
Barke sieht Milliarden-Chancen für junge Saarländer
Junge Menschen haben nach Ansicht von Wirtschaftsminister Jürgen Barke gute Gründe, im Saarland zu bleiben. Warum er an eine positive Zukunft glaubt - und warum es trotzdem manchmal «Verdruss» gebe.
Saarbrücken (dpa/lrs) -
Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) sieht «gute Chancen, im Strukturwandel Zukunft gewinnen» zu können. Allein in den nächsten fünf Jahren könnten Sonderinvestitionen in einem Gesamtumfang von zehn Milliarden Euro erreicht werden. Aus seiner Sicht sei dies «auch eine Botschaft an die jungen Menschen in diesem Land, ihre Perspektiven in diesem Land zu suchen, weil sie werden von Jahr zu Jahr deutlich besser werden».
Beim Sommergespräch mit Journalisten präsentierte Barke einen Überblick mit einem Dutzend «Leit- und Zukunftsinvestitionen» im Land: darunter den wachsenden Rüstungsstandort KNDS in Nonnweiler mit 90 Millionen Euro Invest und 500 neuen Arbeitsplätzen, das Logistikzentrum von Fricke (120 Millionen Euro, 200 Arbeitsplätze), Diehl Defence in Freisen (500 Millionen Euro und «hunderte neue Arbeitsplätze»), das Pharma-Unternehmen Vetter in Saarlouis (800 Millionen Euro, bis zu 2.000 Arbeitsplätze) oder den Weltmarktführer Viega (Sanitär- und Heizungstechnik) in Kirkel (150 Arbeitsplätze).
Forschung, Wasserstoff, Tourismus und Grüner Stahl
Große Chancen sieht Barke zudem in Spitzenforschung und Startup-Förderung, dem Solarpark Linsler Hof, einem wasserstofffähigen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Ensdorf, einer Wasserstoff-Pipeline oder auch dem Flusstourismus.
Mit Blick auf das größte Transformationsprojekt der Landesgeschichte - 4,6 Milliarden Euro für Grünen Stahl in Völklingen/Dillingen - erwartet er jetzt schnelle politische Entscheidungen in Sachen CO2-Bepreisung. «Unter den jetzt sich verändernden Rahmenbedingungen sind die Förderbescheide zu gering ausgestattet», sagte er. Man habe eine Verantwortung, nun denen, die sich auf der Grundlage der alten Rahmenbedingungen auf den Weg gemacht hätten, auch gerecht zu werden.
Barke zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich eine Lösung finden werde: «Wir hatten schon viele Herausforderungen im Umfeld Stahl. Und es ist nicht das erste Mal, dass wir an das Thema Instrumentenkasten nochmal herangehen.» Es sei jedoch wichtig, dass dies jetzt auch schnell passiere, weil die Unternehmen Planungssicherheit brauchten.

Die Transformation zum Grünen Stahl ist das größte Projekt der Landesgeschichte. Um es durch neue Regelungen bei der CO2-Bepreisung nicht zu gefährden, erwartet der Wirtschaftsminister schnelle politische Entscheidungen aus Berlin und Brüssel. (Symbolbild) | Federico Gambarini/dpa
Bei Branchen breiter aufstellen und resilienter werden
Die Meinung, man solle statt in die Industrie lieber mehr in den eigenen Mittelstand investieren und keinen externen Mittelstand ins Land holen, halte er für «absolut gefährlich»: «Fällt die Stahlindustrie, würden auch die mit ihr verwobenen Wertschöpfungsketten sehr darunter leiden.» Daran hingen Tausende von Arbeitsplätzen.
Zugleich sprach sich der Minister auch für eine Diversifizierung aus: Es brauche neben Stahl und Automotive neue Branchen, die dafür sorgen, «dass wir uns breiter aufstellen und resilienter werden.» In diesem Zusammenhang seien daher Unternehmen wie Vetter, Viega und Fricke wichtig.
Auf die Frage, warum der führende industrielle Mittelstand Deutschlands im Saarland investiere, könne man durchaus eine Antwort geben, so Barke. Verantwortlich dafür seien die strukturell gute Lage im Herzen Europas, «hervorragend ausgebildete Fachkräfte» und eine Transformation, die dazu führe, dass die Arbeitsplätze auch besetzt werden können. Gleichwohl würde all das nicht funktionieren, wenn man nicht eine leistungsfähige Wirtschaftsförderung hätte, die um jede Ansiedlung kämpfe.
Wartezeit für neue Arbeitsplätze
Was trotz allem «ein Stück weit miese Stimmung» im Land mache, sei, «dass das Alte schneller geht, als das Neue kommt». Arbeitsplätze würden wegfallen - aber neue nicht sofort passgenau zur Verfügung stehen. «Das ist ein Thema, das echt Verdruss macht», gab Barke zu. Mit den Stimmungen müsse man umgehen. Perspektivisch sei dies jedoch «der zielführende Weg, mit dem wir Zukunft in diesem Land gewinnen können. Deshalb halten wir daran fest.»
dpa
Bild: Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) hofft, den Nachwuchs im Land auch durch einen positiven Strukturwandel halten zu können. (Archivbild) | Harald Tittel/dpa
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