20 Abgeordnete scheiden aus - Schreiner ist Dienstältester

 

20 Abgeordnete scheiden aus - Schreiner ist Dienstältester

Für 20 Abgeordnete ist klar: Die letzte Landtagssitzung in ihrem politischen Leben ist nicht mehr fern. Sie treten nicht mehr zur Wahl an - einige nach Jahrzehnten. Wie fühlt sich das an?

Mainz (dpa/lrs) -

«Es fühlt sich gut an», sagt Roger Lewentz über seinen Abschied aus der Landespolitik. «Das waren 35 extrem spannende und aufregende Jahre - natürlich mit Höhen und Tiefen.» Für ihn beginne jetzt im Familienleben eine neue Etappe, auf die er sich freue, sagt der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Im Kopf sei es ja schon lange klar, dass der Tag des Abschieds vom Parlament jetzt komme. «Ich konnte mich darauf einstellen.»

Lewentz war lange das Gesicht der SPD-Regierungen in Rheinland-Pfalz und ist über das Bundesland hinaus der bekannteste Abgeordnete, der nun nicht mehr antritt. Dienstältester Abgeordnete, der mit dieser Wahlperiode aus dem Landtag ausscheidet, ist aber laut Landtag Gerd Schreiner von der CDU. Unter den insgesamt 20 Abgeordneten, die dem Deutschhaus am Rhein den Rücken kehren, sind auch der Grüne Bernhard Braun und die Liberale Cornelia Willius-Senzer, die jahrzehntelang das Geschehen im Landtag mitbestimmt haben. 

Roger Lewentz verlässt die politische Bühne in Mainz nach rund 35 Jahren. (Archivbild)

Roger Lewentz verlässt die politische Bühne in Mainz nach rund 35 Jahren. (Archivbild) | Hannes P. Albert/dpa

Zusammen mit Regierungschef Rudolf Scharping zog Lewentz 1991 in die Mainzer Staatskanzlei ein. 1994 wurde er erstmals Abgeordneter, als B-Kandidat für Scharping, danach holte er sechsmal seinen Wahlkreis Koblenz/Lahnstein direkt, legte das Mandat aber einmal ab, als er 2006 Staatssekretär wurde. 

Er war auch stellvertretender Fraktionschef, Generalsekretär und zwölf Jahre Parteichef. Elf Jahre stand er an der Spitze des Innenministeriums, bis er im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Flutkatastrophe im Oktober 2022 zurücktrat. Seither saß er als Abgeordneter in der zweiten Reihe im Deutschhaus.

Der 62-Jährige blickt auf fast 47 Jahre Berufstätigkeit zurück, wie er sagt. Ganz Schluss ist für ihn aber mit der Politik nicht: Er sitzt im Kreistag - von Listenplatz 10 auf 1 gewählt - und ist SPD-Vorsitzender in seinem Heimatort Kamp-Bornhofen, wo er auch zwölf Jahre Ortsbürgermeister war. Auf Landesebene engagiert er sich weiterhin für die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und dem ostafrikanischen Ruanda. 

Gerd Schreiner will wieder in seinem Beruf als Architekt arbeiten. (Archivbild)

Gerd Schreiner will wieder in seinem Beruf als Architekt arbeiten. (Archivbild) | Sebastian Gollnow/dpa

Schreiner kehrt in seinen Beruf zurück

Gerd Schreiner (56) verlässt nach fast 30 Jahren den Landtag und kehrt in seinen Beruf als Architekt zurück. «Das fühlt sich gut an, es war ja meine Entscheidung und ich weiß, was für ein Glück ich gehabt habe», sagt der ehemalige CDU-Generalsekretär der dpa. «Es ist ein Riesensegen, wenn man so viele Jahre Politik machen kann.» 

Seit den 90er Jahren sage er aber immer, dass Landtagsabgeordneter ein Amt auf Zeit sei und das gelte jetzt auch für ihn. «Ich wollte das bewusst in einem Alter machen, in dem ich noch etwas Neues anfangen kann.» Schreiner ist auch Vater von vier Kindern im Alter von 5 bis 18 Jahren. «Da müssen Papa und Mama noch eine Weile Geld verdienen.» 

Er werde eine Art Architektur-Studienjahr einlegen und sich wieder mehr und mehr seinem Beruf zuwenden, sagte Schreiner. «Architekt sein, ist der schönste Beruf der Welt. Und Landtagsabgeordneter das schönste Amt der Welt.» 

Für den Grünen Bernhard Braun war Landespolitik Heimat und Lebensinhalt. (Archivbild)

Für den Grünen Bernhard Braun war Landespolitik Heimat und Lebensinhalt. (Archivbild) | Sebastian Gollnow/dpa

Bernhard Braun interessiert sich weiter für Landesgeschichte

Bernhard Braun (67) beeindruckte vor allem als Fraktionsvorsitzender der Grünen (2016 bis 2023) immer wieder mit rhetorischem Talent am Rednerpult. Der Politiker aus Ludwigshafen mit den markanten fast schulterlangen Haaren geht nach rund 15 Jahren mit «einem lachenden und einem weinenden Auge», wie er sagt. «Die Landespolitik in Rheinland-Pfalz war Heimat und Lebensinhalt.» Aber: «Auch Abstand zu gewinnen und andere Dinge tun können ist eine wunderbare Perspektive.»

