Zwischen Ramstein und Riesling - Trump lässt auf sich warten

 

Zwischen Ramstein und Riesling - Trump lässt auf sich warten

Die Wurzeln des US-Präsidenten liegen in Rheinland-Pfalz. Ein möglicher Besuch dort wäre weit mehr als Ahnenforschung - er wäre auch ein Signal für die Zukunft der transatlantischen Beziehungen.

Ramstein (dpa/lrs) -

Kommt er? Auch zum 80. Geburtstag von Donald Trump am Sonntag (14.6.) bleibt die Frage nach einem möglichen Besuch in Rheinland-Pfalz. Erst vor kurzem hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Einladung an den US-Präsidenten bekräftigt und Bad Dürkheim vorgeschlagen. Trumps Vorfahren stammen aus einem Ort in der Nähe, aus Kallstadt.

Bad Dürkheim hat aktuell keine konkreten Hinweise auf einen solchen Besuch. Der Stadt lägen weder Anfragen noch Informationen vor, teilte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mit. Konkret hatte Merz den Dürkheimer Wurstmarkt erwähnt, ein Volksfest mit mehr als einer halben Million Besucher.

Ein Präsident auf dem Rummelplatz?

Die Stadt reagiert zurückhaltend. Der Besuch einer solchen Großveranstaltung wäre mit erheblichen organisatorischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen verbunden, betont die Sprecherin. «Ohne konkrete Planungen lässt sich dies derzeit nicht seriös einschätzen.»

Der Wurstmarkt gilt als weltgrößtes Weinfest. (Archivbild)

Der Wurstmarkt gilt als weltgrößtes Weinfest. (Archivbild) | Uwe Anspach/dpa

Im nahen Kallstadt nimmt man die Spekulationen gelassen. Der Ort mit Weinbergen, Winzerhöfen und knapp mehr als 1.000 Einwohnern hat gelernt, mit seiner Verbindung zum US-Präsidenten zu leben.

«Er könnte gelebte Freundschaft sehen»

Doch wer aus Washington nach Rheinland-Pfalz blickt, sieht keine Weinreben. Er sieht Ramstein. Die Air Base gilt als wichtigste US-Luftwaffenbasis außerhalb der USA. Auch deshalb wäre ein Besuch von Trump weit mehr als eine sentimentale Reise auf den Spuren seiner Vorfahren. Er hätte eine sicherheitspolitische Dimension.

Die Beziehungen zwischen den USA und Europa befinden sich in einer Phase neuer Unsicherheit. Spekulationen über Truppenreduzierungen sorgen in Rheinland-Pfalz für besondere Aufmerksamkeit. Wohl kaum ein anderes Bundesland wäre davon stärker betroffen.

Bürgermeister Hechler lobt das Zusammenleben in Ramstein. (Archivbild)

Bürgermeister Hechler lobt das Zusammenleben in Ramstein. (Archivbild) | Laszlo Pinter/dpa

Erst vor wenigen Tagen fand im Ort Ramstein neben der Air Base ein deutsch-amerikanisches Fest statt, mit US-Soldaten und ihren Familien. «Das zeigt die Normalität», sagt Bürgermeister Ralf Hechler (CDU). Die Bevölkerung möge «die Amis», und diese Verbundenheit bringe Trump nur bedingt ins Wanken. «Aber sein Ton gefällt den meisten nicht», meint Hechler. «Bei einem Besuch könnte er sehen, wie gelebte Freundschaft aussieht.»

Truppen hin, Truppen her

Ein möglicher Besuch wäre nach Einschätzung des Verteidigungsexperten Ralph Thiele weit mehr als ein regionales Ereignis. «Ein solcher Besuch könnte als Bekenntnis zur transatlantischen Sicherheitsarchitektur und zur weiteren Nutzung der Standorte in Deutschland interpretiert werden.» Er wäre ein Hinweis, dass Rheinland-Pfalz das Herz der US-Präsenz in Europa bleibe.

Das Bundesland nehme innerhalb der transatlantischen Sicherheitsarchitektur eine Schlüsselstellung ein, betont Thiele, Oberst a.D.. Trump könnte einen Besuch aber auch nutzen, um Truppenreduzierungen anzukündigen oder eine Verlagerung von US-Ressourcen in den Indopazifik zu signalisieren. Davon unabhängig sei zu erwarten, dass Trump Deutschland und die europäischen Verbündeten zu größeren Verteidigungsanstrengungen auffordere.

Ramstein gilt als das wichtigste US-Drehkreuz in Europa. (Archivbild)

Ramstein gilt als das wichtigste US-Drehkreuz in Europa. (Archivbild) | Boris Roessler/dpa

Gleichwohl würde ein Besuch die Bedeutung von Rheinland-Pfalz als Bindeglied zwischen den USA, Deutschland und der Nato unterstreichen - auch ohne konkrete Aussagen. «Trumps Anwesenheit könnte als Signal zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen verstanden werden - mit möglichen Botschaften zur US-Militärpräsenz in Europa, zur Rolle der Nato und zur Unterstützung der Ukraine», sagt Thiele in Andernach.

Proteste nicht ausgeschlossen

Auch nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers David Sirakov würde ein Besuch die Dialogbereitschaft zwischen Berlin und Washington unterstreichen. Dies gelte auch vor dem Hintergrund jüngster Differenzen. Die Wahl von Rheinland-Pfalz würde zugleich die Bedeutung des transatlantischen Bündnisses hervorheben. Mitunter sei aber auch mit Protesten zu rechnen.

In den USA dürfte ein solcher Besuch als freundliche und stark personalisierte Geste wahrgenommen werden, sagt der Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz. Dabei könnte Trumps Familiengeschichte und seine Verbindung zu Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Die Botschaft aus Berlin könne lauten, dass Deutschland ein verlässlicher Partner bleiben wolle, zugleich aber einem isolierten Kurs der USA kritisch gegenüberstehe.

In Weilerbach werden 4.860 Räume im US-Krankenhaus zur Verfügung stehen. (Archivbild)

In Weilerbach werden 4.860 Räume im US-Krankenhaus zur Verfügung stehen. (Archivbild) | Boris Roessler/dpa

Sirakov, der kürzlich in den USA war, beobachtet dort einen schärferen Ton im transatlantischen Verhältnis. Die Differenzen lägen offener auf dem Tisch als früher. Zugleich gebe es in Washington weiter klare Bekenntnisse zur Nato und zur Partnerschaft mit Europa. Das Verhältnis sei belastet, aber nicht beendet.

Ein Sterne-General in Mainz

Rheinland-Pfalz bemüht sich um Nähe. Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) empfing vor wenigen Tagen US-General Jason T. Hinds, ranghöchster Kommandeur der US Air Forces in Europa. Gesprochen wurde über die Beziehungen, von einem möglichen Trump-Besuch wurde nichts bekannt.

Vielleicht kommt der Präsident ja eines Tages nach Bad Dürkheim. Oder nach Weilerbach? Dort entsteht nahe Ramstein eine US-Klinik der Superlative für 1,83 Milliarden US-Dollar. Kann sein, dass sich Trump einmal ein Bild der investierten Summe machen will.

dpa

Bild: Die Ramstein Air Base wurde 1953 in Betrieb genommen. (Archivbild) | Frank May/dpa

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Datum: 11.06.2026
Rubrik: Lokales
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