Roulette: Ein Spieltisch für Erwachsene

 

Roulette: Ein Spieltisch für Erwachsene

200 Euro Verlust im Schnitt, doch der Nervenkitzel bleibt: Welche Faszination hat der Roulette-Tisch – und was rät der Chef beim Zocken?

Mainz (dpa/lrs) -

Die kleine weiße Kugel saust durch den Kessel. Klackernd, von kleinen silbernen Widerständen gebremst, sucht sie sich ihren Platz auf einem der 37 Felder. «Nichts geht mehr.» Trotz vielfältiger Angebote beim Automatenspiel und im Internet: Der Nervenkitzel und das besondere Ambiente an Roulette-Tischen locken noch immer spielfreudige Menschen an. 

Die Spielbank Mainz hat für das klassische Spiel zwei Roulette- und zwei Black-Jack-Tische in einem extra abgetrennten Flügel. Hier darf nicht geraucht werden. Bei der Kleiderordnung sind die Mainzer grundsätzlich tolerant - selbst T-Shirt, kurze Hosen und Turnschuhe werden bei dem heißen Sommerwetter mittlerweile erlaubt. Die Gäste an den Spieltischen legten aber selbst mehr Wert auf ein entsprechendes Ambiente, sagt Geschäftsführer Christian Kreyer, der mit 18 Jahren als Croupier angefangen hat. 

Flinke Hände und wache Augen

An den 2,60 mal 1,20 Meter großen Roulette-Tischen mit grünem Velours-Überzug, schwarzem gepolstertem Rand und Mahagoni-Kessel mit den 36 Zahlen plus der Null stehen sieben Stehhocker. Ein Croupier mit flinken Händen und wachen Augen leitet und überwacht das Spiel. Dazu gibt es eine elektronische Anzeige für die Gäste über den Ausgang des Spiels und die Gewinnkombinationen der vorherigen Spiele. American Roulette wird gespielt, nicht das französische Roulette mit vier Croupiers, größeren Tischen und Sitzplätzen. 

Einen Anteil von nur noch rund fünf bis zehn Prozent nimmt das klassische Spiel an den Roulette-, Black-Jack- und Poker-Tischen am Geschäft der Spielbanken ein. Sonst dominiert mittlerweile das Automatenspiel. Vielfältiger, mit immer neuen Angeboten, bunter, mit akustischen Reizen und einem geringen Einsatz lockten diese Spiele vor allem Jüngere, berichtet Geschäftsführer Kreyer. 

Geringer Mindesteinsatz 

Mit einem Mindesteinsatz von 10 Cent bis maximal 50 Euro können Erwachsene ab 18 Jahren, die sich für den Eintritt in der Spielbank mit ihrem Ausweis mit Namen und Anschrift registrieren lassen müssen, an den Automaten starten. Beim Roulette geht es ab zwei Euro los bis zum maximalen Einsatz von 7.000 Euro pro Spiel.

Eintritt in Spielbanken ist nur ab 18 Jahren sowie Vorlage eines Ausweises mit Namen und Adresse möglich.

Eintritt in Spielbanken ist nur ab 18 Jahren sowie Vorlage eines Ausweises mit Namen und Adresse möglich. | Andreas Arnold/dpa

Alle Spielgeräte werden nach Angaben des Geschäftsführers täglich von der Glücksspielaufsicht kontrolliert. Die Mitarbeitenden seien geschult, um auf auffälliges Verhalten der Gäste zu reagieren. «Wenn jemand fünfmal am Abend zum Geldautomaten geht oder immer emotionaler bei verlorenen Spielen reagiert, dann wird die Person angesprochen.» Dass Glücksspiel süchtig machen kann, wird nicht tabuisiert. 

200 Euro durchschnittlicher Verlust pro Gast

Rund 160.000 Gäste pro Jahr kommen zur Spielbank Mainz, die noch zwei Außenstellen in Bad Ems und Trier hat. In Rheinland-Pfalz gibt es daneben noch die Spielbank Bad Neuenahr, die weitere Standorte in Bad Dürkheim sowie am Nürburgring hat. Das Unternehmen ist zudem Hauptgesellschafter bei der Mainzer Spielbank. Der Umsatz über alle sechs Standorte betrug im vergangenen Jahr etwa 95 Millionen Euro. 

Hasardeure mit größeren Geldbeträgen

Auch die Gesellschaft aus Bad Neuenahr habe einen anhaltenden und deutlichen Aufschwung nach der Corona-Zeit mit vielen Auflagen erlebt, erzählt Geschäftsführer Michael Seegert. «Es gibt den Gast, der mit 10.000 Euro zu uns kommt. Aber dann gibt es eben auch viele, die mit 50 Euro kommen.» Nach seiner Einschätzung liegt der durchschnittliche Verlust pro Gast über alle Spielformen bei rund 200 Euro. 

«Es gibt zwar auch Hasardeure, die kommen mit größeren Geldbeträgen, machen drei Spiele und entweder gewinnen sie und gehen wieder oder haben es verloren», berichtet Seegert. «Aber das ist die absolute Ausnahme - die gab es früher häufiger.» Die meisten Gäste kämen mit einem gewissen Budget. «Und wenn sie das verspielt haben, dann sind sie wieder weg. Oder sie freuen sich, wenn sie mit mehr rausgehen, als sie reingegangen sind.» 

Mehr Männer, mehr junges Publikum

Die Verweildauer der Gäste liege oft zwischen einer und drei Stunden. Der überwiegende Teil der Spielbankbesucher mit etwa 65 Prozent sei männlich. Der Anteil jüngerer Gäste im Alter zwischen 25 und 40 Jahren nehme stark zu. Diese Gruppe schaue gerade am Wochenende auch mal bei Roulette-Tischen vorbei, gehe aber oftmals wieder herüber an die Automaten.

Der Geschäftsführer der Mainzer Spielbank, Christian Kreyer, spielt auch selbst gern an Automaten und Spieltischen.

Der Geschäftsführer der Mainzer Spielbank, Christian Kreyer, spielt auch selbst gern an Automaten und Spieltischen. | Andreas Arnold/dpa

Sechs Spielbankstandorte in Rheinland-Pfalz

Die Spielbanken in Rheinland-Pfalz mit ihren sechs Standorten werden anders als in anderen Bundesländern nicht staatlich, sondern von privaten Unternehmen betrieben. Das Landesinnenministerium ist für die Spielbanken die zuständige Glücksspielaufsichtsbehörde. 

Bei der Aufsicht geht es unter anderem um die Gewährleistung des Jugend- und Spielerschutzes. So müssen die Spielbanken sicherstellen, dass Minderjährige und gesperrte Spielerinnen und Spieler keinen Zugang zu den Spielbanken erhalten.

Kann ein System die Spielbank knacken? Nein

Nicht überwachen kann die Glücksspielaufsicht, mit wie viel Geld oder leeren Kassen die Kunden nach Hause gehen: «Weder nach einem System, dem Wasserstand des Rheins, einer Mondphase noch einem Rechenmodell lässt sich das errechnen», sagt der Mainzer Spielbank-Geschäftsführer Kreyer, der selbst gern mal und auch im Urlaub an Automaten in anderen Häusern zockt. «Über meine Gewinne und Verluste möchte ich nicht reden. Ein grundsätzlicher Rat ist aber: Nehmen Sie nur mit, was Sie sich leisten können, am besten in bar.»

dpa

Bild: Es gibt sechs Spielbankstandorte in Rheinland-Pfalz. | Andreas Arnold/dpa

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Datum: 08.07.2026
Rubrik: Lokales
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