Als Mitglied der historischen Kommission würde er gerne weiter an der Darstellung der Landesgeschichte arbeiten. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel «Die Utopie des Geistes» hat er sich 1991 mit der politischen Theorie des Schriftstellers und politischen Philosophen Gustav Landauer befasst. «Zuerst einmal heißt es aber Abstand gewinnen. Sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeiten gibt es ja immer.»

 

CWS scheidet dankbar aus dem Landtag aus. (Archivbild)

CWS scheidet dankbar aus dem Landtag aus. (Archivbild) | Arne Dedert/dpa POOL/dpa

CWS: «Es war ein permanentes Lernen für mich»

Cornelia Willius-Senzer hört nach zehn Jahren im Parlament mit 82 Jahren auf. Die temperamentvolle Liberale aus Mainz beeindruckte mit so mancher Rede - vor allem zu den Themen Demokratie und Jugend - und von 2017 bis 2021 auch als Fraktionsvorsitzende. 

Die ausgebildete Tanzlehrerin ist «sehr dankbar für die vielen Begegnungen mit Menschen und ihren zahlreichen Themen. Es war ein permanentes Lernen für mich». Willius-Senzer, kurz CWS, sagte der dpa auch: «Nach zehn Jahren wird mein Kalender wieder übersichtlicher sein und ich kann mich selbst mehr fokussieren.»

Ihr Highlight in all den Jahren: «Die über Fraktionen und Parteien hinausreichende Suche nach guten Lösungen, die nach vielen Gesprächen mit Hilfe unzähliger Kompromisse gefunden wurden.» Besonders schlimm fand sie in all den Jahren «das Scheitern der weitgehend vorbereiteten Internationalen Schule in Mainz in letzter Minute». 

 Außerdem hören auf:

  • Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne/69) war seit 2011 Abgeordnete, Verkehrspolitik war einer ihrer Schwerpunkte
  • Historiker Alexander Fuhr (SPD/57) gehörte dem Landtag seit 2001 an
  • Horst Gies (CDU/65) aus Ahrweiler war seit 2011 im Landtag und hat bei der Flutkatastrophe im Ahrtal schwere Stunden durchlebt
  • Martin Haller (SPD/42) gehörte dem Landtag seit 2006 an. Für seine Leitung des Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe an der Ahr bekam er fraktionsübergreifend hohe Anerkennung. Der Untersuchungsausschuss sei für ihn weitaus emotionaler gewesen als der Abschied vom Landtag, sagt Haller. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion übernimmt Ende April das Amt des Bürger- und Polizeibeauftragten von Rheinland-Pfalz
  • Michael Hüttner (SPD/66) hört nach rund 20 Jahren auf
  • Hans Jürgen Noss (SPD/73) war seit 2003 im Landtag
  • Lothar Rommelfanger (SPD/68) zog erstmals 2016 in den Landtag ein
  • Christoph Spies (SPD/40) sitzt seit 2019 im Deutschhaus
  • Peter Stuhlfauth (AfD/64) gehörte dem Landtag seit 2021 an
  • Michael Wäschenbach (CDU/71) wurde erstmals 2012 in den Landtag gewählt
  • Thomas Wansch (SPD/65) war seit 2006 Abgeordneter

und von den Fraktionslosen

  • Bernhard Alscher (ehemals Freie Wähler) rückte 2024 für den ins Europaparlament gewechselten Joachim Streit nach. Alscher wurde nach den parteiinternen Querelen, die zum Ende der Fraktion führten, aus der Partei ausgeschlossen
  • Herbert Drumm (ehemals Freie Wähler/77) war eine Wahlperiode dabei, er darf vier Jahre lang keine Parteiämter mehr übernehmen
  • Michael Frisch (ehemals AfD/68) gehörte dem Landtag wie die beiden anderen ehemaligen AfD-Mitglieder Matthias Joa und Martin Louis Schmidt seit 2016 an. Alle drei treten nicht mehr an. 

Frisch appelliert an die Bürger, sich zu Wort zu melden

Ex-AfD-Chef Michael Frisch: «Ich bleibe ein politischer Mensch.» (Archivbild)

Ex-AfD-Chef Michael Frisch: «Ich bleibe ein politischer Mensch.» (Archivbild) | Arne Dedert/dpa

Der ehemalige Lehrer Frisch schloss sich dem von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry gegründeten Verein «Team Freiheit» an. Eine damit beabsichtigte Kandidatur für die Landtagswahl klappte nicht. «Auch wenn meine Zeit auf der großen politischen Bühne zu Ende geht, werde ich weiterhin ein politischer Mensch bleiben», sagte der 68-Jährige. «Angesichts der aktuellen Probleme unseres Landes sehe ich mehr denn je die Pflicht aller Bürger, sich zu Wort zu melden, auch aus Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln.» Seine kommunalpolitische Arbeit in Trier will er fortsetzen.

dpa

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Datum: 28.01.2026
Rubrik: Lokales
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