Melden sich die Rheinland-Pfälzer zu viel krank?

 

Melden sich die Rheinland-Pfälzer zu viel krank?

Der Bundeskanzler kritisiert den Krankenstand im Land. Eine Krankenkasse hat sich die Zahlen angeschaut. Und macht Vorschläge, wie man sie senken könnte.

Mainz (dpa/lrs) -

Nach der Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am angeblich zu hohen Krankenstand in Deutschland hat sich die Krankenkasse DAK die Zahlen für Rheinland-Pfalz angeschaut. Das Ergebnis: DAK-versicherteBeschäftigte waren 2025 durchschnittlich an 20,8 Kalendertagenkrankgeschrieben. 

Gestiegen ist die Zahl der Krankentage im Bundesland nicht: 2024 gab es genauso viel Arbeitsausfall wie 2025. Aber die Fehlzeiten liegen in Rheinland-Pfalz etwas über dem Bundesdurchschnitt, wo DAK-versicherte Beschäftigte nur 16,6 krankheitsbedingte Fehltage pro Kopf hatten. 

Deutlich höher lagen die Fehlzeiten etwa in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Baden-Württemberg hatte bundesweit den geringsten Arbeitsausfall.

Ursache Nummer eins: die Psyche

«Ursache Nummer eins für Krankschreibungen in Rheinland-Pfalz waren
im vergangenen Jahr psychische Erkrankungen», teilte die DAK mit. Sie waren 2025 für 391 Fehltage je 100 Versicherte verantwortlich - das war ein Plus von 7,5 Prozent im Vergleich zu 2024.

Auf Platz zwei kamen Atemwegserkrankungen wie Bronchitis (389 Fehltage je
100 Versicherte). Es folgten Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen (366 Tage je 100 Versicherte). Im Gegensatz zur Entwicklung bei psychischen Erkrankungen blieben diese Zahlen stabil.

Für die aktuelle Analyse wertete das Berliner IGES Institut die Daten von rund
144.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Rheinland-Pfalz aus.

Streitpunkt telefonische Krankschreibung

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist der seiner Meinung nach zu hohe Krankenstand ein Dorn im Auge. Er sprach sich für eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung aus. CSU-Chef Markus Söder sagte, die Abschaffung sei ein wichtiger Ansatz: «Das Blaumachen muss reduziert werden.»

Dagegen sagte Rainer Lange, Leiter der DAK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz: «Für Rheinland-Pfalz brauchen wir eine umfassende Analyse der Gründe für den dauerhaft hohen Krankenstand – erst dann können wir wirksame Maßnahmen ableiten.»  

Wo kann man den Hebel ansetzen?

«Die telefonische Krankschreibung halte ich grundsätzlich für sinnvoll, weil sie gerade in Grippe- und Erkältungswellen Praxen sowie Patientinnen und Patienten spürbar entlastet. Das bestätigen auch Hausärztinnen und Hausärzte.»

Laut Auswertungen des IGES-Instituts sei zudem kein signifikanter Anstieg des Krankenstands durch die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung erkennbar. Große Chancen sieht Lange im betrieblichen Gesundheitsmanagement: «Gute Arbeitsbedingungen und eine starke Unternehmenskultur sind zentrale Hebel, um den Krankenstand zu senken», sagte der Landeschef.

dpa

Bild: Verleitet die telefonische Krankschreibung zum Blaumachen? (Archivbild) | Hannes P Albert/dpa

Berichterstattung regional und aktuell aus Koblenz und der Region Mittelrhein.

Datum: 27.01.2026
Rubrik: Lokales
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