Wer filmt so was?

Derzeit kursierten in den sozialen Medien Raser-Videos, die «ein hochgradig unverantwortliches und rücksichtsloses Verhalten» zeigten, sagte Wirsch. «Wer mit 300 km/h über unsere Autobahnen fährt, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben, sondern das Leben aller anderen Verkehrsteilnehmer. Und das alles nur, um Aufmerksamkeit und Klicks zu bekommen.»

Bei einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde liege der Bremsweg je nach Fahrzeugtyp zwischen 300 und 500 Metern, sagte Wirsch. Bei Tempo 130 betrage er rund 100 Meter. «Dieser enorme Unterschied zeigt eindrücklich, wie gefährlich Fahrten mit solch extremen Geschwindigkeiten sind.»

Bei den bekannten Fällen handele es sich überwiegend um junge Männer, die mit extremen Geschwindigkeiten von Tempo 300 und mehr unterwegs seien, andere Fahrzeuge mit großem Geschwindigkeitsunterschied überholen, ihre Fahrten filmen und in sozialen Medien verbreiteten. 

Tempolimit-Debatte

Ein generelles Tempolimit ist seit langem in der politischen Debatte. Laut ADAC sind bundesweit rund 30 Prozent des Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise tempomäßig begrenzt, hinzu kommen Baustellenbereiche. Derzeit gilt eine empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat setzt sich seit 2020 für ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen ein. Auf geeigneten und sicheren Streckenabschnitten könnten höhere Höchstgeschwindigkeiten vorgesehen werden, sagte Wirsch.

Einheitliche Tempolimits würden nicht nur die Verkehrssicherheit erhöhen, sondern auch die rechtliche Grundlage für extrem schnelle Fahrten – und deren mediale Inszenierung – entziehen.

dpa

Bild: Wer zu schnell unterwegs ist, riskiert Menschenleben. (Symbolbild) | Frank Rumpenhorst/dpa

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Datum: 27.01.2026
Rubrik: Lokales
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