
So unterschiedlich sind die Preise für Immobilien
Es gibt zu wenig Neubauten. Dazu kommen immer mehr alte Wohnungen und Häuser der Babyboomer-Generation auf den Immobilienmarkt. Was das für die Immobilienpreise bedeutet.
Mainz (dpa/lrs) -
Auf dem angespannten Immobilienmarkt in Rheinland-Pfalz gibt es keine Anzeichen für eine Trendwende. Die Preise für den Kauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen bleiben nach Angaben des Immobilienverband IVD West seit einem Jahr nahezu unverändert. Das sind die Gründe:
Wie ist die Situation bei Neubauten?
Als Hauptursache für die geringe Dynamik auf dem Markt für Wohnimmobilien nennt der Vize-Verbandsvorsitzende Andreas Schnellting den quasi Stillstand beim Neubau. Ältere Bestandsimmobilien seien in größerer Zahl auf dem Markt. Dazu komme die große Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung wegen der vielen weltweiten Konflikte und Kriege. Das führe dazu, dass sich die Vermarktungsphasen für die Immobilien spürbar verlängern.
Wird in Rheinland-Pfalz wirklich zu wenig gebaut?
2.822 neue Wohngebäude wurden im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz fertiggestellt. Das waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes 29 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In diesen Gebäuden entstanden 7.126 neue Wohnungen. Das entspricht einem Rückgang um 22 Prozent zum Vorjahr.
Knapp drei Viertel der neu errichteten Wohngebäude waren Einfamilienhäuser, das verbleibende Viertel teilen sich Zwei- und Mehrfamilienhäuser zu etwa gleichen Teilen. Die Zahl der neuen Einfamilienhäuser sank im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent. Bei den Zweifamilienhäusern lag der Rückgang bei 27 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern sank die Zahl der neu errichteten Wohnungen um 15 Prozent.
Sind die Baugenehmigungen ein Nadelöhr?
Das ist anzunehmen. Im ersten Quartal wurden in Rheinland-Pfalz 7,5 Prozent weniger Genehmigungen für Wohnungen in neuen Wohngebäuden erteilt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes meldeten die Baubehörden die Genehmigung von 888 neuen Gebäuden mit insgesamt 2.252 Wohnungen.

Die Zahl der Baugenehmigungen und der neuen Wohngebäude geht zurück. (Symbolfoto) | Sebastian Gollnow/dpa
Knapp 63 Prozent der genehmigten neuen Wohnungen sollen in Mehrfamilienhäusern entstehen, zehn Prozent in Zweifamilienhäusern und 27 Prozent in Einfamilienhäusern. Die Zahl der Genehmigungen für neue Einfamilienhäuser sank um 1,7 Prozent auf 618, die der Wohnungen in Zweifamilienhäusern um 2,6 Prozent auf 222. In Mehrfamilienhäusern sollen 1.412 neue Wohnungen entstehen, 10,5 Prozent weniger als im ersten Quartal 2025.
Wie wirkt sich das auf den Immobilienmarkt in Rheinland-Pfalz aus?
Die Kaufpreise für Einfamilienhäuser sind im landesweiten Durchschnitt zwar nahezu unverändert geblieben, es gibt aber einige regionale und lokale Unterschiede. In Rheinhessen und den Universitätsstädten Mainz und Trier waren die Preise laut IVD zwar leicht im Plus, in der Pfalz und besonders im Hunsrück und in der Eifel war hingegen Stillstand oder sogar ein Preisrückgang zu beobachten.
Die Eigenheimpreise stiegen demnach etwa in Worms (vier Prozent), Bodenheim (drei Prozent) und Andernach (ein Prozent). In Ludwigshafen, Zweibrücken und in Nierstein sanken die Verkaufspreise dagegen alle um zwei Prozent.
Bei den Eigentumswohnungen ist die Lage uneinheitlicher. Bei Bestands-Wohnungen in Kommunen wie Ingelheim, Kaiserslautern oder Oppenheim waren laut IVD Preissteigerungen um vier Prozent zu verzeichnen. In Gönnheim, Ludwigshafen oder Bad Kreuznach hätten die Preise nachgegeben.
Wie ist die Preisentwicklung bei Neubauten?
Die wenigen neu gebauten Wohnungen in Rheinland-Pfalz wurden nach dem IVD-Preisspiegel durchweg teurer verkauft. In Wörrstadt hätten sich die Preise im Bestand kaum verändert. Die Neubaupreise seien dagegen um mehr als zehn Prozent nach oben gegangen.
In sehr guten Lagen von Mainz würden pro Quadratmeter inzwischen mehr als 6.000 Euro gefordert und bezahlt. Auf den weiteren Plätzen folgen Ingelheim (5.700 Euro) und Speyer (5.300 Euro). Die günstigste Neubauwohnung sei in den vergangenen Monaten in Rengsdorf für 1.200 Euro pro Quadratmeter verkauft worden.
Wie bewerten Wirtschaftsforschungsinstitute den Wohnungsmarkt?
Prekär. Nach Einschätzung des Pestel-Instituts haben bereits Ende 2024 rund 133.000 Wohnungen in Rheinland-Pfalz gefehlt. Den Gesamtbedarf im Bundesland bis zum Jahr 2030 schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut bei einer steigenden Zahl von Haushalten auf bis zu 200.000 neue Wohnungen. Dafür müssten Jahr für Jahr etwa 33.300 Wohnungen neu gebaut werden.
Wie schätzt der Eigentümerverband Haus und Grund die Lage ein?
Der Grundsatz «Lage, Lage, Lage» sei unverändert der wichtigste Faktor für die Preisentwicklung bei Kaufpreisen und Mieten, erklärt Verbandsdirektor Ralf Schönfeld. Allerdings habe die Bedeutung des energetischen Zustands inzwischen erhebliche Auswirkungen auf die Preise von Bestandsimmobilien.

Es gibt zu wenig Neubauten für Wohnungen und Häuser, berichtet der Immobilienverband IVD. (Symbolfoto) | Oliver Berg/dpa
Verkäufer müssten in schlechteren ländlichen Regionen mit erheblichen Preisabschlägen rechnen, da Käufer die Kosten für eine zeitgemäße energetische Sanierung in Abzug bringen wollen. In besonders gefragten städtischen Lagen sei der Einfluss des energetischen Zustands dagegen geringer.
Nach Einschätzung des Eigentümerverbands kommen in den nächsten Jahren verstärkt Wohnungen und Häuser der Babyboomer-Generation auf den Immobilienmarkt. Rheinland-Pfalz sei zwar nicht so gravierend von der Entwicklung betroffen wie viele ostdeutsche Bundesländer. Insgesamt werde in ländlichen Regionen mit schlechter Infrastruktur und vielen älteren Immobilien eher mit einer Verschlechterung der Situation gerechnet.
dpa
Bild: Die Lage entscheidet oft über den Preis der Immobilie. (Symbolfoto) | Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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